05.04.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Cloud-Computing Die Cloud im Normendschungel

Die EU-Kommission will das Potenzial der Cloud stärker nutzen, noch verhindern dies jedoch unterschiedliche rechtliche Vorgaben. Für Berufsgeheimnisträger wie Ärzte und Anwälte etwa ist eine Nutzung von Cloud-Diensten mit großen rechtlichen Schwierigkeiten verbunden, wenn nicht gar unmöglich.

Arzt-Stetoskop
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Sehr strenge Datenschutz-Auflagen machen es für Ärzte schwierig, Cloud-Dienste zu nutzen.

Foto: Zentralbild

Umfragen zufolge verzeichneten 80 % der Unternehmen, die schon die Cloud nutzen, IT-Kostensenkungen in Höhe von 10 % bis 20 %.

Auch Verbraucher nutzen Cloud-Computing-Dienste wie internetgestützte E-Mail-Konten. Zu den Vorteilen zählen große Speicherkapazitäten zu keinen oder geringen Kosten und ein bequemer und ortsunabhängiger Zugang. Doch die aktuelle Diskussion in der Europäischen Union zeigt, dass die Cloud heute noch längst nicht ihr Potenzial ausschöpft.

Die EU-Kommission glaubt, dass durch ein europaweites Vorgehen ein größerer wirtschaftlicher Nutzen in einer Größenordnung von 160 Mrd. € pro Jahr erreicht werden kann. So viel wert wären die Vorteile, die dadurch entstehen, dass Unternehmen Geld sparen können oder Zugang zu Technik erhalten, die sie produktiver arbeiten lässt. Noch in diesem Jahr will die Kommission Maßnahmen ergreifen, um das Cloud-Computing zu normieren und zu zertifizieren, auch sollen sicherere und faire Vertragsbedingungen ausgearbeitet werden sowie eine Europäische Cloud-Partnerschaft eingerichtet werden.

Der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) im Europäischen Parlament diskutierte kürzlich einen Entwurf einer Stellungnahme zur Freisetzung des Cloud-Computing-Potenzials. Demnach führen unterschiedliche rechtliche Vorgaben zu einer Zersplitterung des digitalen Binnenmarktes und zu hohen Transaktionskosten für Cloud-Anbieter und -Nutzer. Bevor "der Normendschungel gelichtet" werden soll, steht die Schaffung von Standardvertragsbedingungen an.

Allerdings, moniert der Deutsche Anwaltsverein (DAV), werden die Anforderungen von Berufsgeheimnisträgern wie Anwälten und Ärzten bislang vernachlässigt. Weil die nationale Gesetzgebung teilweise sehr streng ist, ist eine Nutzung rechtlich schwierig. Das betrifft nach Ansicht des DAV große Bereiche wie die Versicherungs- und Gesundheitswirtschaft. Auch viele Ärzte und Anwälte nutzen schon Cloud-Dienste, etwa Webmail-Dienste mit ihrem Smartphone.

Falls die Thematik der Berufsgeheimnisse bei der rechtlichen Lösung nicht mitbedacht werde, drohe die "Gefahr, ganze Branchen vom Cloud-Computing auszuschließen", warnt der DAV in einer Stellungnahme. Eine Lösung unter anderem sieht er darin, Normen und Standards dafür zu entwickeln, dass Daten, die in die Cloud ausgelagert wurden, vor Veränderungen geschützt und später auch sicher gelöscht werden können.

Beim Thema Normen und Standards ist es generell wichtig, so mahnt der DAV, den Fakt zu berücksichtigen, dass die führenden Cloud-Anbieter zu US-amerikanischen und japanischen Konzernen gehören. Auch kleine europäische Anbieter arbeiten regelmäßig mit außereuropäischen Rechenzentren zusammen. Für den Datenschutz ist damit ein erhöhter Aufwand verbunden.

Ein weiteres Problem sei die Gefahr staatlicher Eingriffe in die Daten, wenn diese in Drittstaaten gespeichert werden. Eine Lösung sieht der DAV im Einsatz von Verschlüsselungstechniken, der in den von der Kommission geplanten Standard- und Musternormen sowie Musterverträgen berücksichtigt werden könnte. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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Von Chr. Schulzki-Haddouti | Präsentiert von VDI Logo
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