15.07.2016, 07:19 Uhr | 0 |

Prototypen erprobt Macht das Spaß? Land Rover fährt autonom durchs Gelände

Die Vision klingt verwegen: Land Rover will seine Offroader künftig autonom durchs Gelände kurven lassen. Dafür haben die Briten zwei SUV vom Typ Range Rover Sport mit einem Strauß von Assistenzsystemen bestückt und im Konvoi in die Wildnis geschickt. Fragt sich nur, wo da die Freude am Fahren bleibt?

Es ist der Megatrend der individuellen Mobilität, das autonome Fahren. Im August 2013 bewies Mercedes seine Kompetenz auf diesem Feld: 125 Jahre nach der ersten automobilen Fernfahrt durch Bertha Benz ließ der Stuttgarter Konzern einen Wagen der S-Klasse die rund 100 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim völlig autonom zurücklegen.

Eine Pioniertat. Auch nach dem ersten zu beklagenden Todesopfer beim autonomen Fahren in einem Tesla S überbieten sich die Autohersteller mit Konzepten und Ideen zur intelligenten Fahrassistenz.

Ultraschallsensor prüft 5-Meter-Umgebung auf Hindernisse

Nach Autobahn und Stadtverkehr traut sich nun der britische Hersteller Jaguar Land Rover an die autonome Fahrt durch unwegsames Gelände heran. Diese Herausforderung ist ungleich größer, als ein Fahrzeug entlang definierter Begrenzungslinien entlang zu leiten.

Im Gelände muss das autonome Auto den jeweiligen Untergrund sicher erkennen können und entsprechend reagieren. Dafür wird die Umgebung des Fahrzeugs mit Ultraschallsensoren bis zu einer Distanz von etwa fünf Metern auf Beschaffenheit und auf Hindernisse geprüft. Diese vergleichsweise geringe Reichweite der Sensorik ist ausreichend, weil Fahrzeuge im Gelände ohnehin nur mit niedrigen Geschwindigkeiten fahren können.

„Mit uns wird man autonom durchs Gelände fahren können“

Der Strategiechef der Abenteuermarke Land Rover verkündete nun auf einer Pressedemonstration selbstsicher: „Mit uns wird man autonom auch durchs Gelände fahren können.“ Und Entwicklerin Anna Gaszczak ergänzt: „Wir wollen einfach dafür sorgen, dass die Technik auch unter widrigen Umständen sicher funktioniert.“

Die Assistenzsysteme sollen sich dabei den Gefahren und Herausforderungen des Fahrweges anpassen. Es geht also letztlich gar nicht um einen Trip ins australische Outback oder den wilden Dschungel. Für widrige Untergrundbedingungen reicht schon ein Alpenpass, eine Baustelle, ein Starkregenereignis oder ein typischer Nieselregentag im britischen Königreich.

Schlamm, Schotter, Schnee: Software erkennt den aktuellen Untergrund

Land Rover hat für seine Demonstration zwei SUV Range Rover Sport mit Assistenztechnologie für autonomes Fahren bestückt und ins Gelände geschickt. Die Software kann den Wagen auf den aktuellen Untergrund, sei es Asphalt, Schlamm, Sand, Gras, Schotter oder auch Schnee einstellen. Land Rover rechnet in das erfasste Gelände jeweils einen dreidimensionalen Pfad hinein, den das autonome Fahrzeug benutzen kann. Die Software Allterrain Progress Control soll sich schon bald selbständig den Gegebenheiten anpassen und vor Hindernissen wie Hügelkuppen oder Wasserfurten automatisch abbremsen.

Eine Stereokamera erfasst den Luftraum oberhalb des Fahrzeugs, damit tiefhängende Äste oder andere Hindernisse registriert und teure Lackschäden vermieden werden. So ganz außen vor ist der Fahrer bei aller Autonomie allerdings dann doch nicht: Er muss selbst eingeben, wie hoch das Fahrzeug samt aktueller Ladung wie Fahrräder oder Packtaschen ist.

Vernetzte Range Rovers tauschen Daten aus

Durch Kameras, Radar und Lidar, die mit den Ultraschallsensoren kombiniert werden, soll das Auto eine Rundumsicht haben und so seine Umgebung weit besser erfassen können als ein Mensch. Land Rover setzt bei seinem System auf Vernetzung. In der Demonstration waren die beiden Range Rover Sport im Konvoi unterwegs.

Sie kommunizierten miteinander über Funk und lieferten sich gegenseitig Daten über Geländebeschaffenheit, den aktuellen Standort und sogar den Radstand. Dedicated Short Range Communications nennt Land Rover diese Technologie.

Es ist nicht das erste Mal, dass Range Rover beim autonomen Fahren voranfährt. Im vergangenen Jahr hatte der Hersteller auch eine Technik vorgestellt, um einen Range Rover im Gelände per Smartphone fernzusteuern.

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Von Detlef Stoller
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