22.11.2016, 13:22 Uhr | 0 |

Bitte einsteigen Virtuelle Probefahrt: So sieht der echt autonom fahrende Tesla

Was „sieht“ so ein autonom fahrendes Auto eigentlich, wenn es durch die Straßen fährt? Wie nimmt es andere Verkehrsteilnehmer, Gegenstände, Schilder und den Straßenverlauf wahr? Und was übersieht es dabei vielleicht? Diese Fragen beantwortet die Elektroauto-Schmiede Tesla sehr anschaulich: Sie lädt per Video zu einer autonomen Probefahrt ein.

Virtuelle Testfahrt mit autonom fahrendem Tesla
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Tesla lädt zu einer autonomen virtuellen Testfahrt ein. Und lässt den Zuschauer die Fahrt auch mit den "Augen" des Bordcomputers erleben.

Foto: Tesla

Unternehmensgründer Elon Musk hat über seinen offiziellen Twitter-Account ein Video veröffentlicht, das den Zuschauer einfach mit auf eine Tour in einem selbstfahrenden Fahrzeug nimmt und so hinter die Kulissen blicken lässt. Der Beifahrer am Bildschirm hat dabei den direkten Vergleich zwischen gewohnter Perspektive und der des Bordcomputers. Letzterer schaut mit über 20 „Augen“ auf die Straße und in die nähere Umgebung. 

Lenkrad, Gas- und Bremspedale bleiben unangetastet

Auf wortreiche Erklärungen verzichtet der dreieinhalb-Minuten-Clip – abgesehen vom vorgeschalteten Hinweis, dass der Mensch auf dem Fahrersitz ausschließlich aus rechtlichen Gründen dabei ist. Tatsächlich legt er buchstäblich die Hände in den Schoß und lässt die künstliche Intelligenz schalten und walten. Auch Gas und Bremse bleiben, klar erkennbar, die ganze Fahrt über unangetastet.

In den rund 200 Sekunden gibt’s ordentlich Input auf die Augen. Der Zuschauer sieht die Welt aus vier Perspektiven – der gewohnten über das Lenkrad hinweg und drei weiteren aus Kamera-„Augen“: eine nach vorn gerichtete Mittel-Kamera, eine nach rechts hinten und eine nach links hinten. Damit hat der Betrachter den direkten Vergleich, was der Mensch erkennt und was der Computer wie wahrnimmt und einordnet.

Jede Grafik steht für eine spezielle Information

In den Computer-Fenstern tauchen jede Menge Flächen, Linien und Rahmen auf. Jede dieser Grafiken veranschaulicht Informationen zu einzelnen Objekten und deren Verhalten, die von einer der acht Kameras und zwölf Ultraschall-Sensoren erfasst und anschließend vom integrierten Computer erkannt und verarbeitet werden. Die entsprechenden Reaktionen setzt das Auto selbstständig um.

Sich an die Fahrbahnmarkierung, die im Video in Rottönen erscheint, zu halten, ist dabei wohl eine der leichteren Übungen. Auch das von den Straßenschildern – im Video violett markiert – erlaubte Tempo zu registrieren und einzuhalten, dürfte nicht weiter schwer sein, ebenso wie die jeweilige Vorfahrtregelung und sonstige Hinweise. Was aber ist mit anderen Verkehrsteilnehmern – Fahrzeugen oder gar Personen, die sich schließlich bewegen und gerne einmal unvorhergesehene Dinge tun? Hier gibt es zwei Zustände, zwischen denen die künstliche Intelligenz unterscheidet: Objekte allgemein und Objekte, die sich im oder am vorgesehenen Fahrweg befinden. Die Unterscheidung ist auch im Video klar zu erkennen. Was einfach nur registriert wird, erscheint blau, Objekte, auf die das Fahrzeug irgendwie reagieren muss, leuchten grün.

Das Fahrzeug reagiert der Situation entsprechend

Nun heißt „reagieren“ nicht, dass das Fahrzeug jedes Mal in die Eisen steigt: Der Bordcomputer wägt ab. Handelt es sich zum Beispiel um ein vorausfahrendes Fahrzeug, ordnet sich der Wagen einfach in den Verkehrsfluss ein. Kleinen Hindernissen weicht er aus. Bei Joggern am Wegesrand dagegen wird er langsamer, um nach dem Passieren wieder zu beschleunigen. Und überquert jemand die Straße, hält er selbstverständlich an.

Das Einparken überlässt der Testfahrer – oder sagen wir besser der Testbegleiter – dem Fahrzeug am Ende komplett allein: Der Mensch steigt aus, und der Wagen bastelt sich selbst in die Parklücke. Das ist fahrerisch und rechtlich gleichermaßen sauber, schließlich befindet sich der Parkplatz auf dem Tesla-Testgelände und damit auf privatem Grund. 

Tesla schafft Standards für autonomes Fahren

Tesla setzt darauf, dass autonomes Fahren mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit wird. Die Standards dafür setzt das Unternehmen mal wieder selbst: Vor wenigen Wochen kündigte Elon Musk an, fortan allen neuen Modellen seiner Elektro-Autos die erforderliche Hardware zu spendieren.

So wird der verbaute Bordcomputer 40 Mal so leistungsstark sein wie der bisherige, acht Kameras erfassen 360 Grad bis zu einer Reichweite von 250 m, zwölf moderne Ultraschall-Sensoren tasten die Umgebung ab und ein Radar „sieht“ auch verborgene Objekte. Die entsprechende Software, die von jeder gefahrenen Strecke lernt, soll schrittweise folgen.

Flucht nach vorn nach Kritik am Autopilot

Das dürfte den sogenannten Autopiloten, der auf gerade mal einer Kamera basierte und beim Abstandhalten und Spurwechsel auf der Autobahn assistiert hat, auf Dauer überflüssig machen. Mit diesem System hat sich das Unternehmen in der Vergangenheit einiges an Kritik eingefangen: Anders, als der Name suggeriert, war es ausdrücklich nicht zum autonomen Fahren gedacht.

 

Das war aber offenbar nicht jedem Fahrer klar, wie der eine oder andere Unfall nahegelegt hat. Unter anderem in Deutschland gibt es deutliche Kritik aus dem Verkehrsministerium. Tesla hatte daraufhin die Flucht nach vorn angetreten und eine Umfrage gestartet, die belegen soll, dass die Nutzer sich der Funktionsweise sehr wohl bewusst seien – in Deutschland seien es immerhin 98 % der befragten Tesla-Fahrer. 

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Von Judith Bexten
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