25.08.2014, 13:13 Uhr | 0 |

Telefon nach Lego-Prinzip Googles Ara-Smartphone kommt 2015 mit Rockchip-Prozessor auf den Markt

Das Do-it-yourself-Handy von Google, das sich Nutzer ganz nach eigenen Vorstellungen zusammenstecken können, soll 2015 auf den Markt kommen. Google hat inzwischen auch mit Rockchip einen Chiphersteller gefunden. 

Ara-Smartphone von Googles Tochter Motorola
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Ara-Smartphone von Googles Tochter Motorola: Das Telefon soll sich modular zusammenstecken lassen. Den Chip liefert Rockchip, teilte jetzt mit.

Foto: Motorola

Das modulare Smartphone, das bei Google unter dem Namen „Projekt Ara“ läuft, dürfte die Welt der Smartphones tüchtig umkrempeln. Die Idee: In eine von Google gelieferte Basisstruktur eines Smartphones steckt der Kunde die Features, die er gerne hätte – ein Telefon nach Lego-Prinzip zum Zusammenbauen. Toller Nebeneffekt: Die Menge an Elektronikschrott könnte deutlich sinken. Denn nicht bei jeder technischen Neuheit ist gleich ein neues Telefon notwendig.

Wer beispielsweise auf „Selfies“ steht, wie Bilder genannt werden, die Smartphone-Besitzer von sich selbst schießen, könnte sich für Fortschritte bei der Kameratechnik begeistern. Beim Ara-Konzept wird das Smartphone einfach nachgerüstet. Alte Kamera raus, neue rein, eine Aktion von wenigen Minuten.

Auch der Prozessor ist austauschbar

Auf einer Entwicklerkonferenz in Kalifornien hat Google jetzt verkündet, dass das Smartphone Anfang 2015 auf den Markt kommt. Die Basisversion namens Gray Phone soll ganze 50 Dollar kosten, ist allerdings nur mit dem Nötigsten ausgestattet: Display, WLAN-Modul, Akku, Mikrofon, Lautsprecher, Speicher und Prozessor. Wem das nicht genügt kann zusätzliche Module kaufen, etwa eine Kamera.

Als Betriebssystem ist Android vorgesehen, das auch in den jetzigen Google-Smartphones läuft. Allerdings kann die jetzige Android-Version die Kombination unterschiedlicher Module noch nicht verkraften.

Zugleich teilte Google mit, dass der Chiphersteller Rockchip einen Prozessor für das Ara-Smartphone liefern wird. Auch der Prozessor soll wie andere Komponenten ganz einfach austauschbar sein. Daten über die Taktung und Leistung des Chips hat Google noch nicht verraten. Doch die Technik des Smartphones lässt erwarten, dass die Kunden unter verschiedenen Prozessoren wählen können und damit die Leistung und Geschwindigkeit des Telefons nach Bedarf erhöhen können.

Da Rockchip eher langsame ARM-Prozessoren produziert, wird in Branchenkreisen angenommen, dass noch weitere Chiphersteller Prozessoren für das Google-Handy entwickeln werden, damit die Kunden eine größere Auswahl haben.

Kunden können ihr Telefon nach Wunsch zusammenstecken

Das Konzept den Ara-Smartphones ist faszinierend: Der Kunde kann seine Wunschmodule einfach mit kleinen Permanentmagneten fixieren. Mikroprozessor, WLAN-Technik, Kamera oder Datenspeicher lassen sich jederzeit austauschen, wenn leistungsfähigere Module angeboten werden. Auch Display und Mikrofon lassen sich ersetzen. Im April stellte Google sein Projekt erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor.

Alle Module haben Normgrößen. Zehnpolige Anschlüsse sorgen für die Strom- und Signalübertragung zwischen den einzelnen Bauteilen. Eine Anleitung für Entwickler, das Module Developers Kit, hat Google bereits veröffentlicht. Daran kann sich jeder Hersteller orientieren, der ein Bauteil im Smartphone des Internetriesen anbieten will. Die besten Module honoriert Google mit Preisgeldern. Einige dieser Module sollen mit 3D-Druckern hergestellt werden.

Mit Motorola begann die Idee eines modularen Smartphones

Ideengeber für ein modulares Smartphones war der Niederländer Dave Hakkens. Motorola, amerikanischer Pionier bei Mobiltelefonen, griff sie auf, rief das Projekt Ara ins Leben und überließ es dann dem finanzstarken Internetriesen Google. Auch der chinesische Smartphone-Hersteller ZTE plant ein modulares Gerät, steht aber wohl noch am Anfang der Entwicklung.

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Von Wolfgang Kempkens
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