19.10.2015, 16:41 Uhr | 0 |

Wagon im Ausverkauf Für 5000 € können Sie sich eine Wuppertaler Schwebebahn kaufen

Können sich Ingenieure ein besseres Geschenk wünschen als einen echten Wagon der Wuppertaler Schwebebahn? Nur 5000 € kostet so ein Exemplar, original aus den 1970-er Jahren. Die ersten Käufer haben schon zugeschlagen, etwa Firmen, die einen Wagon als Cafeteria nutzen wollen.

Die Wuppertaler Schwebebahn
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Seit über 100 Jahren fährt die Schwebebahn zuverlässig durch Wuppertal. Jetzt modernisiert die Stadt ihre berühmte Schwebebahn und verkauft 21 alte Wagons aus den 1970-er Jahren.

Foto: Oliver Berg/dpa

Wer sich einen Wagon zum Schnäppchenpreis von 5000 € zulegen will, sollte allerdings unbedingt die Folgen gut bedenken. Denn die Wagen der Schwebebahn sind nicht nur ausgesprochen groß, sondern auch sehr schwer. Da müssen schon große Tieflader her, um die Einzelstücke auf den eigenen Hof zu bringen.

Doch selbst einfaches Abstellen ist nicht möglich. Um einen Schwebebahnwagen etwa auf einem Firmengelände aufzustellen, muss ein Fundament gebaut und eine Baugenehmigung eingeholt werden. Das ist auch kein Wunder, ohne die Drehgestelle wiegt ein leerer Schwebebahnwagen fast zehn Tonnen.

So lang wie ein Tennisplatz

Und auch Platz sollte reichlich vorhanden sein. Die Wagons sind mit 24,06 m so lang wie ein Tennisplatz und 2,2 m schmal. Interessant ist ein solcher Wagon offenbar trotzdem. Holger Stephen, Sprecher der Wuppertaler Stadtwerke, berichtet von vielen Anrufen im Vorfeld der Verkaufsaktion. „Die Mehrzahl waren Unternehmen.“ Sie wollen die Wagen etwa als ausgefallene Cafeteria oder als Besucherzentrum umfunktionieren. Ein Wagon bietet immerhin eine nutzbare Gesamtfläche von knapp 53 qm.

Zwei Züge der Schwebebahn in Wuppertal begegnen sich (Archivfoto vom 20.02.2001). Die Sitzung des Ausschusses für Haushaltskontrolle beschäftigt sich am Dienstag (27.04.2004) in Wuppertal mit der Förderung der Wuppertaler Schwebebahn. Foto: Roland Weihrauch dpa/lnw
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Die Wagons der Wuppertaler Schwebebahn werden jetzt erneuert. Die alten Wagons werden zum Festpreis von 5000 € verkauft.

Foto: Roland Weihrauch/dpa

Die 21 Schwebebahnwagen werden vor dem Verkauf von Batterien, Getriebeöl, PCB- und asbesthaltigen Teilen befreit. Auch die Zugsicherung, die Funk- und die Videoanlage werden ausgebaut. Der Türmotor wird außer Funktion gesetzt, die Kabelstränge werden gekappt.

Zudem entfernt die WSW die Außenwerbung auf den Wagen. Eine gründliche Reinigung der alten Wagons ist nicht vorgesehen. Lediglich eine Dusche von außen gibt es obendrauf.

Taktzeit soll auf zwei Minuten reduziert werden

Der Hintergrund für die ungewöhnliche Verkaufsaktion ist die Erneuerung der kompletten Fahrzeugflotte, die bis Ende 2017 abgeschlossen sein soll. Die jetzt zum Verkauf stehende Flotte schwebt schon seit den 1970-er Jahren über der Wupper.

Der Hersteller Vossloh Kiepe mit Sitz in Düsseldorf hat den Auftrag erhalten, 31 neue Schwebebahnwagen herzustellen. Am 14. November kommt der erste zerlegt in Einzelteile in Wuppertal an. Im Januar 2016 wollen die Verkehrsbetriebe in der Nacht erste Probefahrten mit dem neuen Wagen durchführen.

Die neuen Wagons sollen den Nahverkehr hoch über der Wupper ordentlich beschleunigen. Der Takt soll von drei auf zwei Minuten verkürzt werden.

Einer der alten Wagen schwebt weiter über der Wupper

Doch ganz verschwinden werden die mehr als 40 Jahre alten Wagons nicht aus dem Wuppertaler Stadtbild. Drei der ausgemusterten Wagen sollen bleiben. Dafür haben die Stadtwerke extra einen Wettbewerb ausgelobt und wollen die drei Wagons verschenken. Am 31. Oktober 2015 wird über die Gewinner-Projekte im Internet abgestimmt. Zudem wird ein Wagon aus der alten Baureihe weiterhin die 13,3 km lange Trasse über der Wupper befahren.

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Ein Wagon der Wuppertaler Schwebebahn ist 24 m lang. Erste Firmen würde gerne in ausrangierten Wagons ihre Firmen-Cafeteria einrichten.

Foto: Maja Hitij/dpa

„Einschienige Hängebahn System Eugen Langen“

Heute nutzen über 85.000 Passagiere täglich die Schwebebahn, die das wichtigste öffentliche Wuppertaler Verkehrsmittel ist. Die Wuppertaler lieben ihre Schwebebahn, die am 1. März 1901 als „Einschienige Hängebahn System Eugen Langen“ offiziell ihren Fahrbetrieb aufnahm. Der deutsche Unternehmer, Ingenieur und Erfinder Eugen Lange war die treibende Kraft hinter dem Projekt, eine Einschienenbahn hoch über dem Fluss zu bauen.

Ach ja, und wer sich für den Kauf eines Wagons interessiert, der sollte schleunigst den Wuppertaler Stadtwerken schreiben an alte-schwebebahnen@wsw-online.de. Über diese E-Mail-Adresse kann man mit einer verbindlichen Kaufzusage einen der 21 alten Wagons ergattern.

Die haben übrigens schon einiges erlebt. So mussten sie vor zwei Jahren eine Zwangspause einlegen, als ein Schienenstück in die Wupper gefallen war. 

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Von Detlef Stoller
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