08.03.2014, 11:59 Uhr | 8 |

Verbrennungsmotor effizienter Indra: „Die Elektromobilität ist ein Irrweg“

Fritz Indra, einer der bekanntesten Motorenentwickler der Welt, hält den Elektroantrieb auch in den nächsten 100 Jahren für keine Alternative zum Verbrennungsmotor. „Das ist ein Irrweg“, sagte Indra im Interview mit der neuen Ausgabe der Wochenzeitung VDI nachrichten.

BMW i8
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Elektroauto BMW i8 auf dem Autosalon in Genf: Fritz Indra, einer der weltweit bekanntesten Motorenentwickler, gibt dem Elektroantrieb keine Zukunft.

Foto: Autosalon Genf

Indra, der an der TU Wien lehrt, war unter anderem Entwicklungschef bei BMW-Alpina, Chef der Motorenentwicklung bei Audi und bei Opel. „Zu effizienten Verbrennern gibt es auf absehbare Zeit keine Alternative. Davon bin ich überzeugt.“

Der Verbrennungsmotor sei dem Elektroantrieb weit überlegen. „Einer seiner großen Vorteile ist, dass er mit ganz viel verschiedenen Kraftstoffen arbeiten kann – egal, ob flüssig oder gasförmig“, so Indra, der mit dem Opel-Motor C20XE den effizientesten  Benzinmotor seiner Zeit entwickelt hat. „Und wenn's dann eines Tages kein Erdgas mehr gibt und auch kein Erdöl, dann gibt es die Idee, dass wir uns den Kraftstoff selber machen.“

Der Elektroantrieb verbraucht mehr Energie als der Verbrennungsmotor 

Ärgerlich zeigt sich Indra, dass dem Elektroantrieb attestiert wird, er sei sparsamer als der Verbrennungsmotor. „Seriöse Berechnungen belegen eindeutig, dass das Elektroauto in Deutschland eine 1,6-mal so schlechte CO2-Bilanz hat wie ein vergleichbares Fahrzeug mit modernem Verbrennungsmotor.“

Auch in Zukunft werde ein Großteil des Stroms aus kalorischen Kraftwerken mit hohem CO2-Ausstoß kommen. „Dann entsteht das CO2 eben nicht im Auto, sondern im Kraftwerk. Das
Elektroauto leistet somit keinen Beitrag zum Umweltschutz. Außerdem ist es für das, was es bietet, viel zu teurer.“

Die Autokäufer hätten sich aus praktischen Erwägungen schon längst gegen das Elektroauto entschieden. „Der Autofahrer kauft lieber einen konventionell motorisierten VW Golf oder Opel Astra mit effizientem Verbrenner, fährt damit 20.000 km pro Jahr, im Sommer wie im Winter, vollbesetzt oder allein, mit Gepäck oder nicht – und er wird nichts von dem aufgeben wollen, was er heute hat.“

Zu teuer: Auch Brennstoffzelle hat keine Zukunft 

Auch der Brennstoffzellentechnik attestiert Indra keine Zukunft, „weil kein normaler Mensch sie bezahlen kann. Auch der Aufbau eines flächendeckenden Wasserstofftankstellennetzes ist eine Illusion. Unter anderem, weil man Wasserstoff nur so schwer verteilen kann“, so Indra. „Das ist ein ganz leichtes, flüssiges Gas. Man wird es nie im ganz großen Maßstab über viele Kilometer hinweg transportieren können.“

Das vollständige Interview lesen Sie in der digitalen und Printausgabe der neuen VDI nachrichten.

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Von Axel Mörer-Funk
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kommentare
10.03.2014, 11:37 Uhr Maik
"Seriöse Berechnungen belegen eindeutig, dass das Elektroauto in Deutschland eine 1,6-mal so schlechte CO2-Bilanz hat wie ein vergleichbares Fahrzeug mit modernem Verbrennungsmotor."

mich würde interessieren, wo ich diese finden kann... hat jemand eine Quelle?

klar ist, dass die Zukunftstechnologie auch wirtschaftlich sein muss, es gibt hier genug Artikel über neue Erkentnisse zu Speichertechnologien... So eine Art von ausschließenden Prognosen sind doch für den A....

10.03.2014, 11:41 Uhr Maik
Aber als Motorenhersteller würde ich mir natürlich auch nicht ins eigene Bein schießen wollen...

10.03.2014, 17:10 Uhr Sigmar
Folgends müsste Herr Indra genauer erklären:

1. Verbrennungsmotoren verbrennen Benzin, wie Diesel, wie Gas und Ethanol. Daraus kann man auch Strom machen - wenn man will. Aber arbeiten Herrn Indras Motoren auch mit Kohle, Holz, Wasser, Sonne, Wind, Meeresströmungen, Müll und Uran?

