25.03.2014, 11:30 Uhr | 0 |

Über AGB abgesichert Auch Apple, Google und Yahoo schauen in Kunden-Postfächer

Microsoft nimmt sich über seine Geschäftsbedingungen das Recht heraus, zu allen möglichen Zwecken in die Postfächer seiner Kundschaft zu schauen. Ähnliche Regelungen finden sich auch in den Nutzungsbedingungen der meisten anderen amerikanischen Emailanbieter von Apple über Google bis Yahoo. Sie behalten sich sogar die Weitergabe der Kunden-Emails an Dritte vor.

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Fast alle großen amerikanischen Emailanbieter behalten sich vor, Kunden-Emails mitzulesen und an Dritte weiterzugeben.

Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

In der letzten Woche ging ein Aufschrei der Empörung durchs Internet, weil bekannt wurde, dass Microsoft zur Verfolgung eines geheimen Informanten im Email-Bestand seines Dienstes Hotmail herumschnüffelte – und das dann auch noch mit seinen eigenen Nutzungsbedingungen begründete, die das Lesen der Kunden-Emails völlig ohne richterlichen Beschluss zulassen.

Nahezu alle großen Emailprovider der USA lesen Emails mit

Microsoft ist allerdings nicht der einzige der großen Emailanbieter aus den USA, der sich solche Rechte herausnimmt. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen von Apples iCloud, Googles Gmail oder Yahoo Mail zeigt schnell, dass auch diese Provider unter Umständen ungestraft in Kundenmails stöbern und die Emails ihrer Kunden auch lesen dürfen.

Bei Apple findet man in den Bedingungen, der Nutzer erkläre sich damit einverstanden, dass der iCloud-Betreiber “ohne Ihnen gegenüber zu haften auf Ihre Kontoinformationen und Ihre Inhalte zugreifen, diese nutzen, aufbewahren und/oder an Strafverfolgungsbehörden, andere Behörden und/oder sonstige Dritten weitergeben darf“.

Und das ist nicht nur dann erlaubt, wenn das Gesetz es so verlangt, sondern auch dann, “wenn Apple der Meinung ist, dass dies vernünftigerweise erforderlich oder angemessen ist“.

Bei Yahoo liest man dazu: "Yahoo ist berechtigt, auf Inhalte zuzugreifen und ggf. an Dritte weiterzugeben oder sie zu löschen, soweit Yahoo hierzu rechtlich verpflichtet ist oder dies nach pflichtgemäßem Ermessen notwendig und rechtlich zulässig ist, um [...] die Rechte oder die persönliche Sicherheit von Yahoo, der Yahoo Nutzer oder der Öffentlichkeit zu wahren."

Emails können an beliebige Dritte weitergegeben werden

Bei GMail läuft das ganz ähnlich – im Grunde wollen fast alle großen amerikanischen Emailprovider eine Art Eigentum an den Emails ihrer Kunden begründen und nehmen sich sogar heraus, diese an beliebige Dritte weiterzugeben.

Das verstößt gegen die Grundrechte der Kunden, zumindest wenn sie aus Deutschland kommen. Leider sind DE-Mail und ähnliche Angebote aus Deutschland offenbar nicht wirklich besser. Wie beispielsweise der Chaos Computer Club auf seinem Jahrestreffen kritisierte, wird hier zwar mit Sicherheit geworben, für den Staat gebe es aber weiterhin Abhörschnittstellen. Eine sichere Emailadresse hat demnach im Grunde nur jemand, der seine Emails über einen eigenen Mailserver abwickelt.

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Von Klaus Ahrens
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