27.06.2014, 11:27 Uhr | 0 |

Wechsel zur Telekom Deutsche Bundesregierung trennt sich von NSA-Kooperateur Verizon

Die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag beziehen zukünftig ihre Internetdienste von der Deutschen Telekom. Sie beenden damit die Kooperation mit dem US-amerikanischen Telekommunikationskonzern Verizon. Denn laut Edward Snowden gibt dieser Verbindungsdaten an die NSA weiter. 

Verizon hat laut Whistleblower Edward Snowden letztes Jahr 46 Millionen Euro von der NSA erhalten
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Verizon hat laut Whistleblower Edward Snowden letztes Jahr 46 Millionen Euro von der NSA erhalten. Dafür soll das Telekommunikationsunternehmen unter anderem Verbindungsdaten weitergeleitet haben. 

Foto: dpa

Die deutsche Bundesregierung und der Bundestag reagieren auf den NSA-Skandal und beenden die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Telekommunikationskonzern Verizon. Sie wollen zu einem Partner wechseln, „bei dem auch Krisenregelungen und Eingriffsmöglichkeiten durch den Bund bestehen“, heißt es in einer kurzen Mitteilung des Innenministeriums. Die Deutsche Telekom wird in Zukunft die Dienstleistungen bereitstellen. Auch der Ältestenrat des Deutschen Bundestags beschloss gestern, die Zusammenarbeit mit Verizon zu beenden.

In dem Statement kann man ungewohnten Klartext lesen: „Sowohl die Anforderungen an die Netzinfrastrukturen als auch die Bedrohungslage der Netze durch hochentwickelte Schadprogramme wie zum Beispiel Trojaner steigen. Weiterhin haben die im Zuge der NSA-Affäre aufgezeigten Beziehungen von fremden Nachrichtendiensten und Firmen gezeigt, dass für die sicherheitskritische Kommunikationsinfrastruktur der Bundesregierung besonders hohe Anforderungen zu stellen sind.“

Verizon erhielt letztes Jahr 46 Millionen Euro von der NSA

Die Kooperation von Verizon mit der NSA ist keine Liebesheirat, der amerikanische Konzern wird von der NSA zu einer engen Kooperation gezwungen. Der Kommunikationsdienstleister wird für die Herausgabe aller Verbindungsdaten an die US-Regierung allerdings gut bezahlt. So soll Verizon laut Whistleblower Edward Snowden im Jahr 2013 von der NSA mehr als 46 Millionen Dollar finanzielle Entschädigungen bekommen haben – aus dem mit insgesamt 278 Millionen Dollar gefüllten Topf der Programme Blarney, Oakstar, Fairview und Stormbrew für amerikanische Backbone-Provider.

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Edward Snowden: Ohne die Enthüllungen des Ex-CIA-Agenten wären die Machenschaften des US-Geheimdienstes NSA nie ans Tageslicht gekommen.

Foto: dpa

Für einige Provider sind diese Zahlungen offensichtlich inzwischen zu einer lukrativen Einnahmequelle geworden, aber wie man an der Causa Deutschland jetzt auch sieht, schadet es letztendlich dem Geschäft, denn der Vertrag mit dem deutschen Innenministerium dürfte bald für immer Geschichte sein.

Bundesregierung will nur noch mit der Telekom zusammenarbeiten

Die Bundesregierung will die Zusammenarbeit mit Verizon aber nicht sofort beenden. Aus Kreisen des Ministeriums hieß es dazu, dass manche Vereinbarungen eine Laufzeit bis zum Jahr 2015 hätten. Künftig wolle man ausschließlich mit der Telekom zusammenarbeiten. Ein entsprechendes Angebot des Unternehmens liege bereits vor und müsse nun vom Haushaltsausschuss des Bundestags genehmigt werden.

Der Techniker runzelt hier etwas die Stirn, denn nach Presseberichten besteht die Kooperation mit Verizon hauptsächlich in der Bereitstellung von Internet-Adressen aus dem IPv4-Pool des Providers MCI, der 2006 von Verizon übernommen wurde. Wer diese IP-Adressen verwaltet, ist völlig problemlos in der Lage, die gesamte Kommunikation, die darüber läuft, mitzuschneiden oder sogar live zu duplizieren und beispielsweise an die NSA weiterzuleiten. Und das wiederum erzeugt laufende Schäden für Deutschland und deutsche Unternehmen im politischen und wirtschaftlichen Bereich.

Umstieg auf sichere IP-Adressen wäre sofort notwendig

Hier ist also Gefahr im Verzug und es müsste eigentlich sofort gehandelt werden. Deshalb finden sich im Netz auch Kommentare, die Bundesregierung wolle mit ihrem Schritt wohl nur einer Ausweitung der Debatte zuvorkommen. Auch aus Kreisen des Innenministeriums hieß es dazu, die Ankündigung sei auch eine Reaktion auf die Schlagzeilen, die der Bundestag mit seiner Zusammenarbeit hervorgerufen habe. 

Dabei kann man IP-Adressen durchaus für kleines Geld problemlos bei jedem Provider beziehen. Hier könnte zum Beispiel sofort ein entsprechender Adressblock vom designierten zukünftigen Provider, der Deutschen Telekom, statt der Verizon-Adressen genutzt werden. Das leichte Abgreifen der Daten wäre sofort vorbei, das die Online-Plattform Netzpolitik.org als Arbeitserleichterung für die NSA bezeichnet.

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Von Klaus Ahrens
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