14.11.2014, 13:51 Uhr | 0 |

Neue Einstellungen und Richtlinien Facebook legt Verwertung von Nutzerdaten offen und verbessert Kontrolle durch Anwender

Sie suchen im World Wide Web nach Ihrem nächsten Ferienziel? Dann werden Ihnen bei Facebook demnächst wahrscheinlich ungefragt Anzeigen von Reiseanbietern präsentiert. Das können Sie sich aber auch verbitten. Facebook hat offiziell erklärt, die gesammelten Daten über die Aktivitäten der einzelnen Facebook-Mitglieder für personalisierte Werbeanzeigen nutzen zu wollen. Gleichzeitig sollen User selbst mehr Kontrolle darüber bekommen, wie mit ihren Daten umgegangen wird.

User vor Facebook-Seite
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Facebook hat offiziell erklärt, gesammelte Daten über die Aktivitäten der einzelnen Facebook-Mitglieder für personalisierte Werbeanzeigen nutzen zu wollen. Und verspricht gleichzeitig, User sollen selbst mehr Kontrolle darüber bekommen, wie mit ihren Daten umgegangen wird.

Foto: dpa/Oliver Berg

Überraschend ist nur, dass es nicht schon vorher geschehen sein soll. Wie Erin Egan, Chief Privacy Officer bei Facebook gestern informierte will das Social Media Network die Werbeanzeigen, die seine Mitglieder bei Facebook zu sehen bekommen, noch stärker personalisieren. Das nütze nicht nur den Anzeigenkunden sondern auch dem User, der zukünftig mehr für ihn relevante Informationen erhalten soll. Dafür sollen Daten über die vom User genutzen Apps und besuchten Webseiten auch außerhalb von Facebook verwertet werden. Mit aktualisierten „Bedingungen, Datenrichtlinie und Cookie-Richtlinie“ sollen die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Zuletzt hatte Facebook seine Datenschutzregeln vor rund einem Jahr aktualisiert.

Mit der nun vorgeschlagenen Änderung ebnet Facebook außerdem den Weg für die Einführung einer Bezahlfunktion, an der noch gearbeitet wird. Im Sommer hatte Facebook bereits damit begonnen, einen „Buy“-Button zu testen, der in die Werbeanzeigen von ein paar ausgewählten US-amerikanischen Unternehmen eingebaut wurde.

Cookies sorgen für personalisierte Anzeigen

Unternehmen schalten Werbeanzeigen bei Facebook, um die Nutzer zu erreichen, die sich am meisten für ihre Produkte oder Dienstleistungen interessieren. Technisch wird diese Bedingung schon immer mit Cookies gelöst, und zwar Web-weit, nicht nur bei Facebook: Cookies sind kleine Textdateien, die auf dem Computer des Besuchers einer Webseite gespeichert werden und Informationen über den Besuch enthalten. Dass Facebook das Surfverhalten seiner Nutzer auch über deren Aktivitäten im Social Network hinaus überwacht, ist nichts Neues.

Bereits vor vier Jahren wurde zum Beispiel bekannt, dass Facebook schon per Cookie-Technologie Bescheid bekommt, wenn ein Anwender die Webseite eines Anbieters aufruft, in der ein Like-Button von Facebook eingebunden ist. Neu ist aber, dass der Anwender nun selbst mehr Einstellungen vornehmen können soll, welche Werbung ihm gezeigt wird.

Interaktive Anleitungen im Test von Ingenieur.de

Für Ingenieur.de versuchte die Autorin dieses Beitrags über einen eigenen Facebook-Account die neuen Einstellungsmöglichketen und die Informationen über neue Richtlinien und Änderungen nachzuvollziehen. Und scheiterte kläglich: Innerhalb kürzester Zeit verlor sie sich über immer neue, weiterführende Links zu dieser Cookie-Bedingung und jener Privatsphären-Einstellung in den Wirren des Netzwerks.

Ein paar Beobachtungen: Angekündigt und auch bereits eingerichtet wurden die neuen Grundlagen zur Privatsphäre. Dabei handelt es sich um ein leider unübersichtliches und verschachteltes Menü aus Workshops. In denen werden die Nutzer interaktiv durch diverse Benutzereinstellungen zum Beispiel zur Privatsphäre geführt, die schon vorher möglich waren.

Werbeanzeigen kontrollieren

Eingebaut in diese Grundlagenführung sind auch die Erläuterungen über die neuen Möglichkeiten im Umgang mit Werbeanzeigen, die dem Nutzer präsentiert werden: Per Klick auf ein kleines Kreuzchen oben rechts in der Ecke einer jeden Anzeige soll der Nutzer unter anderem das Menü „Warum wird mir das angezeigt?“ auswählen können. Dieser Menüeintrag war in einer Werbung, die der Autorin gezeigt wurde, noch nicht zu finden. Wählen konnte sie lediglich, diese Anzeige nicht mehr sehen zu wollen.

Umgang mit Cookies ohne Facebook regeln

Ebenfalls nicht nachvollziehbar war im Test, ob der Nutzer Cookie-Einstellungen in Facebook selbst vornehmen kann. Diesbezüglich führt ein Link zur „European Interactive Digital Advertising Alliance“, wo man Cookies abbestellen können soll. „Wenn du nicht möchtest, dass wir die Webseiten und Apps nutzen, um dir weitere relevante Werbeanzeigen zu präsentieren, tun wir dies auch nicht“, heißt es bei Facebook unter der Überschrift „Verbesserung der Werbeanzeigen und mehr Kontrolle für dich“.

„Du kannst dich entscheiden, nicht an dieser Form der Werbung aller beteiligten Unternehmen, darunter auch Facebook, teilzunehmen und dies über die branchenübliche Digital Advertising-Alliance-Funktion zum Abbestellen des Erhalts von Werbung (...) abbestellen“, wird lediglich informiert.

Tatsächlich ist der Umgang mit Cookies in erster Linie in den Datenschutz-Einstellungen des verwendeten Browsers vorzunehmen. Wer zum Beispiel in den Einstellungen des Mozilla Firefox-Browsers unter „Datenschutz“ die „Not-Track“-Funktion aktiviert, indem er den Menüpunkt „Websites mitteilen, meine Aktivitäten nicht zu verfolgen“ anklickt, und in der benutzerdefinierten Einstellung der Chronik bei „Cookies von Drittanbietern akzeptieren“ „Nie“ auswählt, ist vor der Überwachung seines Surfverhaltens sicher – auch vor Facebook.

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Von Susanne Neumann
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