2. Welche seriöse Studien belegen die angeblich schlechtere CO2-Bilanz von Elektroautos?
Beispiel dessen was bekannt ist: Als Verbrauch für das Elektroauto Nissan Leaf gibt die US-amerikanische Umweltbehörde einen Benzinäquivalent-Verbrauch von 2,37 l / 100 km an. Der ADAC hat 17,4 kWh entsprechend 1,95 l Benzin pro 100 km gemessen.
Selbst der große und schwere Tesla S mit der komfortablen Reichweite von über 500 km verursacht schon nach heutigem deutschen Strommix weniger CO2 Emmisionen als ein Golf BlueMotion mit Otto-Motor.*

3. Wasserstoff lässt sich aufgrund seiner Flüchtigkeit natürlich tatsächlich sehr schwer verteilen. Aber wenn die Idee ist, diesen mit Überschussstrom per Elektrolyse zu erzeugen, warum sollte man dann Wasserstoff quer durchs Land transportieren, wie man es von fossilen Brennstoffen kennt?
Schließlich lässt sich das Elektrolyseverfahren überall durchführen wo ein Stromanschluss verfügbar ist. Also auch direkt an der Tankstelle.

*Quellen:
Verbrauch Tesla und Leaf: ADAC, Energieministerium der USA
spezifische CO2-Emissionen des deutschen Strommixes: Umweltbundesamt

11.03.2014, 09:27 Uhr Maik
@Sigmar:
zu 2tens. Er bezieht sich dabei auf die Umweltbelastung, die durch die Stromherstellung entsteht. Die Förderungsmethoden von Rohöl und Gas und die anschließende Raffinierungsverfahren sind auch nicht gerade umweltfreundlich. Kraftwerke erzeugen wahrscheinlich mehr CO2, aber Strom ist dank ansteigenden regenerativen-Energien-Anteil langfristig die umweltfreundlichere Lösung. Ob es die bessere Lösung ist, wird sich herausstellen, da dies sehr von den Rahmenbedingungen (Politik), Technologieentwicklung und letztendlich von der Gesellschaft bzw. den Konsumenten.

Wenn ein Vergleich gemacht wird, sollte man schon beide Systeme im gleichen Zusammenhang vergleichen. Also entweder dein Ansatz mit Schadstoffausstoß pro Auto oder Schadstoffausstoß von der Quelle an... Vergleiche sind aber generell schwierig, da es in diesem Themenzusammenhang (wie bei allen komplexen Themen) eine große Anzahl an Faktoren gibt, wobei manche auch eher subjektiven Ursprungs sind und somit persönlich gewichtet werden...

Also ich bleib bei meiner Meinung. Es wird sich die Technologie durchsetzen, die am wirtschaftlichsten ist. Alle anderen Aussagen sind Vermutungen!

11.03.2014, 11:04 Uhr Maik
da ich meine kommentare hier lieder nicht bearbeiten kann, folgende Verbesserungen:
nach "wird sich heraustellen": Komma weg, Punkt hin, Da groß :)
nach "den Konsumenten": abhängig ist

13.03.2014, 18:02 Uhr Sigmar
@Maik
Ich habe schon verstanden, was Herr Indra implizieren wollte. Allerdings kann ich sein Resultat wenigstens für die deutsche Energiesituation nicht nachvollziehen.
Daher habe ich auf die Zahlen des Umweltbundesamtes verwiesen, die angeben wie viel CO2-Emissionen übers Jahr gemittelt pro Kilowattstunde Strom ausgestoßen wurden. Dieser Wert liegt unter 600 g/kWh und lässt sich direkt mit Emissionen vergleichen, die die Verbrennung von z.B. einem Liter Diesel verursachen: 2660 g/l.
Natürlich kann man nun jeder sagen, er tanke sein Elektroauto mit diesem oder jenem Strom, oder entnehme Strom aus dem Netz zu Tageszeiten, in denen der Ökostromanteil besonders hoch oder niedrig ist, für mich zählt aber der deutsche Jahres-Strommix.

Beispiel:
Auto A verbraucht 6 Liter Diesel pro 100 km: 6 l * 2660 g/l = 15.960 g/100 km
Auto B verbraucht 20 kWh Strom pro 100 km: 20 kWh * 576 g/kWh* = 11.520 g/ 100 km
Auto C verbraucht 4 Liter Diesel pro 100 km: 4 l * 2660 g/l = 10.640 g/ 100 km

Das ist natürlich nur grob gerechnet mit typischen Verbrauchswerten. Den Stromverbrauch habe ich ab der Steckdose angenommen. Zwar lässt sich so sehen dass ein sehr sparsamer Dieselmotor heute - sobald er warmgefahren ist (also nur auf der Langstrecke) - bei niedertouriger Fahrweise einem Elektroauto überlegen sein kann, Elektroautos aufgrund dessen aber als ineffizient darzustellen oder ihnen, in Angesicht des zweifellos sauber werdenden Stroms, keine Zukunft zu bescheinigen ist für mich eine grobe Verdrehung der Tatsachen.

* http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/entwicklung-spezifischen-kohlendioxid-emissionen-0

16.03.2014, 11:35 Uhr Progetti
Auch bei diesen Überlegungen sollte der Selbstentladungsfaktor der Akkus im Konzept zu einer möglichst geringen Selbstenladung der produzierten Akkus führen!

