20.07.2017, 14:35 Uhr | 0 |

Klimapolitik Indische Eisenbahn nutzt die Energie der Sonne

Indien setzt erste dieselelektrische Bahn mit Solarunterstützung auf die Schiene. Damit sollen jährlich tonnenweise CO2-Emissionen eingespart werden.

Indian Railways
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Mitte Juli 2017 wurde der erste Zug mit Photovoltaik-Unterstützung auf die Schienen Neu-Delhis gesetzt.

Foto: Northern Railway

Mitte Juli begrüßte Indiens Eisenbahnminister Suresh Prabhu eine umweltfreundliche Neuheit auf Indiens Schienennetz. Eine dieselelektrische Bahn, deren Waggons zusätzlich mit Photovoltaikmodulen ausgestattet sind. Das soll den ökologischen Fußabdruck der indischen Eisenbahnen deutlich reduzieren.

Photovoltaik (PV) sorgt für Betriebsenergie

Zwar wird der Zug immer noch von einem Dieselmotor angetrieben, die Energie der Waggons aber soll allein durch die Photovoltaikanlage auf den Dächern kommen. Dazu wird jeder Waggon mit 16 Paneelen mit einer Leistung von bis zu 20 Kilowatt ausgestattet. Damit sollen die Beleuchtung, die Kühlung und die Fahrgastinformation betrieben werden.

Überschüssige Energie wird durch 12-Volt-Batterien gespeichert und kann nachts abgerufen werden. Damit bleiben Diesel-Generatoren auch in Zeiten ohne direkte Sonneneinstrahlung außen vor.

Eine umweltfreundlichere Bahn als Mammutprojekt

Zumindest, wenn die Ausstattung der Züge mit Solarpaneelen in den kommenden Jahren auf weitere Strecken ausgedehnt wird, trägt diese Umrüstung maßgeblich zur CO2-Reduktion der Eisenbahnen bei. Pro Jahr sollen durch die PV-Module rund 21.000 Liter Diesel und damit 9 Tonnen CO2 pro Zug eingespart werden. Nebenbei spart die Gesellschaft pro Zug zudem bares Geld, nämlich 1,2 Millionen indische Rupien, umgerechnet 16.000 Euro.

Bei der offiziellen Präsentation des ersten mit Solarmodulen bestückten Zuges in Neu-Delhi kündigte Suresh Prabhu an, weitere 24 Waggons in den nächsten sechs Monaten umrüsten zu wollen. Ein kleiner Schritt auf einem langen Weg, denn das indische Eisenbahnnetz zählt zu den größten Schienenverkehrsnetzen der Welt. Täglich werden darüber rund 23 Millionen Passagiere und massenhaft Güter befördert.

Eisenbahngesellschaft steigt ins Solargeschäft ein

Um das Ziel einer umweltfreundlicheren Bahn in Indien zu erreichen, setzt die staatliche Eisenbahngesellschaft aber nicht nur auf Solarmodule auf den Waggons selbst. Geplant sind in den kommenden fünf Jahren außerdem mehrere Solaranlagen mit jeweils 1.000 Megawatt installierter Leistung. Damit will man der Ankündigung von 2015 gerecht werden, bis 2020 rund ein Gigawatt Solarstrom selbst produzieren zu wollen. Des Weiteren sind der Einsatz von Biokraftstoffen und Windenergie sowie die Wiederaufbereitung von Wasser Teil des derzeitigen Umrüstprozesses.

Wenn es um klimafreundliche Entwicklungen im großen Stil geht, macht ein Blick nach Indien gerade Sinn. Denn das Land, das irgendwo zwischen grauer Kohleförderung und glänzendem Bollywoodflair steckt, zählt zu den drei größten Klimasündern der Welt. Aber gleichzeitig treibt die Regierung die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens mit ambitionierten nationalen Zielen voran. Im Vergleich zu 2005 sollen die Treibhausemissionen um bis zu 35 Prozent gesenkt werden. Anfang Juli berichteten wir bereits über den Umstieg des größten Kohleproduzenten der Welt auf Solarenergie. Das Bergbauunternehmen Coal India Limited untersteht wie die Eisenbahngesellschaft der indischen Regierung.

Andere Länder setzen auf Elektroantriebe

In anderen Ländern, wo die Sonne nicht ganz so zuverlässig scheint wie in Indien, setzt man dagegen auf die vollständige Elektrifizierung von Zug und Bahn. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt etwa arbeitet an einem Güterzug mit Elektroantrieb und Autopilot. Damit wäre er nicht nur umweltfreundlich, sondern könnte auch autonom agieren. Die China Railway Rolling Corporation arbeitet ebenfalls mit Strom, um ihren neulich vorgestellten Zug ohne Schienensystem anzutreiben.

Wie die Solarpaneelen auf dem Zug und überhaupt ein indischer Zug von innen aussieht, zeigt uns die indische Eisenbahngesellschaft in diesem Video. Der Rede des indischen Eisenbahnministers im Anschluss dürften dagegen wohl die wenigsten folgen können:

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Von Lisa Schneider
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