26.08.2014, 15:40 Uhr | 0 |

Neue Dimension der Spionage ICReach: NSA hat eigenes Google konstruiert

Der amerikanische Geheimdienst NSA betreibt eine gigantische eigene Suchmaschine, die sich sehr stark an Google anlehnt. Auf die ICReach genannte Plattform haben neben der NSA 1000 Analytiker aus 23 Regierungsdiensten wie dem FBI und der Drogenbehörde DEA ungehinderten Zugriff.

Suchmaschine ICReach der NSA
Á

Eine eigene Suchmaschine namens ICReach, die optisch wie Google aussieht, betreibt der amerikanische Geheimdienst NSA bereits seit Jahren. 

Foto: Screenshot ingenieur.de/

Ein grünes I, ein blaues C, ein rotes R, dann in gelb, blau, grün und wieder gelb die Buchstaben each. Darunter ein einfacher Eingabeschlitz. So bunt und schlicht wie die Google-Startseite präsentiert sich ICReach, die Suchmaske des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA. Die Existenz dieser bereits seit 2007 betriebenen Geheimdienst-Suchmaschine ICReach hat das US-amerikanische Magazin „The Incept“ heute Nacht veröffentlicht. Dem Magazin liegen als geheim eingestufte bisher unbekannte Dokumente aus dem Fundus des Geheimnisverräters Edward Snowden vor.

Mindestens 850 Milliarden Datensätze gespeichert

Der Index des Dienstes ICReach umfasst rund 850 Milliarden Datensätze. Bezieht man diese absurd hohe Zahl an Datensätzen auf die Anzahl der Menschen auf der Erde, so zeigt sich, dass die NSA über jeden Erdenbürger, vom Baby bis zum Greis, mehr als 100 Datensätze speichern kann.

Es sind vor allem Metadaten, die in ICReach zu finden sind und weniger Kommunikationsinhalte. Also Daten, die darüber informieren, wer wann wie lange mit wem von welchem Ort kommuniziert hat. Es gibt 30 verschiedene Arten von Metadaten, unter anderen Telefonanrufe, Internet-Chats oder die Ortsdaten von Mobiltelefonen.

„Der Mythos, dass Metadaten einfach nur ein paar Zahlen sind, ist längst widerlegt. Das ist eine Sammlung hochsensibler Informationen“, betont Elizabeth Goitein, Co-Direktorin des „Liberty and National Security Program“ auf der New York University School of Law’s im Brennan Center for Justice.

Die normalen Befugnisse aufgeweicht

Auf diese gigantische Informations-Sammlung hat allerdings nicht nur die NSA Zugriff: Rund 1000 Analytiker aus 23 unterschiedlichen US-Regierungsdiensten können auf diesen Datenberg zugreifen. Darunter befinden sich Polizeibehörden wie das FBI, der Auslandsnachrichtendienst CIA und die Drogenbehörde DEA sowie viele kleinere Dienste der US-Regierung.

Das bedeutet faktisch, dass alle diese Behörden jederzeit ohne Probleme auf Informationen zugreifen können, die mit nachrichtendienstlichen Methoden erstellt wurden. Die normalen Befugnisse einer Polizeibehörde sind mit dieser Praxis aufgeweicht.

NSA will mit ICReach Verhalten vorhersagen

Das Ziel von ICReach ist, eine Art soziales Netzwerk einzelner Personen nachzeichnen zu können. Aus der Kombination der 30 Metadaten lassen sich zum Beispiel problemlos feste Lebensgewohnheiten herausdestillieren. Auf diese Weise hofft die NSA, einen Blick in die Zukunft werfen und so künftige Aktivitäten vorhersagen zu können. ICReach ermöglicht allen zugreifenden Behörden, Bewegungsprofile beliebiger Mobilfunkbesitzer zu erstellen, das komplette Netzwerk ihrer Freunde und Bekannten unter die Lupe zu nehmen und selbst politische oder religiöse Überzeugungen zu erkennen. Der Datenbestand speist sich dabei zusätzlich mit Daten der Partnerdienste aus der so genannten Five-Eyes-Gruppe. Dazu zählen neben den USA  die Geheimdienste Großbritanniens, Kanadas, Australiens und Neuseelands.

Täglich kommen bis zu fünf Milliarden Daten hinzu

Die gigantische Datenbank ICReach wächst dabei täglich um zwei bis fünf Milliarden neue Einträge. Wie gigantisch ICReach heute wirklich ist, lässt sich nicht exakt benennen. Die genannten 850 Milliarden Datensätze beziehen sich auf 2010. Denn aus diesem Jahr datieren die Snowden-Dokumente über ICReach. Heute dürfte der Datenbestand der NSA-Suchmaschine daher wesentlich umfangreicher sein. Ein Hinweis darauf ist auch, dass im Geheimbudget der NSA im Jahre 2013 ein Finanzierungsantrag steht. Der Inhalt: die Ausweitung von ICReach.

Idee stammt von Keith Alexander

Der ehemalige NSA-Direktor Keith Alexander initiierte kurz nach seinem Amtsantritt 2005 die Einrichtung von ICReach. Das Tool bietet spezielle Features, so soll ICReach die erste Suchmaschine der Welt sein, die Echtzeit-Sharing erlaubt habe. Per Suchschlitz können die Analysten sämtliche Daten jederzeit miteinander abgleichen. Zum Beispiel können Wortschnipsel aus einem Telefongespräch mit Bildern einer Videokamera im öffentlichen Bereich abgeglichen werden. Diese Querabgleiche machen ICReach zu einem mächtigen Recherche-Tool.  Es lassen sich automatische sogenannte Matches finden, das sind Daten, die zueinander passen. E-Mails, IP-Adressen, Ortsdaten, SMS, Telefonnummern – alles ist in ICReach miteinander vergleichbar.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden