25.11.2013, 13:15 Uhr | 0 |

Aufwändige Bodenvereisung Berliner Kanzler-U-Bahn wird 92 Millionen Euro teurer

Der Bau der sogenannten Kanzler-U-Bahn in Berlin wird erheblich teurer als geplant. Kein Wunder, denn die Kostenaufstellung für die neue Berliner Verbindungsstrecke stammt aus dem Jahr 1993. Und damals waren aufwändige Baugrundvereisungen noch keine Pflicht. 

U-Bahn-Tunnel Berlin
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Kanzler-U-Bahn: In Berlin wird weiter an dem U-Bahn-Tunnel zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor gebaut. Das Projekt wird knapp 100 Millionen Euro teurer als ursprünglich geplant. 

Foto: dpa

Die Kanzler-U-Bahn soll in Berlin die Lücke in der Linie U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor schließen. Die Ausgaben für die zwei Kilometer lange Strecke und drei neue Bahnhöfe sollten eigentlich 433 Millionen Euro betragen und gedeckelt sein. Das bestätigten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zuletzt Ende Oktober. Sie werden nun wahrscheinlich auf 525 Millionen Euro steigen, sagte BVG-Chefin Sigrid Nikutta jetzt der Berliner Morgenpost. Die Mehrkosten fallen auf Bund und Land Berlin als Auftraggeber zurück.

Stickstoffvereisung macht Projekt teurer

Seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009 sind die Sicherheitsanforderungen beim U-Bahn-Bau strenger geworden. Mittlerweile ist es üblich, schwierigen Baugrund durch Vereisung zu stabilisieren, um Wassereinbrüche zu vermeiden. Auch beim Bau der Berliner Kanzler-U-Bahn kommen Gefrieraggregate zum Einsatz, die ein Stickstoffgemisch durch Gefrierrohre ins Erdreich pumpen. Um die Rohre entstehen zylinderförmige Frostkörper, die sich miteinander verbinden. Sie festigen den Boden und dichten die Baustelle gegen Grundwasser ab. Weil dieses in Berlin vergleichsweise hoch steht, vereisen die Experten auch die bis zu 40 Meter tiefen Baugruben für die neuen U-Bahnhöfe.

Kostenplan stammte aus dem Jahr 1993

Die BVG hatten bereits 1995 mit dem Bau der Verbindungsstrecke begonnen, diese aber aus Kostengründen wieder gestoppt. Für den Weiterbau im Jahr 2012 benutzten sie zunächst die alte Kalkulation aus dem Jahr 1993. Inzwischen seien Baukosten, Sicherheitsanforderungen und Öffentlichkeitsarbeit allerdings viel teurer geworden, erklärte BVG-Sprecherin Petra Reetz: „Früher hat es quasi gereicht, ein Baustellenschild aufzustellen. Heute erwarten die Bürger, dass sie viel umfassender über Bauprojekte informiert werden.“

Verhandlung über Finanzmittel steht aus

Bislang gab es noch keine Verhandlungen über zusätzliche Finanzmittel. Dafür bestünde derzeit auch keine Notwendigkeit, sagt Nikutta. In der jetzt erfolgten Neukalkulation der Gesamtkosten seien alle Leistungen eingerechnet, die ursprünglich nicht geplant waren: Dazu gehöre auch der Bau eines drei Millionen Euro teuren Logistikhafens an der Spree, der für den Abtransport der Erde sorgen soll. „Bisher liegen wir sogar unter allen Kostenschätzungen“, erklärt die BVG-Chefin. Für die Jahre 2014 und 2015 sei daher noch genügend Geld vorhanden. Im Herbst 2019 sollen die beiden Tunnelröhren und die drei Bahnhöfe schließlich fertiggestellt sein. 

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Von Patrick Schroeder
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