02.06.2017, 12:58 Uhr | 0 |

Rückruf im Juli Übers Lenkrad: So hat Audi Abgaswerte deutscher Autos manipuliert

Audi nutzt auch in Deutschland eine illegale Abschalteinrichtung, um Abgaswerte zu schönen. Betroffen sind laut Verkehrsminister Dobrindt die Modellreihen A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren. Im Juli startet ein europaweiter Rückruf von 24.000 Fahrzeugen. 

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Angeblich fahren auch in Deutschland Autos von Audi mit illegaler Abschaltvorrichtung über die Straßen. Betroffen sind die Modellreihen A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren. 

Foto: Audi

Bislang konnte das Kraftfahrtbundesamt der VW-Tochter Audi keine Manipulation von Abgaswerten in Deutschland nachweisen. Doch das scheint sich geändert zu haben. „Gestern sind Auffälligkeiten bei Fahrzeugen der Modellreihe A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren erkannt worden“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Donnerstag in Berlin. „Es handelt sich um eine sogenannte Lenkwinkel-Erkennung“. Betroffen seien Fahrzeuge, die Audi zwischen 2009 und 2013 gebaut hat. Das sind europaweit rund 24.000 Autos – 12.000 davon in Deutschland.

Abschalteinrichtung erkennt Lenkradstellung auf dem Prüftstand

Wie die Schummelei funktioniert? Laut Erkenntnissen von Prüfern des Kraftfahrtbundesamtes erkennt eine Software, ob das Auto auf dem Prüfstand steht. Sie beobachtet den Grad von Lenkbewegungen. Bewegt sich das Lenkrad in der Prüfsituation kaum, schaltet die Software das Abgasreinigungssystem an und regelt die Drehzahl des Motors ab. Sobald das Lenkrad aber auf der Straße um mehr als 15 Grad eingeschlagen ist, erhöht sich der Ausstoß des gesundheitsschädigenden Stickoxids. Und zwar um 100 %. 

Audi: Getriebesoftware beeinflusst Motordrehzahl ungünstig

Audi selbst hat mittlerweile Stellung bezogen. Zwar gibt der Autobauer zu, dass die Fahrzeuge den NOx-Grenzwert um 20 bis 100 Prozent überschreiten. Doch das Wort Manipulation nimmt er nicht in den Mund. „Grund ist, dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird“, schreibt Audi. „Dadurch können sich die Emissionen verschlechtern.“ Angeblich hat Audi diesen Defekt sogar selbst gefunden – im Rahmen einer Überprüfung von Getriebesoftware in verschiedenen Modellvarianten. 

Rückruf startet im Juli 2017

Für den Bundesverkehrsminister steht fest: Die Autos müssen von der Straße. „Klar ist, dass die Fahrzeuge nicht in dem Zustand bleiben können“, sagte Dobrindt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterhält sich am 01.06.2017 nach einer Pressekonferenz im Bundesverkehrsministerium mit Journalisten. (zu dpa «Dobrindt: Audi hat illegale Abgas-Software verwendet») Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat Audi verpflichtet, 24.000 Autos zurückzurufen und bis zum 12. Juni Lösungsvorschläge zur Umrüstung zu machen. 

Foto: Britta Pedersen/dpa

Er hat VW deswegen bereits verpflichtet, 24.000 Autos der Tochter zurückzurufen und bis zum 12. Juni Lösungsvorschläge zur Umrüstung zu machen. Auch hierzu hat sich Audi bereits geäußert: „Der Rückruf wird voraussichtlich im Juli 2017 starten. Da nur eine neue Software aufgespielt wird, beträgt der Zeitbedarf für die Maßnahme etwa 30 Minuten.“ Das Unternehmen entschuldigt sich bei seinen Kunden für diesen Umstand und versichert, mit den Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt zu kooperieren.

Mittlerweile hat das Thema Abgaswerte die ganze Branche im Würgegriff. Im Mai haben Staatsanwälte den Daimler-Konzern durchsucht, wegen möglicher Betrügereien im Zusammenhang mit Dieselmotoren. Und Schweizer Forscher haben festgestellt, dass moderne Benziner so viel Rußpartikel ausstoßen wie alte Diesel vor 15 Jahren. Deutschland plant deswegen eine Endrohrmessung für alle Autos ab 2019. 

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Von Patrick Schroeder
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