18.12.2015, 12:55 Uhr | 0 |

Flächendeckende Überwachung Jedes britische Auto wird pro Stunde viermal gefilmt

35 Millionen Autokennzeichen werden in Großbritannien aktuell jeden Tag von Überwachungskameras erfasst. Vor fünf Jahren waren es erst 14 Millionen. In keinem anderen Land nimmt die automatisierte Überwachung des Autoverkehrs so rasch zu. Inzwischen können die Behörden fast lückenlose Bewegungsprofile erstellen. 

Verkehrsüberwachung in der Großstadt
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Verkehrsüberwachungstechnik von Siemens: In Großbritannien gibt es inzwischen mehr als 10.000 Überwachungskameras, die statistisch jedes fahrende Auto viermal pro Stunde erfassen. Daraus lassen sich problemlos Bewegungsprofile erstellen. Werden zur Fahndung ausgeschriebene Autos entdeckt, bekommen Polizeistreifen in der Nähe ein Signal.

Foto: Siemens

Während in Deutschland heftig darüber debattiert wurd, ob Verbindungsdaten nun zwei Wochen oder nach einem halben Jahr gelöscht werden müssen, sind im National ANPR Data Centre in der Nähe von London inzwischen 22 Billionen Daten gespeichert. Daten, die den Behörden eine Menge Möglichkeiten bieten. Wann wurde welches Auto wo bewegt? Gibt es täglich die selben Fahrten? Welche Abweichungen gibt es von der Regel?

Die Überwachungsdichte ist in Großbritannien inzwischen enorm. Im Schnitt wird jedes fahrende Auto wenigstens viermal in der Stunde erfasst und im Zentralcomputer festgehalten. Viermal pro Stunde. Bislang werden diese Daten zwei Jahre lang gespeichert. Künftig sollen es sieben Jahre sein. Zugleich wollen die britischen Behörden automatisiert Bewegungsprofile für erstellen, die dann Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Fahrer oder Besitzer zulassen. Kein zweites Land geht bisher so weit.

Automatische Kennzeichenerfassung seit zehn Jahren

Im modernen britischen Sprachgebrauch ist nur von APNR die Rede. APNR steht für Automated Number Plate Recognition, darunter versteht sich die automatische Erfassung von Kennzeichen, die Kontrollpunkte passieren. Die Anfänge reichen in Großbritannien zehn Jahre zurück. Seit 2006 werden die Daten allerdings nicht nur erfasst, sondern umgehend an einen Zentralcomputer in Hendon bei London gemeldet.

 

Offiziell gibt es landesweit 8300 Erfassungsgeräte. Diese offizielle Zahl dürfte aber längst überholt sein. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Überwachsungskameras im Verkehrsraum die Zahl von 10.000 längst überschritten hat. Die meisten Kameras sind fest montiert – schwarze Kästen, die kleiner sind als übliche Überwachungskameras. 

Entsprechend unauffällig verstecken sie sich in der Autobahn-Beschilderung, an Parkplatzeinfahrten, Tankstellen, Einkaufszentren und unzähligen anderen Stellen. Es gibt aber auch mobile Erfassungsgeräte. Sie zieren beispielsweise das Dach jedes britischen Polizeifahrzeugs.

Über 10.000 Überwachungskameras im Verkehr

Die Aufgabe dieser Geräte ist aber nicht die Erfassung von Verkehrssündern, die im Überholverbot überholen oder bei Rotlicht über die Ampel fahren. Zum einen will Großbritannien wissen, wer sich wann und wo bewegt. Zudem werden die erfassten Kennzeichen mit den Akten der zentralen Zulassungsstelle und den Daten der Versicherer verglichen.

Stellt sich heraus, dass ein Fahrer oder Besitzer polizeilich gesucht wird, dass sein Fahrzeug unversteuert, unversichert und mit überfälligem TÜV unterwegs ist, wird es sofort zur Fahndung ausgeschrieben. Polizeistreifen können dann sofort eingreifen, wenn sie angezeigt bekommen, dass sich ein gesuchtes Fahrzeug in der Nähe bewegt.

Den größten Nutzen von ANPR hat bisher die Polizei bei der Verbrechensbekämpfung. Bei Einbrüchen und Überfällen kann die Polizei aus dem ANPR-Zentralcomputer auf Anfrage sofort erfahren, welche Fahrzeuge in der Nähe des Tatorts unterwegs waren. Dabei lässt sich auch feststellen, ob bei ähnlichen Verbrechen in der Vergangenheit etwa die gleichen Autos registriert worden waren. Das ist auch ein wichtiger Grund für den schnellen Ausbau des ANPR-Netzes. 

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Von Mark Davies
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