14.01.2015, 13:21 Uhr | 0 |

WhatsApp betroffen Gegen Verschlüsselung: Cameron will Zugang zu jeder Kommunikation

Messenger-Dienste wie WhatsApp sind gerade dabei, die Sicherheit für ihre Nutzer durch Verschlüsselungen zu erhöhen – da will der britische Premier alles verbieten, was den Zugriff der Sicherheitsbehörden verhindert. Nur so sei der Kampf gegen den Terror zu gewinnen, meint David Cameron.

Der britische Premier David Cameron
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Der britische Premier David Cameron will nach einem möglichen Wahlsieg keine verschlüsselten Nachrichtendienste wie WhatsApp mehr zulassen. Der Geheimdienst soll alle Nachrichten mitlesen können.

Foto: Stephanie Lecocq/dpa

Der Wahlkampf hat begonnen. Im Mai wird in Großbritannien ein neues Unterhaus gewählt, und für den Fall eines erneuten Wahlsieges hat der konservative Premier David Cameron durchgreifende Pläne: Es soll rundweg keine Art von elektronischer Kommunikation mehr geben, die dem Zugriff der Sicherheitsbehörden entzogen ist, sagte er bei einer Wahlkampf-Rede.

Cameron bezieht sich direkt auf die Anschläge in Frankreich und will offenbar die Angst seiner Landsleute vor dem Terror nutzen, um eine umfassende Überwachung durchzusetzen. Dabei zielt er vor allem auf mobile Messenger-Dienste wie WhatsApp oder iMessage von Apple.

Texte können sicher versandt werden

WhatsApp hat erst vor ein paar Monaten eine so genannte End-to-End-Verschlüsselung eingeführt, die zumindest für das Betriebssystem Android angeboten wird. Nachrichten werden dabei auf dem Gerät des Senders verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder decodiert. Damit kann weder der Anbieter selbst, noch die Polizei oder Geheimdienste mitlesen. Textinhalte zumindest gelten damit als sicher, bei WhatsApp können allenfalls noch Bilder von Dritten angesehen werden.

Mit WhatsApp vergleichbare, aber weniger populäre Dienste wie TextSecure oder Threema haben eine solche Verschlüsselung schon länger. Sie alle müssten, wenn Cameron seinen Gesetzesplan in einem neuen Parlament durchbringen kann, auf diese Sicherheitsmaßnahmen verzichten. Kritiker in Großbritannien vergleichen das Vorhaben mit dem Verbot, seine eigene Haustür abzuschließen, weil die Polizei ja mal reinkommen wollen könnte.

Verbot in Deutschland undenkbar

Die Verschlüsselung bei den meisten Anbietern basiert auf einem System, das von dem Unternehmen Open WhisperSystems entwickelt wurde – vor allem mit der Absicht, Oppositionelle in diktatorisch regierten Staaten zu schützen. Nach Ansicht Camerons bietet es aber Terroristen einen „geschützten Raum“, in dem sie ungestört kommunizieren und etwa Attentate vorbereiten könnten – und das dürfe nicht weiter möglich sein.

2013 war der Premierminister mit ähnlich massiven Vorhaben am Widerstand der Liberalen gescheitert, mit denen Cameron 2010 eine Koalition bilden musste. Dass er nach der Neuwahl im Mai alleine regieren kann, ist unwahrscheinlich, insofern ist die aktuelle Ankündigung auch erstmal vor allem Wahlkampf-Rhetorik. Dass ähnliche Regelungen in Deutschland eingeführt werden könnten, scheint derweil völlig abwegig – angesichts der NSA-Affäre wäre es wohl politisch undenkbar, dem gesteigerten Bedürfnis nach Datensicherheit auch noch einen Riegel vorzuschieben.

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Von Werner Grosch
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