26.06.2014, 11:15 Uhr | 0 |

Unter 80.000 Euro Toyota will binnen zehn Jahren eine Million Brennstoffzellenautos absetzen

Toyota ist es ernst mit der Markteroberung der Brennstoffzellenautos: Eine Million Exemplare des FCV will der Konzern binnen zehn Jahren absetzen. Bei einem angepeilten Preis von unter 80.000 Euro nimmt das Management dafür sogar längere Anlaufverluste in Kauf. 

Mitsuhisa Kato, Vizepräsident von Toyota, präsentierte gestern in Tokio den FCV auf einer Pressekonferenz
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Mitsuhisa Kato, Vizepräsident von Toyota, präsentierte gestern in Tokio den FCV auf einer Pressekonferenz. In Japan soll das Brennstoffzellenauto ab März 2015 für 50.000 Euro zu haben sein. Europäer müssen laut Toyota rund 30.000 mehr zahlen. 

Foto: dpa/Christopher Jue

Lange war es ruhig um die Brennstoffzelle. Seit einigen Jahren drehte sich die öffentliche Diskussion um umweltfreundliche Antriebe fast nur noch um E-Autos und Hybride. Ein Grund dafür waren Entwicklungsprobleme, ein anderer die Zweifel am Umweltnutzen – schließlich muss Wasserstoff mit hohem Energieaufwand gewonnen werden.

Toyota erklärt nun: Wir haben die Probleme gelöst. In Tokio präsentierte der Weltmarktführer den FCV, eine Oberklasselimousine, die spätestens im März 2015 in Japan zu haben sein soll. Chefentwickler Katsuhiko Hirose sagte der Wochenzeitung VDI nachrichten, beim Absatz hoffe man auf eine ähnliche Entwicklung wie bei der Hybridtechnik, bei der Toyota als Vorreiter für den Großserieneinsatz gilt. „Bei dem Hybridfahrzeug Prius dauerte es zehn Jahre, bis eine kumulierte Stückzahl von einer Million erreicht war. Auch bei der Brennstoffzelle wird es zehn, vielleicht auch 15 Jahre dauern, bis sie so hohe Stückzahlen erreicht“, sagte Hirose der Zeitung.

Brennstoffzellentechnik lässt sich nur mit Anlaufverlusten auf den Markt bringen

Das wäre bei einem angepeilten Preis für das Wasserstoffauto von unter 80.000 Euro in Europa eine ausgesprochen hohe Absatzplanung. Für Hirose ist das kein Widerspruch. Das Management habe entschieden, dass Toyota auch längere Anlaufverluste in Kauf nehmen wird. „Uns ist bewusst, dass mit Brennstoffzellenfahrzeugen anfangs noch kein Geld zu verdienen ist“, sagte der Entwicklungschef. „Wir denken in sehr langen Amortisationszyklen und haben dafür auch die Rückendeckung unseres Topmanagements.“ Anders könne man die Brennstoffzellentechnik nicht in den Markt einführen.

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Der FCV ist 4,80 Meter lang und bietet vier Personen Platz. Die Wasserstoff-Limousine soll in Sachen Ausstattung und Komfort mit einem gewöhnlichen Mittelklasse-PKW konkurrieren können.

Foto: dpa

Im Sommer soll dann auch der europäische Markt bedient werden. Ob Deutschland dabei ist, ließ Toyota zwar offen. Im Interview mit den VDI nachrichten verriet Hirose aber, dass Deutschland sehr wichtig für Toyota sei und dass man vor allem diejenigen Länder anpeile, in denen das Tankstellennetz ausgebaut werde – hier zu Lande soll die Zahl der Tankstellen in naher Zukunft deutlich steigen.

FCV soll weniger als 80.000 Euro kosten

In Japan soll der FCV umgerechnet etwa 50.000 Euro kosten. Die Preise für Europa sind noch unbekannt, sollen laut Hirose aber unter 80.000 Euro liegen. Der fast fünf Meter lange, sportlich designte FCV liegt damit deutlich in der Oberklasse. Mit seinen 100 kW (136 PS) verfügt er über durchaus starke Leistung, auch mit seinen 700 Kilometern Reichweite kann er einem Benziner oder Diesel Konkurrenz machen. Weitere technische Details und auch die Innenausstattung gibt Toyota noch nicht preis.

Die Japaner setzen damit ein deutliches Zeichen für die Brennstoffzelle. Sie ermögliche eine Energiedichte, die Batterien niemals erreichen könnten, heißt es. Wasserstoff sei mehr denn je ein vielversprechender alternativer Treibstoff, weil er inzwischen auch mittels Wind- oder Sonnenenergie umweltfreundlich erzeugt werden könne. „Wir sind überzeugt, dass Wasserstoff eine der wichtigsten Energiequellen der Zukunft sein wird“, sagte Toyotas Vizepräsident Mitsuhisa Kato bei der Präsentation des FCV in Tokio.

Dass Wasserstoff in der Theorie ein unschlagbarer Treibstoff wäre, ist seit Jahrzehnten bekannt. Er ist praktisch unbegrenzt verfügbar, billig, und aus dem Auspuff kommt nach der Elektrolyse, die die Antriebsenergie erzeugt, nur Wasserdampf. Feinstaubbelastung und klimaschädliches Kohlendioxid wären kein Thema mehr. Toyota favorisiert die Technik auch deshalb, weil der Treibstoff leicht zu lagern und zu transportieren sei. Weiterer Vorteil gegenüber dem E-Auto: Der Tankvorgang soll nur drei Minuten dauern.

Das Interview mit Toyota-Entwicklungschef Katsuhiko Hirose lesen Sie in der aktuellen Print- und digitalen Ausgabe der VDI nachrichten.

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Von Werner Grosch
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