30.12.2015, 13:29 Uhr | 0 |

Schlecht für die Luft So viele Diesel wie noch nie fahren in Deutschland

Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer klagt über die steuerliche Bevorzugung von Dieselfahrzeugen. Er macht sie für die hohe Umweltbelastung in vielen Städten verantwortlich. Doch weil Diesel so günstig ist, fahren so viele Diesel auf Deutschlands Straßen wie noch nie.

Preise für Diesel und Benzin
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Diesel ist deutlich günstiger als Benzin. Nach Ansicht von Prof. Dudenhöffer muss Diesel eigentlich wegen des höheren Energiegehaltes und der höheren Schadstoffbelastung mehr kosten als Benzin.

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Der Dieselskandal, unter dem Volkswagen stöhnt, lässt die Deutschen kalt. Noch nie fuhren so viele Menschen einen Diesel-Pkw. 14,4 Millionen rollen derzeit über deutsche Straßen, so eine Studie des Centers Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen.

Dieselautos sind zwar in der Anschaffung teurer als Benziner. Doch der Dieselkraftstoff ist rund 20 Cent billiger als Benzin. Das soll auch so bleiben, sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, sehr zum Ärger von Prof. Ferdinand Dudenhöffer, dem Leiter des CAR). „Wer hohe Stickoxidbelastungen in deutschen Großstädten mit Millionen Menschen billigend in Kauf nimmt, missachtet die Gesundheit der Menschen“, so Dudenhöffer.

ARCHIV - Autos fahren am 09.02.2015 am Neckartor in Stuttgart (Baden-Württemberg) an einer Feinstaub-Messstation der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz vorbei. Foto: Daniel Naupold/dpa (zu lsw Meldung: «Feinstaubwerte" vom 11.12.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Feinstaub-Messstation in Stuttgart: Trotz der Umweltzonen ist die Feinstaubbelastung in den Großstädten weiterhin hoch. Prof. Dudenhöffer macht dafür auch die hohe Zahl von Dieselautos verantwortlich.

Foto: Daniel Naupold/dpa

Durch die „falschen und willkürlichen Steuervorteile“ in Deutschland sei „ein regelrechter Dieselboom ausgelöst“ worden, so seine Kritik. In Deutschland sei die Stickoxidbelastung in mehr als 50 Gebieten dauerhaft zu hoch. Da der Energieinhalt von Dieselkraftstoff höher sei als der von Benzin, müsste Diesel nicht niedriger, sondern höher besteuert werden.

Problem mit Feinstaub und Stickoxiden

Dieselfahrzeuge emittieren Feinstaub und Stickoxide. In vielen Großstädten liegen die Belastungen teilweise deutlich über den Grenzwerten. Daran hat auch die Umweltplakette nichts geändert, die ältere Dieselfahrzeuge aus Innenstädten fernhalten soll. Die Feinstaubbelastung ist teilweise so hoch, dass sie inzwischen auch Auswirkungen hat auf die Leistungen von Fußballprofis, die ja überwiegend in Großstädten trainieren.

Am schlimmsten dran sind die Profis des VfB Stuttgart, noch knapp vor den Spielern von Borussia Dortmund und des FC Bayern München. Hier finden Sie die Liste der 17 schmutzigsten Städte in Deutschland.

Dabei lassen sich beide Umweltgifte entschärfen. Feinstaub wird in Partikelfiltern eingefangen und in regelmäßigen Abständen verbrannt. Stickoxide lassen sich mit Hilfe eines Katalysators und Harnstoff in die harmlosen Elemente Stickstoff und Sauerstoff aufspalten.

Hacker entlarvt Volkswagens Trick

Harnstoff muss in regelmäßigen Abständen nachgefüllt werden. Pro 1000 Kilometer verbraucht ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug etwa 1,5 Liter – Kostenpunkt: etwa 1,50 Euro. Der Hacker und VW-Diesel-Fahrer Felix Domke hat herausgefunden, wie Volkswagen trickste, um Tests zu bestehen. Die Motorsteuerung reduziert die Harnstoffmenge, die in das Abgas eingesprüht wird, wenn das Fahrzeug nicht gerade im Test ist.

Mittelfristig könnten Dieselautos teurer werden

Dudenhöffer erwartet, dass die Zahl der Dieselfahrzeuge noch weiter ansteigt. Allerdings könnten es mittelfristig weniger werden. Der Autoexperte erwartet, dass die Autohersteller eine Menge Geld investieren müssen, um die Abgase zu reinigen. Das werde sich auf den Neuwagenpreis auswirken.

Der Anteil der Dieselfahrzeuge liegt in Deutschland derzeit bei 31,2 Prozent, so Dudenhöffer. Mit 48,1 Prozent war 2015 fast jeder zweite neu zugelassene Pkw ein Diesel. Nur 2012 war der Anteil mit 48,2 Prozent noch höher.

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Von Wolfgang Kempkens
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