16.08.2015, 12:44 Uhr Arno N.
Der Herr Indra ist so ein weitsichtiger Mann, dass er sogar 100 Jahre in die Zukunft schauen kann.
Erstaunlich!

Wenn man seine Aussagen genauer überprüft, wird klar, dess er entweder keine Ahnung hat, oder puren Lobbyismus betreibt. Ich tippe auf eine Mischung aus beidem.
Beispiel 1: „Seriöse Berechnungen belegen eindeutig, dass das Elektroauto in Deutschland eine 1,6-mal so schlechte CO2-Bilanz hat wie ein vergleichbares Fahrzeug mit modernem Verbrennungsmotor.“
Ach ja, welche "seriöse Berechnung" soll das denn sein? Soll er sie doch mal benennen, der Herr Indra.
Von Daimler gibt es ein Dokument, das konkrete Zahlen auf den Tisch legt, nämlich mit einem Vergleich einer B-Klasse elektrisch mit der Verbrenner-Version.
Verglichen wurde der komplette Lebenszyklus von der Materialgewinnung, über Herstellung, Betrieb und Recycling.

Das Ergebnis in Kurzform:
• Reduzierung der CO2-Emissionen über den gesamten
Lebenszyklus um 64 Prozent (19 Tonnen) bei Stromgewinnung
aus Wasserkraft.
• Reduzierung der CO2-Emissionen über den gesamten
Lebenszyklus um 24 Prozent (7,2 Tonnen) bei Stromgewinnung
im EU-Mix.
• Höhere CO2-Emissionen bei der Herstellung werden
damit deutlich überkompensiert.
• Der Erdölverbrauch wird sehr deutlich um 87 %
(EU Strom-Mix) bzw. 90 % (Strom aus Wasserkraft)
reduziert.
• Insgesamt wird der fossile Ressourcenverbrauch
(ADP fossil) gegenüber dem Benziner deutlich um
32 % (EU Strom-Mix) bzw. 66 % (Strom aus Wasserkraft)
reduziert.
Quelle: http://media.daimler.com/Projects/c2c/channel/documents/2582746_final_UZ_B_Kl_ED_dt_15_12.pdf

Ich würde Daimler nicht als unabhängige Quelle bezeichnen, aber wenn überhaupt, dann kann man nur unterstellen, dass sie ihre Verbrenner gegenüber dem Stromer besser dastehen lassen, sicher nicht umgekehrt...
Übrigens wurde mit einer Lebenszeit von nur 160.000km gerechnet. Das ist für ein Elektroauto sehr wenig, da ein Elektromotor eine wesentlich längere Lebenszeit als ein Verbrennungsmotor hat. Selbst die Batterie schafft mindestens 2.000 Zyklen, bei 120km je Zyklus sind das schon allein 240.000km
Ziel von Tesla (Hersteller des Antriebsstranges der B-Klasse electric drive) ist es, den Antriebsstrang für eine Lebenszeit von 1 million Meilen auszulegen, das sind 1.6 mio km. Mit jedem weiteren km Laufleistung verbessert sich die Energiebilanz weiter zu gunsten des Elektroautos. Diese hohe Laufleistung wird in Zukunft benötigt werden, da ein großer Anteil der Autos nicht im Privatbesitz sein wird, sondern in shared-economy-diensten.

Beispiel 2: "Auch in Zukunft werde ein Großteil des Stroms aus kalorischen Kraftwerken mit hohem CO2-Ausstoß kommen."
Wie bitte? In welchem Jahr ist denn Herr Indra stecken geblieben? 1975? Das erklärte Ziel fast aller Regierungen ist es, den CO2-Ausstoß bei der Stromerzeugung zu senken, und zwar deutlich.
Konkret: "Ziel der Bundesregierung ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 Prozent zu senken." (Quelle: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/HTML/Breg/Anlagen/infografik-energie-textversion.pdf?__blob=publicationFile)
Dazu kommt, dass der bei weitem größte Teil der Elektroauto-Fahrer schon heute nur Strom aus erneuerbaren Energien tankt. Man kauft sich ja ein Elektroauto nicht aus Zufall, sondern man macht sich Gedanken darüber, und dazu gehört natürlich auch die Auswahl des Stromanbieters.

Beispiel 3: "Die Autokäufer hätten sich aus praktischen Erwägungen schon längst gegen das Elektroauto entschieden.". Blödsinn. Der Bestand der Elektroautos in Deutschland steigt in den letzten Jahren um 50-100% jährlich.(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromobilit%C3%A4t#Bestand_der_Elektrofahrzeuge).
Und weltweit ist der Zuwachs noch viel Stärker: http://cleantechnica.com/2015/03/28/ev-demand-growing-global-market-hits-740000-units/

Fazit: Zum Thema Elektromobilität würde ich es eher mit dem Zukunftsforscher Lars Thomsen (https://www.youtube.com/watch?v=JHUzfw24oCk) halten. Herr Indra scheint mir zu sehr irgendwo im letzten Jahrhundert stecken geblieben zu sein...

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