Chips & Sensoren

RSS Feeds  | Alle Themen Chips & Sensoren-Visual-78467490
29.04.2013, 15:59 Uhr | 0 |

Mobilfunk im Auto "Die ampelfreie Großstadt könnte eine M2M-Vision sein"

Die Machine-to-Machine-Kommunikation verändert die Welt. Deutlich wird das in der Automobilindustrie. "Sie hat verstanden, worum es geht", sagt Jan Geldmacher, CEO der Vodafone Global Enterprise. Vernetzte Autos, automatisiertes Fahren, Car-to-Car-Kommunikation – das setzt festeingebaute SIM-Karten voraus. "Wenn alle Verkehrsteilnehmer mit einem Mobilfunkchip ausgestattet sind, reduziert sich die Unfallgefahr auf nahezu null", so Geldmacher.

Conected Drive von BMW
Á

"Die Autoindustrie hat verstanden, worum es geht": Vodafone-Manager Jan Geldmacher lobt die Autoindustrie in Sachen Machine-to-Machine-Kommunikation. So haben zahlreiche BMW-Modelle einen Vodafone-Chip fest installiert, um dauerhaft Informationsdienste anbieten und Informationen an den Hersteller senden zu können.

Foto: BMW

VDI nachrichten: Welcher Industriezweig wird der spannendste, der umsatzträchtigste im Bereich Machine-to-Ma-
chine-Kommunikation, kurz M2M, sein?

Geldmacher: Das dürfte die Energieversorgung sein. Bei Smart Metering hängt Deutschland noch ein bisschen hinterher, aber in Großbritannien beispielsweise werden riesige Smart-Meter-Infrastrukturen ausgerollt. In Deutschland sind wir bei RWE und E.on an verschiedenen Feldversuchen mit einigen Tausend Haushalten beteiligt. Da warten alle noch auf klare regulatorischen Rahmenbedingungen.

Der zweite Bereich ist Automotive, der dritte der Gesundheitssektor. Die Fernüberwachung von Patienten ist angesichts zunehmender Alterung der Menschen und fehlender ärztlicher Flächendeckung keine Utopie mehr.

Stichwort Automobil. Wie sehen da M2M-Anwendungen aus?

Spätestens seitdem Tomtom SIM-Karten einsetzt, um aktuelle Verkehrsinfos mit HD-Traffic-Dienst anzubieten, hat die gesamte Automobilindustrie verstanden, worum es geht. Im vergangenen Jahr haben Vodafone und BMW einen umfangreichen Vertrag zum Thema Connected Drive geschlossen. Inzwischen hat jeder entsprechende 3er, 5er und 7er, der vom Band läuft, einen "embedded" SIM-Chip von Vodafone an Bord. Das ist ein langfristiger Vertrag, eine strategische Zusammenarbeit. Connected Car ist sehr anspruchsvoll, denn es geht darum, Dienste ins Auto zu bringen. Wartung, Ölwechsel und anderes werden organisiert, Car Entertainment, Videostreaming und mehr angeboten. M2M-Kommunikation im Automobil geht jedoch noch weiter, von Pay-as-you-Drive – dem Versichern nach Fahrzeugnutzung – bis zum automatisierten Fahren.

Und natürlich ist auch Car-to-Car-Kommunikation nicht ohne Mobilfunk denkbar. Allerdings genügen normale Endgeräte in aller Regel nicht den Anforderungen der Automobilbauer. Für M2M-Anwendungen wollen sie spezielle, festeingebaute SIM-Chips, die allen Ansprüchen an Beständigkeit und vor allem an Datensicherheit entsprechen.

Wie sieht die Zukunftsvision in der Welt des Automobils aus?

Die ampelfreie Großstadt könnte eine M2M-Vision sein. Theoretisch könnten wir – das zeigen Versuche – eine nahezu sichere Verkehrswelt erschaffen. Wenn alle Verkehrsteilnehmer mit einem passenden Mobilfunkchip ausgestattet sind, kann sich keiner mehr treffen, es passieren theoretisch keine Unfälle mehr. Dann werden Algorithmen gefunden, wie Menschen und Autos umeinander herumgeleitet werden.

Wie wichtig ist die Machine-to-Machine-Kommunikation in der produzierenden Industrie?

Das ist ein riesiger Bereich. Viele Unternehmen fangen an, sich über M2M-Kommunikation in den Geschäftsmodellen zu differenzieren. Stellen Sie sich beispielsweise einen international agierenden Maschinenhersteller vor, der wissen will, wo seine Maschinen im Einsatz sind. Die Firmen wollen aber auch bei der Wartung die entsprechenden Maschinendaten auslesen und auswerten. Mithilfe von M2M können aber auch bestimmte Funktionalitäten on-demand freigeschaltet werden. Das reicht bis hin zum Chiptuning. Ein Beispiel aus der Automobilindustrie: Bei gleicher Motorengröße gibt es unterschiedliche PS-Varianten, die über Software freigeschaltet werden. Das lässt sich natürlich ferngesteuert machen und auf jede Industrie übertragen.

Wie steht der deutsche Mittelstand zu M2M-Lösungen?

In der mittelständischen Industrie in Deutschland mit Produktentwicklungszyklen von fünf bis sechs Jahren beginnt man auch, Kommunikationsmodule in Maschinen zu integrieren. Da passiert gerade eine ganze Menge. Das spiegelt sich in Wachstumsraten wieder. Aber es gibt auf der anderen Seite noch sehr viele Unternehmen, die noch nicht wissen, wie sich die Technologie effizient nutzen lässt – und das aus allen Bereichen. Wir haben aktuell 9,7 Mio. Maschinen weltweit mobil verbunden. Wir hatten dort Wachstumsraten von 2011 auf 2012 von 42 % bei Connected Machines.

Stimmt es, dass viele Unternehmen, die zurzeit über M2M nachdenken, neueste LTE-Technik einbauen wollen?

Das stimmt, das ist einer der Gründe warum wir massiv in die neue Technologie investieren. Derzeit sind die LTE-Module zwar noch teuer, bestimmte Dienste werden aber nur mit LTE funktionieren. Das gilt beispielsweise für die Fahrzeugkommunikation, in der die Latency, die Signal-Wartezeit, gering ist. Andere Services funktionieren durchaus mit UMTS.

Wann kommen günstige LTE-Module?

Das ist eine Frage der Stückzahlen. Bei UMTS hat es vier bis fünf Jahre gedauert, bei LTE gehe ich von der Hälfte der Zeit aus.

Wie verdient Vodafone mit M2M Geld?

Wir entwickeln mit dem Kunden maßgeschneiderte Lösungen und haben in der Regel langfristige Vertragsbindungen. Bei den Tarifen kommt es u. a. darauf an, wo die Maschine eingesetzt wird, ob sie immer online sein muss oder nur zweimal am Tag und wie oft beispielsweise Software-Upgrades nötig sind.

... und dann schlagen Sie die Marge drauf?

Unterschätzen Sie den Markt nicht. Er ist bereits heute hart umkämpft – vergleichbar der Situation im allgemeinen Mobilfunkgeschäft.

Anzeige
Von Regine Bönsch | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden