28.02.2014, 13:32 Uhr | 0 |

Neue Snowden-Enthüllung Britischer Geheimdienst zapfte wahllos Videochats von Yahoo an

Es geht weiter mit den Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden. Neue Veröffentlichungen zeigen: Der britische Geheimdienst GCHQ hat mit Hilfe der NSA massenhaft Bilder aus Videochats des Messengers von Yahoo abgegriffen und gespeichert.

Yahoo.Messenger
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Yahoo-Messenger im App-Store von Google: Alle fünf Minuten zog der der britische Geheimdienst Bilder aus Videochats über den Yahoo-Messenger. Die Bilder wurden nicht nur ausgewertet, sondern auch für die Erprobung einer Software für die automatische Geschichtserkennung genutzt.

Foto: Screenshot Ingenieur.de

„Optic Nerve“ – Sehnerv – nannte der Geheimdienst das Programm zur Wohnraumüberwachung. Folien aus den Jahren 2008 bis 2010 belegen das nach Berichten der britischen Tageszeitung The Guardian. Die Zeitung beruft sich dabei auf Snowden-Dokumente. 1,8 Millionen Webcam-Aufnahmen sind danach allein innerhalb von sechs Monaten 2008 gesammelt worden. Das Programm war nach den Berichten bis 2012 aktiv.

Die Zielpersonen für diese Art der Überwachung wurden wahllos herausgegriffen, ein Anfangsverdacht war offenbar nicht nötig. Die Video-Chats wurden nicht komplett mitgeschnitten – alle fünf Minuten wurde ein Bild daraus abgespeichert. Teilweise zum Schutz der Menschenrechte, heißt es im Guardian. Ein Grund war aber auch, dass der Geheimdienst-Server sonst zu schnell überlastet gewesen wäre.

Datenschutz: Kaum Einschränkungen für den britischen Geheimdienst

Der Datenschutz war für den Geheimdienst kein Problem. Für die Briten gibt es fast keine Einschränkungen, wen sie überwachen dürfen. Ausländer sind nicht geschützt, darunter auch die User aus den Ländern der Geheimdienstallianz Five Eyes (USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland). Laut einem der Dokumente wurde die Überwachung gestartet, weil bekannt wurde, dass das Yahoo-Videochatprogramm von Zielpersonen benutzt wurde. Technisch wurde die Überwachung durch den direkten Zugriff auf Unterseekabel möglich.

In die Privatsphäre der so Überwachten einzudringen, störte die Geheimdienstler nicht, die Sorge um das sittliche Empfinden ihrer Mitarbeiter aber offenbar schon. „Unglücklicherweise hat es den Anschein, dass eine überraschende Zahl von Nutzern Videochats benutzen, um anderen Personen intime Teile ihres Körpers zu zeigen“, heißt es laut Guardian in einem der Dokumente. Die Tatsache, dass es der Yahoo-Messenger erlaubt, dass mehr als eine Person Webcam-Aufnahmen ansehen kann, werde manchmal für die Übertragung von Pornographie benutzt, schreiben die Autoren weiter. Zwischen drei und elf Prozent der abgegriffenen Bilder enthalten demnach „unerwünschte Nacktheit“.

Yahoo-Bilder für Versuche mit Gesichtserkennungssoftware genutzt

Die gesammelten Bilder seien für Versuche mit automatischer Gesichtserkennung genutzt worden, aber auch, um neue Überwachungsziele zu finden. Als Beispiel werden Verdächtige genannt, die verschiedene Accounts zur Kommunikation benutzen. Welchen Zugriff die NSA auf das Material hat, geht aus den Dokumenten nicht hervor, aber die Dokumente waren zumindest einigen Mitarbeitern zugänglich – beispielsweise Edward Snowden.

Der britische Geheimdienst GCHQ kommentierte die Berichte bislang nicht. Er versicherte lediglich, man halte sich an die Gesetze. Yahoo erklärte gegenüber dem Guardian, von der Überwachung nichts zu wissen. Sollten die Berichte stimmen, sei das eine völlig neue Stufe der Verletzung der Privatsphäre und komplett inakzeptabel. Man rufe erneut die Regierungen auf, die Überwachungsgesetze zu reformieren.

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Von Andrea Ziech
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