29.10.2013, 17:31 Uhr | 0 |

ADAC-Sicherheitsprüfung Tachotrickser haben leichtes Spiel

Bei jedem dritten Gebrauchtwagen ist der Tachostand manipuliert. Dabei würde Sicherheitstechnik nur einen Euro kosten. Der ADAC klagt an: Hersteller machen sich zu Helfern der Betrüger.

Im Analyseraum forschen die Experten zum Thema Tachobetrug.
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Im Analyseraum forschen die Experten zum Thema Tachobetrug. 

Foto: ADAC

Jedes Jahr verursachen Tacho-Trickser einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund sechs Milliarden Euro. Sie drehen Kilometerzähler der Gebrauchtwagen zurück und verlangen von ahnungslosen Käufern höhere Preise. Dass sie dabei technisch gesehen leichtes Spiel haben, ist laut ADAC die Schuld der Hersteller. Denn besonders digitale Tachos seien kaum geschützt. Und falls doch, dann sei die entsprechende Sicherheitstechnik oftmals nicht aktiviert. Der ADAC vermutet dies geschehe, weil Hersteller selbst Werksprobefahrten vom Tacho löschen wollen, um an den Kunden ein vermeintlich ungefahrenes Auto auszuliefern. Um dies zu ändern, erhöht der Automobilclub derzeit den medialen Druck auf die Autoindustrie. 

Fast jeder dritte Gebrauchtwagen ist manipuliert

Um Sicherheitsfunktionen moderner Tachos besser einschätzen zu können, untersuchten Wissenschaftler der Universität Magdeburg die Fahrzeug-Elektronik eines Audi Q7, einer Mercedes E-Klasse und eines VW Passat. Mit Rückendeckung des ADAC haben sie dabei herausgefunden, dass es herstellerübergreifend mangelhaft geschützte Softwarefunktionen gibt, die Betrüger als Schlupfloch nutzen. Sie können den Kilometerstand ohne Ausbau des Tachos sekundenschnell verändern.

Entsprechende Geräte sind für knapp 200 Euro zu kaufen. „Es ist so einfach, dass es uns erschreckt“, sagte ADAC-Fahrzeugtechnikleiter Markus Sippl gegenüber dpa. Mit wenigen Klicks stellte er zu Demonstrationszwecken den Tacho von 120 000 auf 35 009 Kilometer. Kein Wunder also, dass mittlerweile nach Schätzungen des Autoclubs fast jeder dritte Gebrauchtwagen manipuliert ist.

Hersteller machen sich zu Helfern der Betrüger

Der Aufpreis für eine entsprechende Schutzfunktion würde pro Auto lediglich einen Euro betragen, schätzt der ADAC. In Deutschland wäre also für drei Millionen Neuwagen pro Jahr eine Investition von drei Millionen Euro notwendig, um einen volkswirtschaftlichen Schaden von sechs Milliarden Euro abzufedern. „Wir wissen jetzt, dass die Industrie definitiv zu wenig tut, um den Tachobetrug zu erschweren“, ist Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik, überzeugt.

Verband der Automobilindustrie weist Vorwürfe zurück 

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) versucht derweil, das Schreckensszenario des ADAC zu relativieren. Hersteller hätten großes Interesse daran, Hürden für Betrug möglichst hochzulegen, erklärt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer Technik und Umwelt des VDA. „Es werden Systeme entwickelt, die erheblich höheren Sicherheitsanforderungen genügen.“ 

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Von Patrick Schroeder
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