06.12.2013, 11:15 Uhr | 0 |

Großversuch in Hochgeschwindigkeitszügen Französische Staatsbahn bietet Pendlern Englischkurse während der Fahrt an

Frankreich erachtet die Verbesserung der Englisch-Kenntnisse als eine wichtige Voraussetzung für den zukünftigen Absatzerfolg französischer Waren und Dienstleistungen im Ausland. Helfen sollen dabei die Staatsbahnen. Sie bieten jetz in einem Großversuch Sprachkurse während der Fahrt an.

Der französische Schnellzug TGV
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Die staatliche französische Eisenbahngesellschaft SNCF bietet jetzt in einigen Hochgeschwindigkeitszügen wie dem TGV Englisch-Unterricht an.

Foto: dpa/Marcus Führer

Von Reims nach Paris braucht der Hochgeschwindigkeitszug (TGV) der französischen Staatsbahn SNCF 47 Minuten. Die kurze Reisezeit hat dazu geführt, dass diese Züge auch von Pendlern auf dem Weg aus der Ferne zum Arbeitsplatz in Paris benutzt werden. In diesen Zügen bietet die SNCF inzwischen Englisch-Kurse in ganz kleinen Gruppen mit vier bis maximal sechs Teilnehmern  an. Von Montag bis Freitag wird auf den morgendlichen Fahrten von der ersten bis zur letzten Minute Englisch gelehrt und auch gesprochen. Sechs Strecken aus der Region Champagne-Ardenne nach Paris sind in den Sprachunterricht-Großversuch einbezogen – bei einem Tempo von bis zu 300 Stundenkilometer. Wenn sich der erwartete Erfolg einstellt, will die SNCF das Angebot auf viele andere Routen ausweiten.

Auslöser war eine Studie von Education First

Ausgangspunkt für die SNCF war eine Studie der schweizerischen Organisation Education First (EF), die eine Rangfolge der Englisch-Kenntnisse in vielen Ländern erarbeitete. Dabei fanden sich die Franzosen nur auf Platz 35 wieder – hinter China und vor den Vereinigten Emiraten des Nahen Ostens . Kein anderes europäisches Land schloss so schlecht ab. Die Folge war die Entwicklung des Programms „English on track“ in Frankreich. Es zielt darauf ab, die Sprachkenntnisse und vor allem jene in technischem Englisch schnell und dauerhaft zu verbessern. Dies geschieht durch Sprachlehrer an Bord der TGV-Züge, für die Englisch die Muttersprache ist.

Die teuren Sprachkurse werden meist vom Arbeitgeber bezahlt

Der Basiskurs von „English on track“ umfasst 30 Unterrichtsstunden zu den genannten 47 Minuten. Ein solcher Kurs kostet 690 Euro. Trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Frankreich werden diese Kurse aber vielfach vom Arbeitgeber bezahlt. Der Grund: Die französische Regierung schreibt für alle Unternehmen vor, dass ein Prozent der Lohn- und Gehaltssumme für die berufliche Fortbildung ausgegeben werden muss. Und „English on track“ ist sofort als Fortbildungsmaßnahme im Sinne des Gesetzes anerkannt worden.

SNCF ist sehr an einer Ausweitung des Programms gelegen

Die französischen Staatsbahn strebt nach eigenen Angaben nach einer Ausweitung des geschilderten Programms. Das könnte beispielsweise durch die Hinzunahme anderer Sprachen geschehen. Genauso ist aber denkbar, dass auch im abendlichen Berufsverkehr – auf dem Heimweg – unterrichtet wird. Die SNCF sieht die Langweile der Berufspendler als einen absatzfördernden Grund an: Wer sich schon lange langweile, dem liege besonders daran, stattdessen etwas zu tun, von dem er dauerhaft einen Nutzen habe, heißt es bei der SNCF.

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Von Peter Odrich
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