20.10.2014, 14:37 Uhr | 0 |

Datenschutz bei iOS, Android & Co. FBI-Chef fordert Zugriff auf verschlüsselte Geräte und Kommunikation

James B. Comey, Direktor des US-amerikanischen Inlandsgeheimdienstes FBI, hat erneut gewarnt, moderne Verschlüsselungstechniken gefährdeten die öffentliche Sicherheit. Selbst gerichtlich legitimierte Abhöraktionen und Zugriffe auf verschlüsselte Informationen seien den Geheim- und Sicherheitsdiensten heute technisch oft verwehrt. Comey fordert deshalb neue Lösungsansätze, um dies wieder zu ermöglichen.

Selbst wenn seine Behörde gerichtlich Anordnung habe, sich Zugang zu Kommunikation und Information zu verschaffen, sei es ihr technisch nicht immer möglich, sagte James B. Comey. Das FBI habe eben nicht die Möglichkeit, jederzeit an jede beliebige Information zu kommen, wie einige glaubten. „Das ist vielleicht im Film oder im Fernsehen die Wahrheit, aber nicht im echten Leben“, so Comey.

Zum Bespitzeln legitimiert

Seine Behörde sei zuständig für die gerichtlich angeordnete Überwachung von „Daten in Bewegung“ (data in motion) wie E-Mails, Telefongespräche oder Live-Chats und für den gerichtlich angeordneten Zugang zu gespeicherten Daten (data at rest) wie Textdokumenten, Fotos oder Videos, erklärte Comey seine Job.

Beide Arten von Daten würden jedoch zunehmend in einer Art und Weise verschlüsselt, dass denjenigen, die für die öffentliche Sicherheit zuständig seien, die Möglichkeit zur Überwachung und zum Zugriff verwehrt sei. Dass auch die bad guys, also Kriminelle und Terroristen, diese Techniken für ihre Machenschaften nutzten, erschwere den Sicherheitsbehörden zunehmend, Verbrechen aufzuklären oder gar Terroranschläge zu verhindern.

„Wir versuchen nicht, unsere Befugnisse zur Kommunikationsüberwachung auszuweiten“, beteuert Comey. „Wir kämpfen darum, mit der sich wandelnden Technologie Schritt zu halten und Informationen aus Unterhaltungen sammeln zu können, zu deren Abhören wir autorisiert sind.“

Die Möglichkeiten der modernen Verschlüsselungstechniken drohten „alle an einen sehr dunklen Ort zu führen“, warnt Comey. Zwar verpflichte die aktuelle Gesetzgebung Telekommunikationsunternehmen dazu, Möglichkeiten zur gerichtlich angeordneten Datenüberwachung einzurichten. Dies jedoch aufgrund einer Gesetzgebung, die 20 Jahre alt sei und die technischen Möglichkeiten moderner Kommunikation nicht abdecke.

iOS 8 und Android L schließen selbst die Geheimdienste aus

Im Zusammenhang mit dem verwehrten Zugriff auf verschlüsselt gespeicherte Daten verweist Comey explizit auf Apple und Google. Die aktuellen Versionen der mobilen Betriebssysteme iOS und Android würden Information standardmäßig so verschlüsseln, dass Handys, Laptops und Tablets, auf denen die Betriebssysteme laufen, nicht mehr zu knacken seien. Apple hatte zur Veröffentlichung der neuen Version 8 seines mobilen Betriebssystems iOS erklärt, dass Dokumente, Kontakte, Fotos und andere Daten, die auf einem iOS8-Gerät verschlüsselt gespeichert werden, nicht mehr ohne den Code des Nutzers entschlüsselt werden können. Kurz danach hatte Google angekündigt, dass diese Art Datenschutz auch in seinem neuen Betriebssystem Android L (Lollipop) realisiert werde.

Comey schlägt vor, bereits bei der Weiterentwicklung von Verschlüsselungstechniken Lösungen für den legalen Zugriff zu integrieren, anstatt Behörden wie die seine damit alleine zu lassen, ein gesichertes System im Interesse der öffentlichen Sicherheit und der Terrorvermeidung knacken zu müssen. Dabei brauche seine Behörde keine Hintertüren im System, die dann auch von ausländischen Gegnern und Hackern missbraucht werden könnten, sondern "Vordertüren", um Beweise und Informationen zu sichern, anhand derer Verbrechen aufgeklärt und Terrorattacken verhindert werden können.

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Von Susanne Neumann
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