Cloud-Computing

RSS Feeds  | Alle Themen Cloud-Computing-Visual-156426406
11.04.2013, 10:30 Uhr | 0 |

Virtuelles Fort Knox Produktionsdaten sind der Schatz der Industrie

Cloud Computing? Eine gute Sache, finden viele Unternehmen – insbesondere jene, die in Lieferketten eingebunden sind. Kleinere Produktionsunternehmen sind beim Thema "Integrated Industry"  jedoch hin- und hergerissen zwischen neuen Möglichkeiten und Sicherheitsbedenken. Mit "Virtual Fort Knox" wurde eine Plattform für mittelständische Produktionsbetriebe geschaffen, welche die Sicherheitsinteressen dieser Anwendergruppe besonders berücksichtigt.

Im Fort Knox im US-Bundesstaat Kentucky lagert die Regierung der USA ihre Goldbestände. Entsprechend hoch sind dort die Sicherheitsvorkehrungen. Im virtuellen Fort Knox stellen die Daten der Anwender das zu schützende Gut dar – Bestandsdaten aus intelligenten Lagern, aus Werkzeugen, Maschinen und Anlagen, eben aus den Cyber-Physical Systems (CPS), die künftig die vernetzte Produktionslandschaft darstellen werden.

Virtual Fort Knox ist ein Forschungsprojekt, in welchem eine Gruppe von IT-Anbietern und Forschern unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) eine IT-Plattform für die verzahnten Arbeitsprozesse der Zukunft entwickelt. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten entlang umfangreicher Wertschöpfungsketten zu erleichtern und dabei Anwendungen und Daten gemeinsam zu nutzen. Den Anwendern sollen dabei Manufacturing Apps (mApps) an die Hand gegeben werden, die als anforderungsgerechte Softwareanwendungen die Nutzer bei ihren spezifischen Aufgaben unterstützen.

Spezialplattform mit vertraglicher Absicherung des Speicherorts

"Unser Ziel ist es, die organisatorische Komplexität der Aufbau- und Ablaufprozesse besser beherrschbar zu machen," erläutert Projektleiter Philipp Holtewert. "Die Plattform wird die technischen und räumlichen Informationen der Produktionsfaktoren effizienter in die tägliche Arbeit einbinden."

Cloud-Angebote für diverse Anwendungszwecke bietet die IT-Branche mittlerweile zuhauf an. Für Joachim Seidelmann, verantwortlich für DigiTools am Fraunhofer IPA, ist eine derartige Spezialplattform dennoch nötig: "Die existierenden Cloud-Angebote sind meist intransparent. Die Kunden haben keinen Einfluss darauf, wo die Daten letztlich gespeichert werden." Zudem fehle es an sicheren, geprüften Applikationen, die sich an den Bedürfnissen des Maschinen- und Anlagenbaus orientieren.

Hier soll das Virtual Fort Knox die Lücke schließen: Ziel ist nicht nur eine vertragliche Absicherung des Speicherorts, sondern auch die durchgehende IT-Unterstützung genau der Geschäftsprozesse, die in diesem Umfeld wirklich benötigt werden.

Allerdings wollen die Entwickler des virtuellen Fort Knox das Rad nicht neu erfinden. Die technische Infrastruktur dafür liefert der IT-Anbieter Hewlett-Packard mit seiner cCell-Architektur. Bestandteil ist eine von allen Usern nutzbare Broker-Middleware, welche die virtuellen IT-Systeme als "Infrastructure as a Service" (IaaS) ortsunabhängig und organisationsübergreifend bereitstellt. Diese Komponente wird ergänzt durch ein Sicherheits- und Vertrauenskonzept, das nicht nur die Kriterien für einen IT-Grundschutz des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erfüllt, sondern darüber hinaus den besonderen Anforderungen an kollaboratives Engineering in einer Community-Cloud Rechnung tragen soll.

Benutzern wird einheitliche Datenbasis zur Verfügung gestellt

"Die künftigen Anwender stellen einen sehr hohen Anspruch an die Sicherheit der Plattform, denn sie planen ja, Teile ihrer Geschäftsprozesse in die Cloud auszulagern," sagt Johannes Diemer, Business Development Manager bei HP. "Wir sind uns bewusst, dass die Kooperation mit bisher unbekannten Geschäftspartnern einiges an Vertrauen erfordert."

Eine der Voraussetzungen für die Realisierung einer vernetzten Fertigungslandschaft, wie sie im Rahmen von Industrie 4.0 postuliert wird, ist die Verfügbarkeit einer hocheffizienten IT. Heutige IT-Systeme aber, so Prof. Thomas Bauernhansl, Leiter des Fraunhofer IPA, seien vielfach teuer und mit ihrer eng definierten Funktionalität auch zu wenig flexibel. "Diese Effizienz wird künftig mit serviceorientierten IT-Strukturen auf Cloud-Basis erreicht", so Bauernhansl.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll das Virtual Fort Knox den Benutzerunternehmen eine einheitliche Datenbasis zur Verfügung stellen, auf die zahlreiche Manufacturing-Applikationen zugreifen. Diese sehr dedizierten Apps sollen herkömmliche Werkzeuge auf Basis von PC-Programmen wie Excel oder Visio ablösen. Etwa als Rüst-App, Wertstrom-App, als App für die Videoanalyse oder für die Anzeige von Key Performance Indicators. Mit solchen Apps ließen sich Produktionsprozesse schnell und einfach analysieren, erklärt Michael Lickefett, Abteilungsleiter für Fabrikplanung und Produktionsoptimierung am Fraunhofer IPA.

Gegenwärtig hat das Projekt einen Machbarkeitsnachweis hervorgebracht. Ein Prototyp der Plattform kann bereits IT-Werkzeuge als Services auf einem Onlinemarktplatz zur Verfügung stellen. Dazu haben die Forscher aus Stuttgart eine Reihe von Maschinen und Anlagen bei zwei mittelständischen Unternehmen angeschlossen und die damit erzeugten Daten in der Cloud abgelegt. Auf dieser Basis wurde ein Service zur Maschinendatenauswertung sowie ein multi-tenant-fähiges Fertigungssteuerungssystem implementiert. Eine Tracking-App sammelt zusätzliche Daten aus der Produktion. Auf dieser Onlineplattform können produzierende Unternehmen bereits Daten aus unterschiedlichen Quellen nutzen und kooperativ und interdisziplinär zusammenarbeiten.

Anzeige
Von Christoph Hammerschmidt | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden