01.06.2016, 11:19 Uhr | 0 |

AUTOS SENDEN UNMENGEN DATEN BMW weiß, wo Sie am liebsten parken und Renault kann Sie am Weiterfahren hindern

Reifendruck, Kilometerstand, die Zahl der eingelegten CDs oder die Menge an verdächtigen „Gurtstraffungen“: Der ADAC wirft einigen Autoherstellern vor, solche Daten ständig von ihren Kunden abzusaugen, ohne dass diese davon wüssten. Die Autobauer bestreiten das. 

ADAC-Logo hinter zerbrochenem Glas
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Der Trend geht hin zum vernetzten Auto. Der ADAC hat jetzt einigen Autoherstellern vorgeworfen, ständig Daten von ihren Kunden abzusaugen, ohne dass diese davon wüssten. Die Autobauer bestreiten das. 

Foto: Arno Burgi/dpa

Bei einem BMW i3 haben Tester festgestellt, dass er die 100 letzten Abstellpositionen gespeichert hatte. In einem 320d desselben Herstellers wurde die Anzahl der eingelegten CDs und DVDs ausgelesen. In einer B-Klasse von Mercedes wurde unter anderem die Zahl der Gurtstraffungen registriert – wenn die hoch ist, weist das auf ein eher sportliches, mithin riskanteres Fahrverhalten hin. Und bei einem Renault Zoe fiel auf, dass der Hersteller problemlos per Mobilfunk Ferndiagnosen am Auto vornehmen kann, fast wie die Boxencrew während eines Rennens in der Formel 1.

Die Fragen, die sich daraus ergeben, sind klar:  Wozu braucht der Hersteller all diese Daten? Warum zapft er die ab? Gibt er sie irgendwann vielleicht an interessierte Dritte wie Autoversicherer oder Kreditgeber weiter? Gibt es bald den gläsernen Autofahrer?

„Der Verbraucher muss frei wählen können“

Der ADAC, der die vier Modelle mit Unterstützung von Datenexperten untersuchte, sieht in diesen Systemen durchaus auch Vorteile, weil man beispielsweise rechtzeitig an eine fällig Wartung erinnert werden oder das Auto in einer fremden Stadt wiederfinden könne. Entscheidend sei aber, dass der Kunde über den Transfer gut informiert sei und frei wählen könne, „ob und welche Daten er dem Hersteller zur Verfügung stellt“, sagt ADAC-Vizepräsident für Technik.

Die Aussage legt nahe, dass die Käufer der untersuchten Fahrzeuge diese Möglichkeit nicht haben. Das aber ist zumindest teilweise falsch. Die Fahrzeuge, die sich der Automobilklub vornahm, verfügen über Systeme wie „Connected Drive“ (BMW) oder „me-conncect“ (Mercedes), das heißt: Sie werben nachgerade mit der Vernetzung. Und über das System schließe der Kunde jeweils einen Vertrag ab, in dem festgehalten sei, welche Daten übermittelt werden, heißt es bei beiden deutschen Herstellern. Wer den Datentransfer nicht wolle, der brauche ihn nicht zu nehmen, fertig.

Zu viele Gurtstraffungen könnten teuer werden…

Also bloß heiße Luft vom ADAC? Das Thema ist auf jeden Fall wichtig. Denn analog zur Gesundheit muss die Frage geklärt werden, welche Informationen wer haben darf: Der Arzt steht da wie der Mechaniker auf der einen Seite – Versicherer und Geldgeber auf der anderen. Manche Verbraucherschützer fürchten ja, dass beispielsweise Menschen mit erhöhten Risiken irgendwann nur noch ganz teure Krankenversicherungen bekommen. Und Leute mit zu vielen Gurtstraffungen nur noch ganz teure Autoversicherungen?

Und zumindest fragwürdig sind manche der technischen Einrichtungen wohl schon. So gibt es beim Elektroauto Zoe von Renault sogar die Option, direkt auf den Besitzer einzuwirken. Bezahlt der etwa seine Leasing-Rechnung nicht, kann per Fernsteuerung das Aufladen der Batterie verhindert werden. Ende der Fahrt. Die Frage ist nur: Wie sicher ist der Datenweg? Kann vielleicht ein Hacker mit ein paar Klicks mein Auto lahmlegen?

Videoquelle: ADAC

Der Autoklub fordert deshalb Standards für die Sicherheit der Daten. Die Hersteller sollten verpflichtet werden, „die IT-Sicherheit ihrer Systeme per neutralem Zertifikat nachzuweisen“. Solche Zertifikate erteile zum Beispiel das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Auch Rauchen ist gefährlich – für Daten

Bei der Bundesbehörde weiß man schließlich sehr gut, wie viele Einfallstore für Cyberkriminalität es inzwischen gibt. Aktuell warnt das BSI davor, E-Zigaretten per USB am Computer aufzuladen: Darin könne schädlicher Code verborgen sein, der besonders leicht in den Rechner eindringe, weil der Stick vom Gerät oft genauso vertrauensselig behandelt werde wie die Tastatur.

ARCHIV - Eine elektrische Zigarette (E-Zigarette) wird am 15.09.2013 in Münster (Nordrhein-Westfalen) geraucht. E-Zigaretten enthalten Schadstoffe, die zum Teil als krebserregend gelten, wie die Bayerische Krebsgesellschaft in München (Bayern) anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31.05.2016 mitteilt. Foto: Friso Gentsch/dpa (zu dpa «Auch E-Zigaretten können Krebs verursachen» vom 28.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Wer E-Zigaretten per USB am Computer auflädt könnte sich dabei einen Computervirus einfangen.

Foto: Friso Gentsch/dpa

Ob es solche Fälle schon gegeben hat, schreibt das BSI nicht. Die Behörde warnt aber vor allen Kleingeräten zweifelhafter Herkunft. Das gilt dann auch für „beliebte Schreibtisch-Gadgets wie Mini-Ventilatoren im Sommer“.

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Von Werner Grosch
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