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16.04.2013, 09:47 Uhr | 0 |

Autonomes Einsatzkommando Lebensretter erhalten technische Unterstützung

Rettungskräfte können bei Großeinsätzen jede Hilfe gebrauchen. Forscher entwickeln ein System, das technische Helfer zum autonomen Einsatzkommando verbindet.

Quadrokopter mit Gassensor
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Der Quadrocopter, ein ultraleichter Minihubschrauber mit vier Rotoren, ist mit einem mobilen Gassensormodul ausgestattet.

Foto: Fraunhofer IOSB

Nach einem Erdbeben sind sie die Ersten vor Ort: Feuerwehrmänner, die nach Überlebenden suchen, und Katastrophenhelfer etwa des Technischen Hilfswerks (THW), die Gefahrenquellen aufspüren. Gutes Management ist in solch unübersichtlicher Situation oft entscheidend, denn Zeit ist knapp. Fraunhofer-Forscher haben ein System für die effiziente Suche nach Opfern und Gefahrenquellen sowie zum Schutz der Rettungskräfte entwickelt.

"In großen Katastrophengebieten ist der Beitrag einzelner, mit Sensoren bestückter Roboter noch nahezu wirkungslos", weiß Barbara Staehle, Gruppenleiterin Embedded Systems des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS). Das "Übermorgen-Projekt Seneka" soll das ändern, indem es mobile Roboter zu Land und zu Luft über ein Netzwerk untereinander und mit einer Leitstelle der Einsatzkräfte verbindet. "Ziel ist, die einzelnen autonomen Komponenten zu einem vernetzten Erkundungs- und Detektionssystem auszubauen", sagt Staehle.

Quadrokopter mit spezieller Kamera im Test

Konkret testet das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) dafür jetzt einen Quadrokopter, der mit einer speziellen Kamera ausgestattet ist. Gesteuert wird er über einen Joystick oder über Eingabe des Flugziels per Mausklick.

Der Quadrokopter erfasst das Gebiet aus der Luft und sendet seine Daten drahtlos an die Leitstelle. Bei einem einzigen Flug entsteht so in kürzester Zeit eine 2-D- oder 3-D-Geländekarte, anhand derer weitere Roboter zu den Opfern oder zur Detektion von Gefahrenquellen losgeschickt werden könnten.

"Wichtig ist, dass die Geräte einfach und intuitiv zu bedienen sind", betont Igor Tchouchenkov vom IOSB. Kein Feuerwehrmann nutze das System schließlich jeden Tag, auf Routine könne man also nicht bauen. Mögliche Einsatzfelder sind Gebiete, die von Erdbeben erschüttert, von Tsunamiwellen überrollt oder von Stürmen verwüstet wurden. Aber auch bei Industrieunfällen, wenn giftige Gase austreten, Feuer wüten oder Menschen verschüttet werden, können die technischen Helfer den Rettungskräften unter die Arme greifen.

Roboter werden aufgerüstet

Je nach Anforderungen am Einsatzort werden die Roboter aufgerüstet: bei der Suche nach Opfern idealerweise mit Infrarotkamera, bei der Erkundung eines in Rauch gehüllten Einsatzortes eher mit einem Radar. Zudem können Ultraschall-, GPS- sowie Lasersensoren das mobile Einsatzkommando begleiten.

"Die Roboter sollen in bestehende Arbeitsabläufe der Rettungskräfte eingespannt werden", erklärt Tchouchenkov. "Wann ein Mensch schneller ist als ein Roboter oder wann der Einsatz eines Landroboters sicherer erscheint, entscheidet letztlich die Einsatzleitung."

Liegen erste Angaben übers Gelände vor, erhalten die Luftroboter Unterstützung am Boden – z. B. durch Sensorbälle bei Trümmerfeldern: "Hunderte, die für sich genommen nicht allzu teuer sein werden", sagt Staehle. Deren Aufgabe wird sein, in die Hohlräume zwischen den Trümmerteilen einzudringen und spezifische Informationen zu liefern.

Vernetztes System

Der Gas-Sensor-Knoten "Seneka-Sniff Node" wurde entwickelt, um Schadstoffquellen zu erschnüffeln. Ein Infrarot-Sensor-Knoten dagegen soll Rettungskräfte leiten, wenn er die Körperwärme eines zwischen Trümmern eingeklemmten Opfers ausmacht.

Interessenten für das vernetzte System gibt es bereits: "Während des Entwicklungsprozesses stehen wir im ständigen Kontakt zu den Feuerwehren von Berlin und Mannheim und dem THW", so Staehle. Ein Berater aus dem Bereich der ABC-Abwehr sei mit eingebunden. Jetzt muss nur noch ein Unternehmen gefunden werden, das dem Sensornetzwerk ein Geschäftsmodell zur Seite stellt, mit dem sich Geld verdienen lässt.

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Von Lisa Schneider | Präsentiert von VDI Logo
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