24.06.2013, 11:10 Uhr | 0 |

Neue Enthüllungen von Snowden Britischer Geheimdienst überwacht globalen Datenverkehr

Der britische Geheimdienst hat über einen geheimen Zugang zum Glasfasernetz die Telefon- und Internetkommunikation von Millionen Nutzern ausgespäht. Auch der amerikanische Geheimdienst nutzte diese gewaltige Datensammlung. 

Spionagestation im englischen Harrogate
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Eine Abhörstation auf dem Royal Air Force Stützpunkt Menwith Hill, nahe Harrogate. 

Foto: dpa

Der amerikanische IT-Spezialist, Ex-Geheimdienstler und inzwischen als „Whistleblower“ bekannte Edward Snowden war es, der der britischen Tageszeitung The Guardian die Unterlagen zur neuesten Späh-Affäre übergab. Demzufolge zapft der auf Datenerfassung spezialisierte britische Geheimdienst GCHQ (Government Communications Headquarters) seit 18 Monaten die Glasfaserleitungen auf der Insel in großem Stil an.

Unter dem Codenamen „Tempora“ habe der GHCQ mit den beiden Programmen „Mastering the Internet“ und „Global Telecom Exploitation“ Telefongespräche, Emails, Facebook-Inhalte und Web-Aufrufe überwacht. Möglich war dies, weil die britische Insel ein Knotenpunkt für den internationalen Datenverkehr ist. Ein Großteil der internationalen Kommunikation läuft über die Glasfaserleitungen in Großbritannien.

Gemeinsame Sache von britischem und amerikanischem Geheimdienst

Das haben sich Briten und Amerikaner offenbar gemeinsam zunutze gemacht. Denn die amerikanische National Security Agency NSA investierte ebenfalls in die Aufrüstung der Spionage-Kapazitäten, weshalb auch Snowden von der Sache wusste. Laut Guardian zapfte der GCHQ 1.500 der 1.600 Datenleitungen, die über die Insel laufen an, davon ungefähr 400 gleichzeitig. 300 britische Datenanalysten und 250 abgestellte amerikanische Kollegen hätten die bis zu 30 Tage lang aufbewahrten Kommunikationsdaten ausgewertet. Die Betreiberfirmen seien informiert, aber zu Stillschweigen verpflichtet worden.

Technisch gesehen ist diese groß angelegte Überwachung, vor allem von Internetverbindungen, schwierig. Die vielen kleinen Pakete der digitalen Kommunikation können unabhängig voneinander auf verschiedenen Wegen vom Sender zum Empfänger gelangen. Riesige Rechnerkapazitäten sind notwendig, um die Daten etwa einer einzigen Email nachträglich sinnvoll zusammenzusetzen. Bis zu 21 Petabyte täglich sollen bei den Geheimdiensten aufgelaufen sein.

„Größtes Programm zur verdachtsunabhängigen Überwachung“

Dabei wurde beim Erfassen der Daten zunächst nicht zwischen unschuldigen Bürgern und Verdächtigen unterschieden. Nur wenn die Agenten gezielt einzelne Kommunikationsvorgänge näher auswerten wollten, mussten sie nachweisen, dass die Suche notwendig war. Die relevanten Suchkriterien, so zitiert der Guardian eine anonyme Quelle, seien Sicherheit, Terror, organisierte Kriminalität und wirtschaftliches Wohlergehen gewesen. „Der allergrößte Teil der Daten wurde verworfen, ohne sie angeschaut zu haben – dazu haben wir einfach nicht die Kapazitäten“, sagte der Informant der Zeitung. Für Edward Snowden bleibt Tempora dennoch „das größte Programm zur verdachtsunabhängigen Überwachung in der Menschheitsgeschichte“.

Unterdessen hat die deutsche Justizministerin empört auf die britische Internetspionage reagiert und eine rasche Aufklärung über das Programm Tempora gefordert. „Die Vorwürfe gegen Großbritannien klingen nach einem Alptraum à la Hollywood“, schrieb sie auf Twitter. „Die Aufklärung gehört sofort in die europäischen Institutionen.“ Ein Sprecher der GCHQ lehnte einen Kommentar ab. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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