31.03.2014, 14:26 Uhr | 0 |

2,4 MILLIONEN AUTOS BETROFFEN Rückrufaktion wird zum Desaster für GM

Gerade hatte General Motors schwarze Zahlen erreicht, mit neuen Modellen sein Image aufpoliert und mit Mary Barra den Chefposten neu besetzt. Jetzt steht der vor fünf Jahren vom Staat gerettete Autokonzern vor einem Scherbenhaufen und muss eine der größten Rückrufaktionen der Auto-Geschichte schultern.

GM-Chefin Mary Barra muss eine der größten Rückrufaktionen der Auto-Geschichte bewältigen.
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Die neue GM-Chefin Mary Barra muss eine der größten Rückrufaktionen der Auto-Geschichte bewältigen. 

Foto: dpa/Arne Dedert

In den nächsten Tagen hat GM-Chefin Mary Barra unangenehme Termine. Sie muss vor einem Ausschuss des US-Kongresses dazu aussagen, warum der Autobauer offenbar jahrelang nicht auf Berichte über tödliche Unfälle wegen defekter Zündschlösser reagierte. Diese Anhörung wurde schon angesetzt, nachdem GM im Februar 1,6 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen hatte. Barra wollte Altlasten loswerden, als Aufräumerin bekannt werden. Nun musste sie kurz vor der Ausschusssitzung noch größere Probleme einräumen.

Getriebeprobleme und Achsbrüche hinzugekommen

Weitere 824.000 in den USA verkaufte Autos rief der Hersteller jetzt zurück. Das Problem ist dasselbe: Die Zündschalter können bei Erschütterungen in die Ausgangsposition zurückspringen. Dann schaltet sich nicht nur der Motor ab, sondern auch elektronische Systeme wie Airbag und Bremskraftverstärker. Mindestens 13 Todesfälle werden damit in der Verbindung gebracht, Verbraucherschützer sprechen sogar von etwa 300 Opfern. Neben der Zündung spricht GM selbst im Zusammenhang mit der neuen Aktion aber auch von Getriebeproblemen und der Gefahr von Achsbrüchen.

Auch Opel betroffen

Die deutsche GM-Tochter Opel ist ebenfalls von der ausgeweiteten Rückrufaktion betroffen und will jetzt europaweit an 7.450 Opel GT-Modellen das Zündschloss überprüfen. Bislang waren europaweit nur rund 2.300 Fahrzeuge aus dem Baujahr 2007 zurück gerufen worden. Opel fürchtet, dass in den Folgejahren eventuell fehlerhafte Zündschalter bei Reparaturen verwendet wurden.

Auch Fahrzeuge aus den Baujahren 2008 bis 2011 müssen überprüft werden

GM hatte im Februar zunächst Fahrzeuge aus den Baujahren 2003 bis 2007 zurückgerufen. Jetzt sollen auch die Jahrgänge 2008 bis 2011 unter die Lupe genommen werden. Offenbar gibt es keine absolute Sicherheit, dass die zu dieser Zeit bereits technisch veränderten Zündschlösser auch wirklich eingebaut wurden. Nach Angaben eines in US-Medien zitierten Insiders hatte GM die neuen Bauteile unter den alten Teilenummern ausgegeben – Verwechslungen mit alten, äußerlich nicht unterscheidbaren Teilen wären damit leicht möglich. Der Hersteller selbst spricht von rund 90.000 Zündschlössern, die in den vergangenen Jahren bereits ausgetauscht worden seien.

Tipp: Kein Gewicht an Schlüssel hängen

Besitzer der betroffenen Modelle, darunter Pontiacs und Chevrolets, sollen in der Woche nach Ostern Nachricht von ihren Werkstätten bekommen. Bis dahin werden noch die älteren Fahrzeuge abgearbeitet. So lange empfiehlt GM, den Zündschlüssel nicht mit weiteren Gewichten wie Anhängern und anderen Schlüsseln zu beschweren – das mindere die Gefahr des unfreiwilligen Abschaltens.

Größte Rückrufaktionen der Geschichte

Insgesamt ist die Zahl der in die Werkstätten beorderten GM-Modelle damit auf rund 2,4 Millionen angestiegen. Das ist eine ähnliche Dimension wie bei Chrysler. Das Unternehmen musste vor einem Jahr 2,7 Millionen Fahrzeuge überprüfen, weil die Sicherheitsbehörde eine Brandgefahr des Tanks schon bei kleineren Unfällen befürchtete. Auch VW hatte im Jahr 2010 ein ähnlich großes Problem: 2,6 Millionen Autos mussten durchgecheckt werden, weil es bei mehreren Modellen Ausfälle beim Licht und undichte Kraftstoffleitungen gab. Das sind einige der größten Rückrufaktionen der Geschichte.

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Von Werner Grosch
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