06.01.2016, 12:08 Uhr | 0 |

E-FLITZER AUF CES Ist Teslas Konkurrent nur eine schicke Hülle?

Die Verpackung sexy, das Innenleben nicht mehr als ein Versprechen auf die Zukunft: So präsentiert das mit Investorengeld vollgepumpte Start-up Faraday Future seinen elektrisch angetriebenen Sportwagen auf der CES in Las Vegas.

So richtig schlecht schlafen werden sie bei Tesla wohl nicht nach diesem Auftritt. Klar, die Daten lesen sich eindrucksvoll: 1000 PS allein aus dem Elektroantrieb, 200 Meilen (etwa 320 km/h) Spitzengeschwindigkeit, von 0 auf 60 Meilen (96 km/h) in weniger als 3 s. Aber mit den technischen Daten, die Faraday Future auf der Consumer Electronics Show (CES) für sein allererstes Fahrzeug präsentierte, war es das dann auch schon.

Näheres zum Antrieb, Gewicht oder der für E-Autos zentralen Frage der Reichweite? Fehlanzeige. Und die Werte sind so glatt, dass sie sich wie passend gemacht lesen.

Dementsprechend kopfschüttelnd nahm die Fachpresse die Premiere des groß angekündigten neuen Tesla-Fighters zur Kenntnis. Vollends irritiert zeigten sich die Experten, als sie feststellten, dass man sich in den FFZER01 nicht einmal reinsetzen durfte, ja sogar Anfassen war verboten. Ein Graben trennte die Bühne vom Zuschauerraum.

Ist der Prototyp überhaupt fahrbereit?

Nicht wenige fragten sich anschließend, ob in der Karosse überhaupt etwas steckte. Ob das Ding überhaupt fahren könnte. Vermutlich eher nicht, denn die Entwickler stellten den extrem flachen Sportwagen nicht bloß als Konzeptauto, sondern als „Auto der Konzepte“ vor. Soll wohl heißen: Hier stecken all die Ideen drin, die wir mal so hatten.

Dass es Ideen gibt, bezweifelt niemand, schließlich hat das junge Unternehmen einige der besten Köpfe der Autobranche geworben, manche davon kamen  vom E-Auto-Pionier Tesla, auf dessen bislang einsam besetztes Marktsegment – komfortables und schnelles Fahren mit gutem Gewissen – Faraday Future ja abzielt. Und Geld gibt es ja auch reichlich, aus China.

Leichtbau mit Kohlefaser

Deshalb sind viele schon enttäuscht von der Präsentation. In „ein paar Jahren“ soll der erste FF-Sportwagen dann wirklich zu kaufen sein. Zu den wenigen Details, die Entwicklungschef Nick Sampson in Las Vegas verriet, gehört: Das Auto besteht zu großen Teilen aus Kohlefaser-Verbundstoffen. Die Überraschung darüber hält sich in Fachkreisen in Grenzen. Muss ja schon leicht sein, so ein Teil.

Das an das Batmobile erinnernde, extrem flache Fahrzeug ´FFZERO1» steht auf der Technik-Messe CES in Las Vegas, USA, am 04.01.2016. Der Elektroauto-Neuling Faraday Future hat den Supersportwagen hier als seinen ersten Prototypen vorgestellt. Foto: Andrej Sokolow/dpa (zu dpa "Neuling Faraday Future zeigt Elektro-Sportwagen auf der CES") +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Der FFZER01 von hinten: Die Besucher der Technikmesse CES in Las Vegas fragen sich, ob unter der Karosserie überhaupt schon Technik steckt. Denn das Auto darf man nicht einmal berühren.

Foto: Andrej Sokolow/dpa

Zweites Detail: In das Lenkrad soll ein Smartphone direkt integriert werden können. Etwas vage kündigte FF an, dass der Besitzer damit voll vernetzt sein werde. Wenigstens teilautonomes Fahren wird in dem Einsitzer, der exakt so sicher nie gebaut werden wird, wohl möglich sein.

Wie das alles funktionieren soll, scheint heute noch unabsehbar. Skeptische Kommentare kontert Sampson indes ausgerechnet mit dem Hinweis auf Tesla-Gründer Elon Musk, der den inzwischen weltbekannten Autohersteller ja auch binnen weniger Jahre aus dem Boden gestampft hatte. Und das mit weniger Geld.

Aber dafür womöglich mit einer klareren und vor allem damals neuen Idee.

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Von Werner Grosch
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