15.03.2013, 13:59 Uhr | 0 |

Genfer Autosalon Premiumtechnologie zeigt sich stabil im fragilen Automarkt

Mehr als 130 Welt- und Europapremieren haben die Autohersteller auf dem 83. Genfer Autosalon 2013 präsentiert. Damit wollen sie den schleppenden Absatz in Europa wieder ankurbeln. Die deutsche Autoindustrie verstärkt ihr Premiumangebot.

130 Premieren zeigten die Autohersteller auf dem Autosalon in Genf 2013.
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130 Premieren zeigten die Autohersteller auf dem Autosalon in Genf 2013 und hoffen auf eine Belebung vor allem des schwachen Automarktes in Südeuropa.

Foto: Autosalon Genf

Mit einem Modellfeuerwerk haben sich die Automobilhersteller auf dem 83. Genfer Autosalon gegen die Verkaufsrückgänge auf ihren europäischen Märkten gestemmt. Derzeit versprechen nur noch die Märkte außerhalb Europas Zuwachsraten, allerdings schwächen sich auch dort die expansiven Absatztendenzen ab.

Das weltweite Wachstum wird laut Prognose des Verbands der Automobilindustrie (VDA) aktuell vor allem von den USA (plus 5 % in 2013 auf gut 15 Mio. Neuwagen) und China (plus 6 % auf rund 14 Mio. Neuwagen) getragen, wobei hier auch schon die Alarmglocken läuten, wie beispielsweise der im Februar um 47 % eingebrochene Absatz von Mercedes in dem bisherigen Boommarkt zeigt.

Weltabsatz dürfte um 2 % steigen

VDA-Präsident Matthias Wissmann hatte schon vor der Jahreswende darauf hingewiesen, dass 2013 kein Selbstläufer wird, aber er hält für dieses Jahr sogar noch ein kleines Plus von 2 % auf 70,7 Mio. Einheiten im Welt-Pkw-Markt für möglich. Die deutsche Automobilindustrie könnte nach Ansicht des VDA-Präsidenten dabei "überproportional an der sehr dynamischen Autokonjunktur teilhaben, die außerhalb Westeuropas herrscht".

Wesentlich zum Erfolg der deutschen Autohersteller trägt laut Wissmann die konsequente Premiumstrategie bei. Sie hätten in dem Fahrzeugsegment einen Weltmarktanteil von 80 %. Weltmarktführer ist demnach BMW, gefolgt von Audi und Mercedes. Dabei definiere sich Premium schon längst nicht mehr durch "länger, breiter, schwerer", so der VDA-Präsident , sondern ganz im Gegenteil reiche das Angebot von der Oberklasse über die Mittelklasse bis hin zur Premium-Kompaktklasse. Neuerdings fänden sich sogar erste Premium-Kleinwagenmodelle auf dem deutschen Markt, so Wissmann.

Weltweit breit aufgestellte Autohersteller und "Vollsortimenter" wie Volkswagen und Toyota haben sich in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gut behauptet. Dagegen mussten Hersteller wie Fiat, Opel und PSA (Peugeot/Citroën), die sich vornehmlich auf Europa und insbesondere auf den Süden des alten Kontinents konzentriert haben, starke Absatzeinbußen hinnehmen.

Deutscher Markt zum Jahresbeginn im Minus

Auf dem deutschen Markt liegen nach den VDA-Informationen die Pkw-Neuzulassungen in den ersten beiden Monaten dieses Jahres mit kumuliert insgesamt 392 800 Einheiten um rund 10 % unter dem Vorjahreszeitraum.

Die Talfahrt im deutschen Pkw-Geschäft hält an und bringt auch den Handel in schwieriges Fahrwasser. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg verzeichnete im Februar mit knapp 200 700 neu zugelassenen Automobilen 10,5 % weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat. Allerdings lagen die Zulassungen um 4,5 % leicht über dem Januar-Niveau. Der Anteil der Neuanmeldungen von Privatleuten hat mit lediglich 33,9 % dabei auffallend niedrig gelegen, denn 66,1 % der fabrikneuen Pkw waren nach den KBA-Angaben gewerbliche Zulassungen.

Die größten Einbußen mussten im Februar die Segmente Kleinwagen, obere Mittelklasse, große Vans und SUV (Sport Utility Vehicle) hinnehmen. Bei den deutschen Marken konnten nur Mini (plus 5,9 % auf 2642 Neuzulassungen) und Smart (1,2 %/2350) einen Zuwachs verbuchen. VW (-14,6 %/42 875) und Mercedes (-9,1 %/17 581) haben an Boden verloren. Audi (-5,3 %/16 926) und BMW (-0,5 %/15 339) blieben fast auf gleichem Niveau. Die höchsten Einbußen im Februar mussten Opel (-21,2 %/13536) und Ford (-19,4 %/12637) verzeichnen.

Bei den Importmarken blieb Skoda trotz eines Rückgangs (-10 %) mit 5,1 % Marktanteil der stärkste Anbieter, gefolgt von Renault und Hyundai. Deutlich verbesserte Ergebnisse erzielten Seat und Toyota.

Eigenzulassungen nehmen stark zu

Neben den Gesamtverkaufszahlen gibt vor allem die Entwicklung der Vertriebskanäle Anlass zur Sorge. Denn die Privatkunden sind für den Handel grundsätzlich am lukrativsten und gleichzeitig sind sie der Indikator für die Attraktivität der Modellpalette. Derzeit sind aber nicht sie, sondern die drei übrigen Vertriebskanäle am Fahrzeugabsatz überproportional beteiligt. Da sind einmal die Hersteller und der Handel, die Fahrzeuge auf sich selbst zulassen, darunter fallen Vorführwagen und Tageszulassungen. Die beiden anderen Vertriebskanäle sind die gewerblichen Kunden (ohne Großkunden) und der Flottenbereich.

Eigenzulassungen der Händler verschleiern den Blick auf die Marktlage. Den größten Zuwachs an Eigenzulassungen in 2012 hatte Hyundai. 42 % der Fahrzeuge der koreanischen Marke wurden vom Handel oder vom Importeur selbst in Deutschland zugelassen – im Vorjahr waren es 24 %.

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Von Ingo Reuss/Jürgen Siebenlist | Präsentiert von VDI Logo
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