03.08.2017, 07:29 Uhr | 0 |

Diesel-Gipfel in Berlin Kostenloses Software-Update für fünf Millionen Diesel-Autos zugesagt

Um die Luftqualität in Städten schnellstmöglich zu verbessern, werden BMW, Daimler, Opel und VW in Deutschland über fünf Millionen Dieselfahrzeuge nachrüsten – mit einem kostenlosen Software-Update. Doch wird dieser Eingriff die Stickoxid-Emissionen tatsächlich um bis zu 30% reduzieren?

Protestaktion zum Dieselgipfel
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Aktivisten vom BUND Naturschutz in Bayern demonstrieren am 2. August 2017 mit einem großem Plakat mit der Aufschrift "Mir stinkts! Saubere Luft für Bavaria" unterhalb der Bavaria-Statue an der Theresienwiese in München. Die Aktion fand gleichzeitig mit dem Diesel-Gipfel in Berlin statt. 

Foto: Peter Kneffel/dpa

Von Berlin, über Aachen, Köln und Bonn bis nach München: In immer mehr Städten beschäftigen sich Gerichte mit Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge. Der Grund: Die Fahrzeuge übertreffen Stickoxid-Grenzwerte und gefährden die Gesundheit der Bewohner. Für Autohersteller allerdings wäre ein Fahrverbot ein Fiasko. Deswegen sind die Chefs von Daimler, Ford, Opel, VW, Audi, Porsche und BMW der Einladung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nach Berlin gefolgt, wo am 2. August das „Nationale Forum Diesel“ stattgefunden hat ­– ein Diesel-Gipfel, bei dem Automobilindustrie und Entscheidungsträger der Länder die Zukunft des Selbstzünders diskutiert haben.

BMW, Daimler, Opel und VW spendieren Software-Update

Ein Ergebnis des Gipfels: BMW, Daimler, Opel und Volkswagen haben zugesagt, in Deutschland über fünf Millionen Diesel-Pkw der Emissionsklassen Euro 5 und Euro 6 ein Software-Update zu spendieren. Allein Volkswagen will 2,5 Millionen Besitzer von Dieselfahrzeugen zur kostenlosen Nachrüstung in die Werkstatt bitten, BMW 225.000. Darüber hinaus wollen sich die Hersteller am geplanten Fond „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ beteiligen. Mit diesem fördert die Bundesregierung Städte und Ballungsräume, die stark von Stickoxid-Emissionen betroffen sind.

RCHIV - Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sitzt am 18.10.2016 im Bundesverkehrsministerium in Berlin zu Beginn einer Veranstaltung zur Zwischenbilanz zum einjährigen Bestehen des Digitalen Testfelds Autobahn in einem Audi RS 7 concept. (zu dpa ´Dobrindt: Keine ´Kumpanei» mit Autobauern - Debatte vor Dieselgipfel» vom 01.08.2017) Foto: Wolfgang Kumm/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat in Berlin mit Autoherstellern und Entscheidungsträgern der Länder die Zukunft der Dieselmotoren diskutiert. 

Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Nach dem Update wird unter anderem die Abgasreinigung einen größeren Außentemperaturbereich abdecken – derzeit sind einige der sogenannten Thermofenster so programmiert, dass die Abgasreinigung bei Temperaturen unter 17 °C nicht mehr aktiv ist. Auf Motorleistung, Verbrauch und Lebensdauer des Motors hat das Update hingegen keinen Einfluss, versichert der Verband der Automobilindustrie (VDA).

Update soll Stickoxid-Emission um bis zu 30 Prozent reduzieren

Der VDA geht davon aus, dass das Update zu einer durchschnittlichen Stickoxid-Reduzierung von 25 bis 30 Prozent führen wird.  „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass damit die Schadstoffbelastung mindestens genauso stark reduziert werden kann wie durch Fahrverbote“, schreibt der VDA. „Möglich wird diese Maßnahme durch die technischen Fortschritte bei Abgasnachbehandlung und Motorsteuerung, die erst in den letzten Jahren erarbeitet wurde.“

Softwarelösung stößt auf Kritik

Kritiker bezweifeln hingegen, dass die Softwarelösung tatsächlich für bessere Luftqualität sorgt. Stefan Carstens, Experte für Abgasreinigungssysteme, äußert in einem Artikel des Magazins Spiegel, dass Dieselmotoren nur dann wirklich sauber arbeiten, wenn die  Abgasrückführung (AGR) im Stadtverkehr häufiger zum Einsatz komme.

ARCHIV - Abgas kommt am 21.01.2005 in Köln (Nordrhein-Westfalen) aus dem Auspuff eines Autos (zu dpa-Berichterstattung im Vorfeld des Dieselgifel) Foto: Alexander Rüsche/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Über fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge sollen zur Nachrüstung in die Werkstatt. Ein kostenloses Software-Update soll die Stickoxid-Emission um bis zu 30% reduzieren. 

Foto: Alexander Rüsche/dpa

Dazu seien aber größere Umbauten am Motor nötig. Im Vergleich zu Fahrverboten seien „alle anderen Maßnahmen von ihrem Wirkungsgrad her nicht gleichwertig“, äußerten sich auch schon Justiziare des Stuttgarter Verwaltungsgerichts in einem Urteil zur Einhaltung des Luftreinhalteplans in Stuttgart. „Dies gilt auch für die sogenannte Nachrüstlösung.“

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Von Patrick Schroeder
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