10.05.2013, 08:00 Uhr | 0 |

Pipelines fehlen Schiefer-Öl führt zu einem Eisenbahn-Boom in den USA

Der Mangel an Ölleitungen führt gegenwärtig in den USA zu einem unerwarteten Boom für den Schienentransport von Öl. Die schnell wachsende Förderung von Schiefer-Öl zwingt die Bahnen zu hohen Investitionen in neue Züge und Strecken.

Diesel-Lokomotive des US-Gesellschaft Union Pacific
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Die großen amerikanischen Güterzug-Gesellschaften wie Marktführer Union Pacific profitieren derzeit vom Schiefer-Öl-Boom in den USA. Große Mengen Öl müssen nach Texas gebracht werden, doch es fehlt an Pipelines.

Foto: Union Pacific

Gegenüber 2011 hat sich 2012 der Rohöl-Transport über das Schienennetz verdreifacht, berichten die beiden größten Bahngesellschaften, Union Pacific und BNFS. Beide zusammen investieren nun 450 Millionen Dollar um mit der stark steigenden Nachfrage Schritt zu halten.

Pipeline-Kapazitäten sind erschöpft

Während BNFS im Januar erst 150 000 Fass Rohöl am Tag transportierte, sind es im April schon 525 000 Fass gewesen. BNFS-Vorstandschef Matt Rose rechnet mit 700 000 Fass am Tag bis zum Jahresende und sieht den Konzern auf dem besten Wege, bald eine Million Fass zu überschreiten. Das allein würde 40 Prozent der gesamten Pipeline-Kapazität der USA entsprechen.

Die Finanzmittel für Investitionen in das stark belastete Schienennetz, die extrem starken Diesel-Lokomotiven und Kesselwagen für die bis zu 2,5 Kilometer langen Züge hat BNFS allemal. Denn die Gruppe gehört zu Berkshire Hathaway, der Dachgesellschaft des Firmen-Konglomerats des legendären Muli-Milliardärs Warren Buffet. Allerdings sieht auch Jack Koraleski, Vorstandschef von Union Pacific, keine Finanzierungsprobleme.

Wichtigste Lieferanten für schwere dieselelektrische Lokomotiven sind General Electric und General Motors Diesel. Die bedeutendsten drei Waggonbauer sind Greenbrier Industries, American Railcar Industries und FreightCar America. Zusammen haben sie derzeit einen Auftragsbestand von 47 000 Kesselwagen.

Schiefer-Öl fährt per Zug von Kanada nach Texas

Die im Frachtverkehr traditionell starken amerikanischen Bahnen profitieren von den Schwierigkeiten, neue Öl-Pipelines zu bauen. Das Problem besteht darin, dass die wichtigsten Schieferölvorkommen in Kanada und im Bakken Feld in Nord Dakota liegen, das Öl aber zur Verarbeitung in die Raffinerien von Texas transportiert werden muss.

Präsident Barack Obama steht gerade vor der schwierigen Entscheidung, die so genannte Keystone Pipeline vom kanadischen Alberta nach Texas genehmigen oder ablehnen zu müssen. Opponenten der Pipleline wie der Hedgefund Milliardär Tom Steyer sehen geradezu das Ende des Planeten durch Schiefer-Öl voraus, da es 15 Prozent mehr CO2 als leichtes Rohöl emittiere.

Neben dieser Diskussion wird der Pipeline-Bau dadurch aufgehalten, dass stets mehrere Bundesstaaten mit einer vielfach sehr unterschiedlichen Genehmigungspraxis zuständig sind. Zu den Feldvorteilen der Schiene gehört auch, dass zu den Schiefer-Ölvorkommen nur relativ kurze Stichbahnen von den Hauptstrecken aus angelegt werden müssen. Damit ist die Erweiterung des Streckennetzes für den Schieferöl-Transport vergleichsweise schnell und kostengünstig möglich.

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Von Peter Odrich
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