26.08.2013, 11:59 Uhr | 0 |

Informationstechnologie VCE: Wie lange hält die Partnerschaft?

Datenspeicher von EMC, Netzwerke und Server von Cisco und die Virtualisierung von VMware, das war die Idee, als die drei vor vier Jahren das Unternehmen VCE gründeten. Doch die überlappenden und konkurrierenden Angebote lassen vermuten, dass das VCE-Ende nur noch eine Frage der Zeit ist.

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Die enge Kooperation von VCE mit EMC, Cisco und VMware bröckelt.

Foto: VCE

Das Unternehmen VCE hatte das Ziel, alle Komponenten eines Rechenzentrums in einer aufeinander abgestimmten Form anzubieten. Dabei war die Aufgabenverteilung klar: Datenspeicher von EMC, Netzwerke und Server von Cisco und die Virtualisierung von VMware.

Vor allem Cisco und EMC haben diese Kooperation stets sehr gelobt. "Cisco zählt zu unseren wichtigsten strategischen Partnern, die enge, langjährige Partnerschaft ist sehr erfolgreich", hieß es jüngst in einem Statement von EMC zur VCE-Kooperation. Wobei diese Zusammenarbeit vor allem beim Aufbau einer internen Cloud sinnvoll sei. Auch Cisco sieht die Partnerschaft mit EMC bei internen Cloud-Lösungen als sehr erfolgreich an. "Cisco und EMC investieren deutlich in VCE, da es für die Zukunft eine hohe strategische Priorität für beide Unternehmen besitzt", lautet die entsprechende Erklärung seitens Cisco zu VCE.

Überlappende Angebote der Dreiergruppe

Doch an der engen Partnerschaft kommen immer mehr Zweifel auf. Hintergrund dafür sind die zunehmend überlappenden Angebote der Dreiergruppe. Das Enfant terrible war zunächst VMware, das sich mit der Nicira-Akquisition ein Unternehmen einverleibte, das auf den Bereich Software-definierte Netze (SDN) spezialisiert ist. SDN bedeutet, dass die bislang autonomen Switches zentral von einem neuen SDN-Controller gesteuert werden – und damit entfallen proprietäre und teure Switches und Router. Das aber sind die wichtigsten Erlös- und Gewinnquellen von Cisco.

Ein besonderes Augenmerk richtet sich jetzt auf die Ende August stattfindende VMware-Hausmesse VMworld in San Francisco. Hier soll Niciras NSX einen bedeutenden Präsentationsschwerpunkt bilden. Geplant ist, dass NSX als grundlegende Netzwerkstruktur für VMwares "Software-definiertes Rechenzentrum" vorgestellt wird. Doch da Cisco einer der Hauptsponsoren der VMworld ist, ist damit zu rechnen, dass Cisco genügend Gehör für eine gegenteilige Version der zukünftigen Netztopologie finden wird.

Netzwerkinitiative OpenDaylight

Ciscos Antwort auf SDN ist OpenDaylight, eine von verschiedenen Herstellern ins Leben gerufene Netzwerkinitiative. "Wir wollen ein Open-Source-basiertes Programmiergerüst für die nächste Controller-Generation schaffen, bei dem alle gängigen Protokolle – inklusive OpenFlow – unterstützt werden", sagt Ciscos Software-Director Lauren Cooney über diese Initiative, an der neben Cisco auch IBM, HP, Brocade, Citrix, Juniper, Ericsson, Dell, Intel und Fujitsu beteiligt sind.

Cisco hat bereits angekündigt, dass es hierzu den Cisco One Controller der Open-Source-Gemeinde überstellen will. Doch gerade das löst sehr viel Misstrauen aus. "Ciscos One Controller führt zu Ciscos programmierbarem Netzwerk – und damit bestimmt Cisco den Standard", lautet die Kritik von Rob Sherwood, CTO vom SDN-Anbieter Big Switch.

Doch nicht nur bei SDN prallen die Interessen der VCE-Gruppe aufeinander. So hat Cisco mit dem EMC-Rivalen NetApp einen Vertrag geschlossen, der ebenfalls die angestammten Bereiche der alten Partnerschaft infrage stellt. Bei der neuen Zusammenarbeit von Cisco und Net-
App geht es um die Datencenterarchitektur FlexPod, mit deren Hilfe sich Ciscos Netzwerkkomponenten mit NetApps Speichersystemen verbinden lassen. Die Kooperation sieht gemeinsame Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Rechenzentrumsautomatisierung und Private Cloud vor. So soll u. a. der Einsatz von NetApps Flash-Technologien innerhalb von Speicher- und Serversystemen ausgebaut und leistungsfähiger gemacht werden. Doch da sich EMC als führenden Flash-Anbieter sieht, ist hier genügend Konfliktstoff vorhanden.

Cisco hat gleich mehrere andere Kooperationen

Cisco hat weitere Kooperationen, die sich gegen VCE richten. So betreibt man eine sehr intensive Partnerschaft mit den VMware-Konkurrenten Citrix und Rackspace. Bei Cisco sieht man die Überlappungen und Konkurrenzprobleme gelassen. "Cisco ist der Überzeugung, dass multiple Cloud-Angebote von verschiedenen Unternehmen den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen am besten entsprechen. Wir haben ein starkes Netzwerk an Partnerschaften aufgebaut, um die Kundenwünsche mit den jeweils besten Lösungen zu erfüllen", so ein Cisco-Statement.

Doch die Gerüchteküche brodelt weiter. Viele Finanzanalysten sind inzwischen der Ansicht, dass Cisco früher oder später Citrix, Rackspace und NetApp aufkaufen wird – womit die VCE-Kooperation endgültig begraben wäre. 

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Von Harald Weiss | Präsentiert von VDI Logo
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