06.10.2014, 12:35 Uhr | 0 |

Smartphones gehackt Hackerangriff auf Demonstranten in Hongkong

Die Handys der Demonstranten in Hongkong, die sich seit Tagen für freie Wahlen auf die Straße begeben, sind offenbar mit einer Spähsoftware infiziert worden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Hackerattacke auf das Konto der chinesischen Regierung geht.

Demonstranten in Hong Kong
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Demonstranten in Hongkong: Ihre Handys werden inzwischen von Hackern an- und sensible Daten abgegriffen.

Foto: dpa

Offenbar ist es chinesischen Hackern gelungen, über einen Spyware-Link per WhatsApp die Smartphone-Betriebssysteme von Android und Apples iOS anzugreifen und zu beherrschen. Das in San Francisco ansässige Sicherheitsunternehmen Lacoon Mobile Securite berichtete, einen Trojaner entdeckt zu haben, der sensible Daten wie den geographischen Standort des Nutzers, seine versendeten Textnachrichten, sein Adressbuch, seine E-Mails und viele weitere Informationen aus dem smarten Telefon offen legt.

„Da bleibt nicht viel Raum für Phantasie“

Der Geschäftsführer der US-amerikanischen Sicherheitsfirma ist sicher, dass dieser Hackerangriff nicht aus einer chinesischen Hinterhof-Garage gestartet worden ist. „Sie haben eine sehr raffinierte Malware, sie haben die Hongkong-Demonstranten als Ziel, sie haben eine chinesische Windows-Maschine als Server“, sagte Lacoon-CEO Michael Shaulov dem Wall Street Journal. „Da bleibt nicht viel Raum für Phantasie.“

Es ist ein Trojaner mit dem Namen Xsser: Im Programmcode fanden die Spezialisten von Lacoon Programmbefehle in Chinesisch. Laut Shaulov ist dieser Hacker-Angriff die bisher raffinierteste Attacke auf Apples Handy-Betriebssystem. „Das ist der erste klare Hinweis, dass die wirklich fähigen Leute sich jetzt iOS-Geräte vornehmen statt PCs oder Laptops zu infizieren.“ Shaulov merkte an, dass die Host-Server der Spähsoftware sofort herunter gefahren worden seien, nachdem sein Unterhemen die Spyware entdeckt und online darüber berichtet habe.

Angebliche App der Gruppe Code4HK

Versteckt hat sich die Spähsoftware hinter einer App, die angeblich von der Gruppe Code4HK stammt. Das sind Entwickler, die in den vergangenen Tagen geholfen haben, die Proteste in Hongkong zu organisieren. „Probiere diese von Code4HK konzipierte Android-App für die Koordination von Occupy Central aus“, lautete die von einem unbekannten Konto via WhatsApp versendete Nachricht, die auf den smarten Telefonen der Demonstranten landete. Wer diesem Aufruf folgte, öffnete all seine privaten Daten dem unbekannten Angreifer.

Lacoon Mobile Security ist sicher, dass die Spyware nicht von der Gruppe Code4HK stammt. Die Server, die diese Spionagesoftware verbreiten, ähneln jenen, die 2013 vom chinesischen Militär verwendet wurden, um Cyberattacken auf US-Unternehmen zu starten. Die Gruppe Code4HK distanzierte sich von dem Angriff. Vincent Lau, Mitbegründer der Gruppe, sagte: „Ich glaube, das waren Leute, die von pro-chinesischen Parteien in Hongkong sind, oder aus China.“ Eigene Nachforschungen ergaben laut Lau, dass die Spyware von einem Server komme, auf der eine Windows-Version in chinesischer Sprache laufe.

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Von Detlef Stoller
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