12.10.2015, 15:21 Uhr | 0 |

Rückruf in China US-Behörde setzt VW mit Ultimatum unter Druck

Die kalifornische Umweltbehörde Carb erhöht den Druck auf VW: Bis zum 20. November will sie einen Plan zur Nachrüstung der Skandal-Autos sehen. Ansonsten droht sie mit deren Stilllegung. Derweil zieht sich Winterkorn komplett zurück, in China steht ein Rückruf auf dem Plan. 

Passat-Produktion in China
Á

Chinesische Volkswagen-Mitarbeiter arbeiten im Werk des chinesischen Joint-Venture Partners "Shanghai Automotive Industry" in der Endkontrolle an einem Passat: Jetzt muss VW rund 2000 Fahrzeuge auch in China zurück rufen.

Foto: Carsten Rehder/dpa

In VWs Skandalkessel erhöht sich der Druck: Mary Nichols stellt dem Konzern ein Ultimatum. Bis zum 20. November will die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb einen Plan zur Nachrüstung der rund 480.000 Autos sehen, die in den USA vom Abgas-Skandal betroffen sind. „Wenn es keine technische Lösung gibt, drohen die Stilllegung und zivilrechtliche Auseinandersetzungen mit Kunden“, sagte Nichols dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ihr reicht VWs Ankündigung offenbar nicht aus, im Januar 2016 mit dem Rückruf starten zu wollen.

Hat VW eine zweite Mogelsoftware eingesetzt?

Es könnte sogar sein, dass es für VW technisch beim Rückruf noch komplizierter wird. Denn laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg nehmen US-Behörden nicht nur das sogenannte Defeat Device unter die Lupe, das bei Abgastests die Emissionswerte schönt. Es scheint eine zweite Software zu geben, die den Ausstoß beeinflussen kann. Sie hört auf den Namen Auxiliary Emissions Control Device (Aecd) und kommt während des Warmlaufens der Abgasanlage zum Einsatz.

Laut VW stecken hinter der Software aber keine illegalen Absichten. „Wie bereits in der Anhörung vor dem US-Kongress erklärt, hat VW im Rahmen des Zulassungsverfahrens für die Modelle mit 2,0 TDI-Motoren des Modelljahres 2016 über ein Auxiliary Emisions Control Device informiert“, sagte ein VW-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. VW hat den Antrag auf Zulassung der Aecd-Dieselautos mittlerweile zurückgezogen, damit Umweltbehörden das Hilfsgerät prüfen können.

Winterkorn zieht sich offenbar komplett zurück

Auch für Martin Winterkorn ist die Abgasaffäre noch nicht vorbei: Der zurückgetretene VW-Chef will laut Süddeutscher Zeitung sämtliche Ämter im VW-Imperium aufgeben. Dazu zählen der Aufsichtsratsvorsitz bei Audi und im Lkw-Geschäft, das Aufsichtsratmandat beim Sportwagenhersteller Porsche und der Chefposten in der Finanzgesellschaft Porsche SE Holding, in der die Familien Piëch und Porsche ihre Anteile an der Volkswagen AG gebündelt haben. In dieser Position hätte Winterkorn weiterhin großen Einfluss auf seinen Nachfolger Matthias Müller, der in der Holding Vorstand für Strategien und Unternehmensentwicklung ist und Winterkorn als Chef über sich hat.

ARCHIV - Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, schaut am 12.03.2015 in Berlin bei der Jahrespressekonferenz von VW in seinen Koffer. Foto: Jochen Lübke/dpa (Zu dpa "Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Winterkorn" vom 28.09.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn im März diesen Jahres auf der Jahrespressekonferenz von VW in Berlin: Jetzt will Winterkorn auch von seinen übrigen Ämtern im VW-Imperium zurücktreten. Allerdings hält der Manager an seinem Aufsichtsratmandat beim FC Bayern München fest.

Foto: Jochen Lübke/dpa

 

Und wann geht Winterkorn? Wahrscheinlich ist, dass er schon in wenigen Tagen dem Aufsichtsrat der VW AG den Rücktritt von seinen verbliebenen Posten anbietet. Einen Posten will sich der gescholtene Ex-VW-Chef allerdings nicht nehmen lassen. Er will sein Aufsichtsratsmandat beim FC Bayern München behalten, das nicht an VW gekoppelt ist.

VW ruft auch in China Autos zurück

Volkswagen muss derweil auch in der Volksrepublik China Autos zurück in die Werkstatt schicken. Da Dieseltechnologie im Reich der Mitte nicht sonderlich verbreitet ist, hält sich der Aufwand allerdings in Grenzen: Laut VW betrifft die Umrüstung lediglich 1946 Tiguan und 4 Passat-Fahrzeuge.

Trotzdem zeigen sich Chinas Aufsichtsratsbehörden besorgt über den Abgas-Skandal. Die staatliche Qualitätsaufsicht in Peking teilte mit, sich je nach Entwicklung weitere Schritte vorzubehalten. VW bleibt in einer Pressemitteilung nur die Buße: „Volkswagen möchte sich aufrichtig für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die unseren Kunden entstehen.“ 

Anzeige
Von Patrick Schroeder
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden