17.05.2016, 15:03 Uhr | 0 |

Serviceaktion angekündigt Opel bleibt unkonkret: Wir schummeln nicht

Opel wehrt sich gegen die Schummelvorwürfe von Monitor, Spiegel und Umwelthilfe, die dem Hersteller vorgeworfen haben, die Abgasreinigung im Zafira häufig abzuschalten. Die Software sei legal, so Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Gleichzeitig kündigt Opel eine freiwillige Serviceaktion für Zafira Tourer, Insignia und Cascada im Juni an.

Opel Zafira
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Schlagzeilen um den Opel Zafira: Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass Opel die Abgasreinigung des Fahrzeuges manipuliert. Allerdings erklärt das Unternehmen nicht, warum es die Abgasreinigung bei Temperaturen unter 20 °C abschaltet.

Foto: Opel

Sieht so ein Dementi aus? „Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), ‚Monitor‘ und ‚Spiegel‘ erwecken den Eindruck, sie hätten neue Fakten dafür gefunden, dass Opel bisher nicht bekannte, illegale Abschaltvorrichtungen nutzt. Diese Anschuldigungen sind falsch!“ Das teilte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann am Vormittag in einer Pressemeldung mit. Doch was dementiert Opel hier? Bestreiten die Rüsselsheimer, dass die Vorwürfe neu sind? Oder ob es überhaupt Manipulationen im Opel Zafira gibt?

Opel-Chef: „Wir setzen keine illegale Software ein“

„Es gilt nach wie vor: Wir bei Opel setzen keine illegale Software ein“, heißt es in der Pressemeldung weiter. Und bestätigt damit, dass es legale Software gibt, die die Abgasreinigung steuert. Das ist auch kein Geheimnis, sondern bei allen Herstellern so. Die offizielle Begründung lautet, dass die Abgasreinigung zum Schutz von Bauteilen abgeschaltet wird.

Die meisten Hersteller drosseln die Abgasreinigung bei Temperaturen von unter 10 °C. Opel soll dies bereits im Temperaturbereich bis 20 °C tun. Das würde bedeuten, dass der Zafira in Deutschland überwiegend ungereinigte Abgase ausstößt. „Unsere Motoren entsprechen den gesetzlichen Vorschriften. Wir gehen davon aus, dass auch die Behörden das so sehen“, teilt Opel lediglich mit, ohne auf den 20-Grad-Vorwurf einzugehen.

Niederländische Aufsichtsbehörde prüft Notwendigkeit eines Zafira-Rückrufs

Mit der Hoffnung, dass die Behörden nicht einschreiten, könnte sich Opel allerdings vertun. Die niederländische Behörde RDW, die für die EU-weite Zulassung des betroffenen Opel Zafira Diesel zuständig ist, prüft derzeit, ob Opel das Auto zurückrufen muss. Die Behörde testet derzeit den Zafira und wertet zudem Messergebnisse des Kraftfahrt-Bundesamtes aus.

Auch bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt muss Opel antreten. Nächste Woche muss Opel vor der von Dobrindt ins Leben gerufenen Untersuchungskommission zur Dieselabgasaffäre Stellung beziehen. Zudem hat Dobrindt das KBA angewiesen, weitere Messungen bei Opel-Modellen vorzunehmen.

Monitor, Spiegel und die Deutsche Umwelthilfe hatten bei Fahrtests festgestellt, dass sich die Abgasreinigung im Zafira auffallend häufig abschaltet. Das gilt bei Drehzahlen über 2400, Temperaturen unter 20 °C und ab Tempo 145. 

Opel: Abgasreinigungssysteme sind äußerst anspruchsvoll und komplex

Dazu kein Wort in der Opel-Erklärung. Stattdessen wirft Opel den Testern vor, mit der komplizierten Abgasreinigung von Opel überfordert zu sein. „Die jüngsten Anschuldigungen – basierend auf den Funden des Hackers Felix Domke – sind irreführende, übermäßige Vereinfachungen und Fehlinterpretationen der komplexen Zusammenhänge eines modernen Diesel-Abgasreinigungssystems. Abgasreinigungssysteme sind äußerst anspruchsvolle, integrierte Systeme, die sich nicht in isolierte Parameter zerlegen lassen“, schreibt Neumann. Dennoch hätte man sich eine Erklärung gewünscht, warum Opel die Abgasreinigung unter 20 °C abschaltet.

Stattdessen schürt Opel den Verdacht, dass die Messewerte nicht korrekt ermittelt wurden. „Aufgrund unserer eigenen sowie unabhängiger Messungen – und den bisherigen Erfahrungen mit den von der DUH veröffentlichten Experimenten – glauben wir aber nach wie vor nicht, dass diese neuen Ergebnisse objektiv und wissenschaftlich fundiert sind.“

Opel kündigt Serviceaktion ab Juni an

Gleichzeitig kündigt Opel eine Serviceaktion an. Demnach will Opel „die Effizienz der Abgasnachbehandlung unserer SCR-Dieselmotoren weiter verbessern, wo wir können“. Opel wolle dabei „an die physikalischen Grenzen gehen“. Neumann: „Teil davon ist auch eine freiwillige Serviceaktion für bereits auf der Straße befindliche Fahrzeuge, die im Juni startet.“ Verbessert wird demnach die Abgasreinigung von 57.000 Fahrzeugen der Modelle Zafira Tourer, Insignia und Cascada. Nach dem Software-Update sollen die NOx-Werte niedriger liegen als bisher. 

Hier lesen Sie den Dieselskandal im Nachrichtenticker.

Dieser Artikel wurde um 17:11 Uhr aktualisiert. Opel hat Ingenieur.de darauf hingewiesen, dass es sich bei der Serviceaktion nicht um eine neue, überraschende Initiative handelt. Die freiwillige Serviceaktion wurde bereits im Dezember und im März angekündigt.

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Von Axel Mörer-Funk
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