25.09.2014, 10:52 Uhr | 0 |

Right Livelihood Award Edward Snowden und Guardian-Chef erhalten Alternativen Nobelpreis

Whistleblower Edward Snowden und Guardian-Herausgeber Alan Rusbridger erhalten den Alternativen Nobelpreis. Die Stiftung des Right Livelihood Award würdigt damit Mut und Kompetenz des Ex-NSA-Mitarbeiters. Gleichzeitig ehrt sie die britische Tageszeitung Guardian für ihre Standhaftigkeit.

Whistlerblower Edward Snowden lebt derzeit in Russland
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Dass Menschen die Schattenseiten der Kommunikationstechnologie kennengelernt haben, verdanken sie diesem Mann: Edward Snowden. Der Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA lebt derzeit mit befristetem Asyl in Russland.

Foto: dpa

Snowden bekommt die Auszeichnung, weil er mit Mut und Kompetenz das Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt. Die Stiftung würdigt ausdrücklich, dass Snowden nicht einfach all seine Beweise ins Netz gestellt hat, sondern sich bewusst an die britische Tageszeitung The Guardian wandte, damit die Journalisten dort das Material sichten, auswerten und zielgerichtet veröffentlichen. Ihm sei klar gewesen, dass sich die Zeitung unter ihrem Herausgeber Alan Rusbridger zu einem modernen Medienunternehmen mit einer stark genutzten Onlineplattform entwickelt hatte.

Zugleich stehe der Guardian für die klassischen Werte des Journalismus, so die Stiftung. Sie sei eine kritische, unabhängige und auch von machtvollen Institutionen nicht beeinflussbare Instanz, die schon eine wesentliche Rolle im Abhörskandal um die Boulevardzeitung „News oft the world“ und in der Wikileaks-Affäre gespielt habe.

Das Netz als Mittel der Überwachung – und als Mittel dagegen

Rusbridger wird denn auch geehrt für „den Aufbau einer globalen Medienorganisation, die sich verantwortlichem Journalismus im öffentlichen Interesse verschrieben hat und gegen große Widerstände illegales Handeln von Unternehmen und Staaten enthüllt“. Seine Leistung sei es zudem, die Qualität eines traditionellen Blattes in Zeiten der stets verfügbaren Online-Information erhalten zu haben.

„Verantwortlichen Journalismus in einer digitalen Welt“ nennt das die Jury, die Rusbridger auch als Analytiker der modernen Datenwelt zitiert. Mit Blick auf die britischen Regierungsbehörden habe er geschrieben: „Ab einem gewissen Punkt, vermute ich, realisierten unsere Gesprächspartner, dass sich das Spiel verändert hatte. Jene Technologie, die Spione derart in Erregung versetzt – die ihnen ein alles sehendes Auge auf Milliarden Leben werfen lässt – , ist ebenfalls eine Technologie, die praktisch unmöglich zu kontrollieren oder in Schach zu halten ist.“

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Auch Guardian-Herausgeber Alan Rusbridger hat den Alternativen Nobelpreis erhalten. Die Stiftung ehrt die Zeitung als kritische, unabhängige und auch von machtvollen Institutionen nicht beeinflussbare Instanz.

Foto: dpa

Über Edward Snowden verliert die Stiftung nicht viele Worte. Muss sie auch nicht, schließlich ist sein Verdienst, den manche als Verrat betrachten, weltweit bekannt: Als Ex-Mitarbeiter der NSA hat er massenweise Dokumente ans Licht gebracht, die belegen, wie der US-Geheimdienst Millionen Menschen ausspäht. Über Eingriffe in Telekommunikationsnetze, über das Internet. Es wird belauscht, Bewegungsprofile von Menschen werden erstellt, Handys von Politikern wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört. Und entgegen allen nationalen Gesetzen sind davon auch Millionen US-Bürger betroffen.

Ministerium sagt Pressekonferenz kurzfristig ab

Veranstaltungsort für die Verkündung der Preisträger sollte das Pressezentrum des schwedischen Außenministeriums in Stockholm sein – wie jedes Jahr seit 1995. Die Stiftung stellt nun kommentarlos fest, dass die Pressekonferenz diesmal vom Ministerium abgesagt worden sei. Offenbar geschah dies kurz nach der Information des Ministeriums über die Preisträger. Wie viel die Absage mit der Auszeichnung für Snowden, den die USA als Geheimnisverräter vor Gericht stellen wollen, zu tun hat, darüber darf man spekulieren.

Die Meldung wurde deshalb einfach über die Nachrichtenagenturen verbreitet. Dazu gehört auch diese Information: „Die Stiftung hat die Absicht, Rechtskosten für Edward Snowden zu finanzieren.“ Sollte der mit befristetem Asyl in Russland lebende Amerikaner sich jemals vor Gericht verantworten müssen, will die Stiftung ihm also helfen.

Der so genannte Ehrenpreis der Stiftung für Snowden und Rusbridger ist ansonsten nicht dotiert. Das Preisgeld von umgerechnet rund 162.000 Euro teilen sich die anderen drei Preisträger: Asma Jahangir aus Pakistan, die „unter großem persönlichen Risiko“ für Menschenrecht in Pakistan kämpfe; Basil Fernando von der Asian Human Rights Commission in Hongkong „für seine unermüdliche und herausragende Arbeit für die Umsetzung der Menschenrechte in Asien und deren Dokumentation“; Bill McKibben aus den USA „für die erfolgreiche Mobilisierung einer wachsenden zivilgesellschaftlichen Bewegung für weitreichende Maßnahmen gegen den Klimawandel in den Vereinigten Staaten und weltweit“.

Keine Reaktionen aus der Politik

Reaktionen aus der deutschen Politik blieben nach der Veröffentlichung der Auszeichnungen zunächst aus. Gefallen wird sie aber sicher Linken-Fraktionschef Gregor Gysi. Er hatte dem Komitee in Oslo schon im Januar ganz offiziell Snowden als Preisträger für den traditionellen Nobelpreis vorgeschlagen. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter hatte erst kürzlich wieder für Schlagzeilen gesorgt, als er per Videobotschaft auf einer Wahlkampfveranstaltung in Neuseeland erklärte, der US-Geheimdienst habe häufig auch von dort Nachrichten abgehört und unterhalte sogar ein Büro in der Stadt Auckland.

Der „Preis für richtige Lebensführung“ wird seit 1980 vergeben. Gegründet hat die Stiftung, die ihn finanziert, der Schriftsteller Jakob von Uexküll, der in Hamburg aufwuchs und neben der schwedischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

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Von Werner Grosch
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