14.03.2014, 12:52 Uhr | 0 |

Anruf im Weißen Haus Facebook-Gründer Zuckerberg beschwert sich bei Obama über NSA-Spionage

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat persönlich bei US-Präsident Barack Obama angerufen und sich über NSA-Spionage auf Facebook beschwert. Medienberichten zufolge tarnt der Geheimdienst eigene Rechner als Facebook-Server und greift die Kommunikation der User ab. Zuckerberg sagte, er wolle das Netzwerk nicht gegen die eigene Regierung schützen müssen.  

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg
Á

Barack Obama und Mark Zuckerberg kennen sich seit Jahren. Jetzt hat der Facebook-Gründer kurzerhand im Weißen Haus angerufen und sich persönlich über die Methoden der NSA beschwert. Auf die neuesten Enthüllungsberichte hat die Regierung bislang nicht reagiert. 

Foto: dpa/Michael Reynolds

In einem Statement auf Facebook sagt Mark Zuckerberg, er habe Obama am Telefon seine Frustration darüber mitgeteilt, dass die Regierung ihre Bürger ausspähe, anstatt sie zu schützen. „Unsere Techniker arbeiten unermüdlich daran, die Sicherheit der Nutzer immer weiter zu verbessern. Sie tun das in dem Glauben, sie gegen Kriminelle zu schützen, nicht gegen die Regierung“, schreibt der Facebook-Gründer, der sich selbst schon häufig Kritik der Datenschützer ausgesetzt sah.

NSA greift angeblich Ton und Bild auf Facebook ab

Motiv für den Anruf im Weißen Haus und die Stellungnahme waren offenbar Berichte, nach denen der US-Geheimdienst NSA eigene Rechner als Facebook-Server tarnt und sich so in die Online-Kommunikation der Nutzer einschaltet. Auf diesem Wege könnten die Spione nicht nur die Facebook-Aktivitäten kontrollieren, sondern sogar Ton- und Bildaufnahmen von infizierten Rechnern absaugen, heißt es in einem Artikel des Webdienstes The Intercept, der auf Dokumenten von Edward Snowden basieren soll.

Solche Angriffe, die sich in die Kommunikation zweier Parteien einklinken, werden „Man on the side“-Attacken genannt. Derartige Methoden werden dem Bericht zufolge häufig bei Besuchern terroristischer Webseiten angewandt. Damit soll es beispielsweise möglich sein, den Nutzer mit dessen eigener Webcam zu fotografieren.

Zuckerberg sagt in seinem Beitrag sinngemäß, dass der Staat ein Vorbild für Internetsicherheit sein müsse und keine Bedrohung derselben. Wenn die Regierung nicht Transparenz über ihr Vorgehen herstelle, würde die Öffentlichkeit das Schlimmste glauben. Facebook werde seinen Teil dazu beitragen, dass das Internet größer und wichtiger werde als alles, was wir heute haben. Konkrete Zusagen für den zukünftigen Schutz der mehr als eine Milliarde Menschen, die in dem Sozialen Netzwerk angemeldet sind, macht Zuckerberg allerdings nicht.

Regierung reagiert nicht auf angeblichen Enthüllungsbericht

US-Regierung und NSA haben bislang auf den Bericht von The Intercept nicht reagiert. Zwar hatte ein Sprecher von Facebook erklärt, dass es keine Beweise für die Spionage gebe. Die Quelle allerdings ist nicht irgendeine: Gründer von The Intercept ist der Jurist und Journalist Glenn Greenwald, ein Vertrauter von Edward Snowden und neben dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter die zentrale Figur bei der Aufdeckung der Affäre. Er hatte im vergangenen Jahr schon die ersten Berichte über die NSA-Aktivitäten im britischen Guardian veröffentlicht.

Anzeige
Von Werner Grosch
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden