13.06.2014, 11:55 Uhr | 0 |

Datenschützer Weichert warnt Anonymität bei Autodaten nicht immer gewährleistet

Autofahrer können nicht davon ausgehen, dass bei der Fahrzeugvernetzung gesammelte Daten immer anonym bleiben. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der VDI nachrichten hervor. 

Connected Drive von BMW
Á

Connected Drive von BMW: Inzwischen entstehen beim Autofahren zahlreiche sensible Daten. Nicht immer ist deren Anonymisierung garantiert.

Foto: BMW

Demnach gehen die drei Hersteller BMW, Daimler und Audi, die bereits Angebote wie vernetztes Fahren oder Unfallnotruf („eCall“) unterstützen, sehr unterschiedlich mit den gesammelten Daten um. Während Daimler nur Fehlercodes bis zum nächsten Werkstattbesuch speichert und alle anderen Mobilitätsdaten beim Abstellen des Motors löscht, werden diese bei BMW und Audi länger aufbewahrt. Dies erfolgt zwar nach Angaben der Unternehmen anonymisiert, doch lassen sich die Daten auch wieder einem Fahrzeug zuordnen, etwa bei der notwendigen Klärung eines Unfalls. 

Weichert: Weiterverarbeiten von Daten nur bei Zustimmung

Die Mobilitäts- und Fahrzeugdaten, die von BMW, Daimler und Audi gesammelt und gespeichert werden, dürfen generell ohne Zustimmung der Autohalter nicht verwertet werden. Darauf hat der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert in den VDI nachrichten hingewiesen. „Generell dürfen Daten aus dem Fahrzeug nicht verarbeitet werden“, betont Weichert, „es sei denn, es liegt hierfür die Einwilligung des betroffenen Fahrers vor.“

Hellhörig macht Weichert, dass die Automobilhersteller zwar Steuergerätedaten anonymisieren, diese Daten dann aber für eigene Zwecke verwerten. „Man muss hinterfragen, was die Hersteller unter Anonymisierung wirklich verstehen“, so Weichert.

Der Umgang mit „Live-Traffic-Daten“, die die Basis für aktuelle Verkehrsdaten liefern, ist hingegen bei den Herstellern gleich: Sie werden vom Auto anonymisiert an die Verkehrsserviceprovider weitergegeben. Kunden können den Dienst aber jederzeit deaktivieren.

Á

Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein: „Weniger schön ist, dass die Anbieter alle nicht mit datenschutzfreundlichen Voreinstellungen arbeiten und die Dienste deaktiviert werden müssen.“ 

Foto: Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein

Große Unterschiede gibt es im Umgang mit den Positions- und Identifikationsdaten für den Notruf: Diese werden bei Daimler lediglich 24 Stunden lang gespeichert und dann gelöscht. Bei BMW hingegen werden die Daten sieben Kalendertage auf dem Eingangsserver gespeichert und danach zur Abwicklung von Supportanfragen in eine separate Datenbank übernommen. Dort werden sie erst nach weiteren 30 Kalendertagen gelöscht.

Beim Kauf sind meist alle Datendienste aktiviert

Alle Hersteller holen sich derzeit beim Autokauf die Zustimmung zu den jeweiligen Datennutzungen. Diese Zustimmungen sind im Kaufvertrag und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthalten und werden meist unterzeichnet, ohne dass die Käufer dem besondere Aufmerksamkeit schenken. Dadurch sind beim Kauf eines Fahrzeuges in der Regel alle Datendienste aktiviert.

Gerade das kritisiert Weichert. „Weniger schön ist, dass die Anbieter alle nicht mit datenschutzfreundlichen Voreinstellungen arbeiten und die Dienste deaktiviert werden müssen.“ Bei BMW hat das Abschalten der SIM-Karte allerdings auch die unerwünschte Folge, dass damit gleichzeitig der intelligente Notruf abgeschaltet wird. Bei Daimler sind beide Funktionen dagegen getrennt.

Die gesamte Geschichte mit weiteren Hintergründen finden Sie in der aktuellen Print- und digitalen Ausgabe der VDI nachrichten.

Anzeige
Von Ken Fouhy
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden