28.04.2014, 16:10 Uhr | 0 |

Bieterkampf um Alstom Siemens und GE wollen Anteile an französischem Technikkonzern

Mit einem Gegenangebot hat Siemens den Versuch seines US-Konkurrenten General Electric torpediert, den französischen Technologiekonzern Alstom zu übernehmen. Siemens hat angeboten, dass künftig der deutsche ICE in Frankreich gebaut wird, um sich selbst auf den Energiesektor zu konzentrieren. 

ICE-Züge im DB-Werk Frankfurt-Griesheim
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ICE-Züge im DB-Werk Frankfurt-Griesheim: Siemens hat dem französischen Konkurrenten Alstom angeboten, die ICE-Fertigung nach Frankreich zu verlagern. Siemens hat Interesse, Alstom zu übernehmen, genau wie Konkurrent General Electric.

Foto: Deutsche Bahn

Tagelang brodelte die Gerüchteküche: Nun hat die französische Regierung bestätigt, dass sowohl General Electric (GE), als auch Siemens Interesse an einer zumindest teilweisen Übernahme von Alstom haben. Das ehemals rein staatliche Unternehmen stellt vor allem Kraftwerkstechnik und die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge für die französische Bahn her. Für GE, mit mehr als 300.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 130 Milliarden Euro einer der größten Technologiekonzerne der Welt, würde ein Einstieg bei Alstom ein wichtiges europäisches Standbein bedeuten. Medienberichten zufolge wollten die US-Amerikaner die Energiesparte der Franzosen für 9,5 Milliarden Euro übernehmen.

Siemens versucht nun offenbar erneut, seinerseits Einfluss bei Alstom zu gewinnen. Vor zehn Jahren, als der Staatskonzern in einer schweren Krise steckte, war dieses Ansinnen noch am Widerstand der französischen Regierung gescheitert. Nun wollen die Deutschen den Konkurrenten offenbar mit einer Win-Win-Strategie locken: Siemens stärkt sich selbst, übernimmt Teile der Energiesparte, und gibt dafür große Teile der Transporttechnik ab. Das würde im Ergebnis bedeuten, dass etwa die deutschen ICEs künftig unter der Regie von Alstom gebaut würden.

ICE moderner, TGV zuverlässiger

Was eine solche Veränderung für die Prestige-Züge selbst bedeuten würde, ist spekulativ. Der ICE hat unbestritten die modernere Technik, der TGV funktioniert allerdings zuverlässiger. Der Wettbewerb um den schnellsten, besten Zug der Welt hat die Hersteller in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet. Inzwischen hat auch auf diesem Gebiet China den Europäern und dem Nachbarn Japan den Rang abgelaufen – vor allem dank neuer Strecken, die den Zügen ein hohes Durchschnittstempo erlauben. Damit sind ICE und TGV aber auch ihre Bedeutung für das Image der jeweiligen Industrie los, zumal sich die öffentliche Debatte längst mehr auf den Zustand der Netze und die Intensität der Wartung verlagert hat. So kann der ICE seine Fähigkeiten überhaupt nur auf wenigen Strecken wie der noch relativ neuen Trasse zwischen Köln und Frankfurt wirklich ausspielen.

Französische Regierung hat Sympathie für Siemens

Alstom ist schon heute an der Produktion der ICEs beteiligt. Dennoch wäre eine komplette Herstellung unter französischer Leitung ein Politikum. Ein Vorzug für Siemens könnte sein, dass die Deutschen eine dreijährige Jobgarantie für die Alstom-Mitarbeiter anbieten. Bis die Entscheidung fällt, wird es aber noch dauern. Beide Interessenten hatten zwar am Montag Gesprächstermine bei Frankreichs Präsident FrançoisHollande.

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg trat am Wochenende aber auf die Bremse. Er wolle erst alle auf dem Tisch liegenden Vorschläge „ernsthaft prüfen“, hieß es. Montebourg zeigte andererseits deutliche Sympathie für die Strategie von Siemens. „Es geht darum, in den Branchen Energie und Transport zwei europäische und weltweite Spitzenreiter zu schaffen – den einen rund um Siemens, den anderen rund um Alstom“, sagte er. 

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Von Werner Grosch
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