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22.04.2013, 17:00 Uhr | 0 |

CTO der Software AG "Big Data ist ein Phänomen, das einfach da ist"

Kreditkarte gestohlen? Bis diese Information unter Milliarden von Daten weltweit erfasst und verarbeitet wird, können Stunden vergehen. Mit Software für Big Data kann jeder Bankautomat in Minuten über den Diebstahl informiert sein. Die VDI nachrichten sprachen mit Wolfram Jost, CTO der Software AG, über Big Data und die Chance für Unternehmen, Geschäftsprozesse in Echtzeit zu erfassen und schneller Entscheidungen zu treffen.

Wolfram Jost, CTO der Software AG
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Das Thema Big Data ist für Wolfram Jost, CTO der Software AG, nicht auf Konzerne beschränkt. Auch Mittelständler haben künftig deutlich höhere Datenvolumina zu verarbeiten.

Foto: Zillmann

Für Wolfram Jost ist das Thema Big Data nicht nur auf Konzerne beschränkt, auch Mittelständler haben zukünftig deutlich höhere Datenvolumina zu verarbeiten. Foto: Zillmann

VDI nachrichten: Neben Cloud-Computing ist in den Medien und auf IT-Kongressen das Thema Big Data ein Dauerbrenner. Was verstehen Sie darunter?

Jost: Bisher arbeiteten Unternehmen primär mit Geschäftsdaten, die sehr strukturiert sind und vom Volumen her ein paar Terabyte umfassen. Big Data heißt aber, wir reden über Datenvolumen mit Hunderten von Terabyte, die in Nanosekundenbereichen verarbeitet werden müssen, also im Bruchteil einer Milliardstel Sekunde. Wir verarbeiten bei Big Data neben den klassischen strukturierten Daten auch unstrukturierte Daten, zum Beispiel aus sozialen Medien, Informationen von Sensoren, Audio- oder Videoinformationen usw. Prinzipiell kann man sagen, die Volumen werden größer, die Geschwindigkeit nimmt rasant zu und die Datenvielfalt steigt ebenfalls enorm.

Die vier Technologien und Trends Big Data, mobile Anwendungen, IT-Cloud und soziale Netze entwickeln sich getrennt voneinander?

Nein, sie sind synergetisch miteinander verbunden. Mobile, Cloud und soziale Netzwerke sowie Industrie 4.0 erzeugen gemeinsam die Daten für Big Data. Diese Informationen wollen schnell eingesammelt, noch schneller analysiert und auf unterschiedlichen Ausgabegeräten, etwa Smartphones, präsentiert werden.

Sie warben auf der Hannover Messe, die Software AG sei "Leader in Big Data". Woraus leiten Sie das ab?

Wir haben eine Technologie entwickelt, mit der man große Datenvolumen mit hoher Geschwindigkeit im Hauptspeicher des Rechners – statt auf langsameren Plattenspeichern – nicht nur halten, sondern auch bearbeiten kann. Das bietet die Möglichkeit, die Daten in vorhandenen Business-Anwendungen schneller als bisher zu verarbeiten. Das Wort "Leader" bezieht sich auf den Bereich In-Memory-Data-Grids. Das ist ein definiertes Marktsegment des Marktforschungsunternehmens Gartner. Demnach haben wir hier eine der Technologien, die als weltweit führend angesehen wird, entwickelt. Wir können Daten in Echtzeit im Hauptspeicher analysieren, das heißt, sobald sie erzeugt werden. Schnellere Datenverarbeitung führt zu schnelleren Geschäftsprozessen und damit auch zu schnelleren sowie besseren Entscheidungen.

Ist Big Data nur Marketing-Hype oder steckt auch was dahinter?

Big Data ist für mich keine Technologie, sondern ein Phänomen, das einfach da ist. Wir haben heute mehr Daten als je zuvor und das Volumen wird immer noch größer. Dass die Daten immer schneller verarbeitet werden müssen, ist eine unternehmerische Notwendigkeit. An dem Phänomen Big Data gibt es nichts zu rütteln. Der Hype besteht mehr in der Annahme, Big-Data-Technologie sei primär eine technologische Problemstellung und könne mit Software gelöst werden.

Wurde das Thema Big Data vor allem von den großen Konzernen mit ihren Datenaufkommen in den Markt gedrückt?

Man kann das nicht auf Konzerne reduzieren. Auch Mittelständler werden zukünftig deutlich höhere Datenvolumen verarbeiten, als das in der Vergangenheit der Fall war. Der Mittelstand wird sich nicht auf die Verarbeitung von Geschäftsdaten allein konzentrieren, sondern – je nach Branche – solche von Maschinen, mobilen Applikationen und sozialen Netzwerken oder Cloud-Umgebungen auswerten wollen.

Bisher haben Marketing, Vertrieb und die Serviceabteilungen nach Big-Data-Lösungen gefragt. Konstrukteure oder das Management zogen aus den vielen Daten wenig Nutzen?

Das wird sich ändern. Ich glaube, dass der Umgang mit großen Datenvolumen und schnelleren Verarbeitungszeiten massiv an Bedeutung gewinnen wird. Wer beispielsweise Maschinen oder Turbinen baut, die mit Sensoren ausgestattet sind, kann Daten für die Wartung nutzen. Je eher sie merken, dass eine Turbine schwächelt, desto schneller können sie reagieren.

Was machen Sie anders als Ihre Wettbewerber IBM, SAP oder Oracle?

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen bieten wir keine Appliance mit Hardware, sondern reine Software an. Ein weiterer Unterschied ist, dass unsere Lösung bei den Anwendungen der Programmiersprachen Java und dot.net liegt. Wir haben keine In-Memory-Datenbank, wir haben eine sogenannte In-Memory-Application-Plattform.

Das heißt, wir speichern nicht nur Daten und stellen sie der Applikation zur Verfügung, sondern haben eine Event- und Messaging-Lösung integriert, um die Daten schnell zu analysieren. Schnell, das heißt "real time" – also die Daten in Echtzeit zu transportieren und zu verarbeiten. Wir setzen weniger stark auf die Datenbankabfragesprache SQL, die wir zwar unterstützen, sondern bieten auch No-SQL-Interfaces an. Zum anderen liegt unser Schwerpunkt auf der Skalierbarkeit. Sowohl "Scale up" als auch "Scale out" wird von uns unterstützt. Insbesondere das "Scale out" ist für andere Anbieter häufig ein Problem.

Auch wenn die Wettbewerber sehr große Unternehmen sind, so gelingt es uns doch sehr gut, dagegen zu bestehen, weil wir in manchen Dingen schneller und auch kundenorientierter sind.

Haben Sie Mittelstandsangebote?

Unsere Software wird auch im Mittelstand eingesetzt, obwohl wir keine spezielle Lösungen für den Mittelstand entwickeln. Wir zielen auf Unternehmen, die Java- oder dot.net-Applikationen einsetzen. Im Bereich Kreditkartenzahlungen ist z. B. einer unserer Kunden Paypal.

Ist Big Data auch Teil von Industrie 4.0?

Industrie 4.0 greift die Idee des Computer Integrated Manufacturing, CIM, der 80er-Jahre wieder auf, aber mit einer neuen technologischen Basis. Die Produktionssysteme sollen intelligenter werden, miteinander kommunizieren und mit der kaufmännischen Ebene verbunden werden.

Big Data ist somit Teil von Industrie 4.0. Die Maschinen- und Sensordaten müssen erfasst, transportiert, analysiert und kommuniziert werden. Sie sind Big Data. RUDOLF SCHULZE

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