06.11.2013, 09:00 Uhr | 1 |

Sammlung persönlicher Daten Die USA weiten Kontrolle der Flugpassagiere extrem aus

Die amerikanische Transportsicherheitsbehörde TSA hat in jüngster Zeit die Überwachung der Passagiere im Luftverkehr extrem ausgeweitet. Das gilt für inneramerikanische wie auch internationale Flüge und somit sowohl für Amerikaner wie auch Ausländer. Die dabei gewonnenen Analysedaten werden einer Vielzahl anderer Behörden in den USA zur Verfügung gestellt.

Sicherheitskontrolle am Flughafen Schoenefeld
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Die amerikanische Transportsicherheitsbehörde TSA hat die Überwachung von Flugpassagieren extrem ausgeweitet. Sie sammelt bereits im Vorfeld Informationen über Flugpassagiere, sodass bei deren Eintreffen am Flughafen schon klar ist, ob diese sich dort stark verschärften Kontrollen unterziehen müssen oder sogar ein Flugverbot erhalten. Foto: Wikimedia/GNU-Lizenz Version 1.2

Foto: Wikimedia/Ralf Roletschek/fahrradmonteur.de

Ziel der TSA ist es, die Flugpassagiere schon vor dem Eintreffen am Flughafen systematisch zu analysieren, um sie dann entweder stark verschärften Kontrollen am Flughafen selbst unterziehen oder sie auf eine so genannte No-Fly Liste setzen zu können.

Noch vor relativ kurzer Zeit hatten die amerikanischen Behörden für derartige Zwecke nur jene Daten zur Verfügung, die die Luftverkehrsgesellschaften ihnen übermittelten. Das waren vor allem Name und Vorname, Geschlecht, Nationalität, Geburtsdatum und wenige weitere Angaben. Inzwischen aber hat die TSA auch Zugriff auf die Daten der verschiedensten anderen amerikanischen Behörden – so wie sie diesen Behörden auch ihre eigenen Analyseergebnisse überspielt. Dazu zählen – soweit im Einzelfall irgendwo verfügbar – die Daten und Ziele früherer Reisen, Steuernummern, Personenbeschreibungen einschließlich Bildern, Gerichtsakten und schließlich auch Geheimdienstaufzeichnungen und –erkenntnisse.

Die TSA begründet die neue Praxis damit, dass es ihr Ziel sein müsse, verdächtige Passagiere so früh wie möglich ausfindig zu machen und unter Umständen auch am Zugang zum jeweiligen Flughafen zu hindern. Desweiteren sei die neue Praxis insofern passagierfreundlich, als sie es ermögliche, Listen jener Reisenden zu erstellen, die als minimales Sicherheitsrisiko eingestuft werden können. Das dürften nach Angaben der TSA bis Ende kommenden Jahres rund 25 Prozent des Passagieraufkommens in Amerika sein.

Heimatschutzbehörde erhält automatisch alle Daten

Diese 25 Prozent der Reisenden werden dann bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen beispielsweise nicht mehr ihre Schuhe ausziehen müssen. Sie können zugleich auch ihren Laptop im Handgepäck lassen. Am anderen Ende der Skala stehen jene Passagiere, die zwar im Prinzip fliegen dürfen, aber als höchst verdächtig eingestuft sind. Sie können vor dem Abflug bis zu acht verschiedenen Kontrollen unterzogen werden.

Das gesamte Kontroll- und Analyseverfahren der TSA läuft weitgehend automatisiert ab. Dabei baut die entsprechende Software zum Teil auf Algorithmen auf, um die Passagiere besser beurteilen zu können. Teile des Verfahrens werden als so genanntes Automated Targeting System schon seit geraumer Zeit von der amerikanischen Heimatschutzbehörde genutzt. Letztere erhält automatisch sämtliche Daten, die die TSA gesammelt und analysiert hat. Dabei hat das Department of Homeland Security ausdrücklich das Recht, diese Daten allen amerikanischen Behörden zur Verfügung zu stellen und sie auch ausländischen Behörden zugänglich zu machen.

In Einzelfällen erhalten auch Firmen die Analysedaten

An der geschilderten Regelung über die Weitergabe der Daten ist bemerkenswert, dass diese unter gewissen Voraussetzungen auch Unternehmen zur Verfügung gestellt werden können. Das gilt beispielsweise im Blick auf Firmen, die Schulden eintreiben.

Das amerikanische FBI erhält alle Datensätze, die Fingerabdrücke – aus welcher Quelle auch immer – enthalten, um diese Abdrücke mit den Computerdaten über ungelöste Verbrechen abgleichen zu können.

Widerstand von verschiedenen Gruppen bisher ohne Erfolg

Gegen die ausgeweiteten Kontrollmechanismen gibt es inzwischen Widerstand zahlreicher amerikanischer bürgerrechtlicher Organisationen, beispielsweise Identity Project. Ein nennenswerter Erfolg im Kampf gegen die neuen Kontrollmethoden lässt sich aber noch nicht erkennen.

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Von Peter Odrich
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kommentare
06.11.2013, 10:20 Uhr mlr_1
Ich habe es schon immer vermutet, aber jetzt ist es endgültig klar. Die USA haben einen an der Waffel.
Ein gesundes Maß zwischen Kontrolle und Freiheit des Einzelnen ist für alle vom Vorteil. Ist das Verhältnis jedoch gestört, so wird es Konsequenzen (Nebenwirkungen bei Überdosis) geben.
Ich hoffe, dass die USA als bald ihr Gehirnn anschaltet und über die Konsequenzen von absoluter Kontrolle über jeden bis in den privaten Bereich und auch noch länderübergreifend nachdenkt.

Folgend dem Motto: Ein bissel mehr Menschlichkeit!

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