09.08.2016, 14:00 Uhr | 0 |

Gegenseitige Liebe Honda und SoftBank planen gefühlvolle Autos

Autoliebhaber entwickeln bisweilen Gefühle für ihr Fahrzeug. Umgekehrt ist das bisher undenkbar gewesen. Nun bemühen sich zwei japanische Unternehmen darum, auf Basis der Künstlichen Intelligenz eine Art gegenseitiger Freundschaft zwischen dem Auto und seinem Besitzer oder dem Fahrer aufzubauen. Bei Gesprächen sollen sie sich näherkommen. 

Humanoider Roboter Pepper von SoftBank
Á

Hat seine Seele verkauft: Der humanoide Roboter Pepper von SoftBank dient als technologische Basis für die Pläne von Honda, gefühlvolle Autos zu bauen. 

Foto: Christopher Jue/dpa

Der Autobauer Honda und der Internetkonzern SoftBank in Japan wollen künftig Künstliche Intelligenz (auch KI oder AI genannt) auf eine völlig neue Weise einsetzen. Die beiden Unternehmen sind eine Partnerschaft eingegangen, um ein Netzwerk von Sensoren und Kameras sowie KI-Software zu entwickeln.

epa04466552 (FILE) A picture dated 29 July 2014 shows Honda Motor Co. humanoid robot Asimo waving at the carmaker headquarters in Tokyo, Japan. On 28 October 2014, Japan's third-largest carmaker Honda said its net profit for the July to September period rose 17.9 percent from a year earlier to 141.9 billion yen (1.32 billion US dollar), thanks to a weaker yen and cost-cutting measures. EPA/KIMIMASA MAYAMA +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Hondas jüngste Träume: die Entwicklung eines Autos mit Künstlicher Intelligenz, das für den Fahrer zum echten Freund wird. Unterhaltungen inklusive. 

Foto: Kimimasa Mayama/dpa

Ziel dieser Kooperation sind sprechende Autos, die in der Lage sind den Gefühlszustand des Fahrers zu interpretieren und darauf zu reagieren. Dabei soll eine Art Freundschaft zwischen dem Fahrer und dem Fahrzeug aufgebaut werden. Der humanoide Roboter Pepper von SoftBank bildet dafür die technologische Basis.

Das Auto wird immer mehr zum Supercomputer

Der Gedanke ist dabei, dass das Auto zu einer Art Supercomputer wird, der dem Fahrer beispielsweise über einen schlechten Tag bei der Arbeit hinweghilft oder mit ihm auf einer langen Autofahrt ein Gespräch führt. Die Künstliche Intelligenz soll dabei laut Honda die Gespräche mit dem Fahrer und andere Daten, die sie sammelt, so nutzen, dass sie die Emotionen des Fahrers besser versteht und mit ihm auf Basis der Gefühle ins Gepräch kommt.

Emotion-Engine ist die Basis

Wann derartige Autos, die eine enge Beziehung zwischen Mensch und Maschine aufbauen, auf den Markt kommen werden, ist bisher nicht klar. Bekanntgegeben hat Honda aber bereits, das Unternehmen werde im September dieses Jahres dafür ein spezielles Entwicklungszentrum in Tokio einrichten.

Das Projekt soll sich die sogenannte „Emotion-Engine“ zunutze machen. Dabei handelt es sich um eine ganze Reihe von Technologien, die von der Softbank Tochter Cocoros SB Corp. im Bereich der Künstlichen Intelligenz entwickelt wurden. Sie ermöglicht es Maschinen, eigene Gefühle künstlich zu erzeugen. „Autos von Honda werden in der Zukunft das Gefühl der Liebe verstehen“, erläuterte Masayoshi Son, CEO und Gründer von Softbank in Tokio jüngst auf einer Firmenveranstaltung.

epa05406532 (07/21) Tomomi Ota (R) buys a soft drink with her humanoid robot Pepper at a local shop in Tokyo, Japan, 26 June 2016. Reaching 120cm in height and 28 kilograms in weight, Pepper does not enter in the category of ·portable· robot. But those characteristics don·t stop Tomomi Ota to take Pepper in a cart to stroll in her neighborhood, go shopping or even take the subway. In June 2014, when Pepper was presented for the first time by Japanese telecommunications and Internet corporation Softbank at a press event, Tomomi looked at the presentation via a live broadcast on Ustream. While some people were ·scared· or reluctant by the new humanoid robot, curiosity pushed her to apply to lottery sales for the first lot of 200 Pepper. She was lucky enough to acquire then a ·Developer·s Pepper·, the first models of the robots which need to be programmed by the users. Pepper entered Tomomi·s home in November 2014 and was soon adopted by her parents to become a member of the family. Having degrees in media design and music, Tomomi had to learn programming and her efforts deepened her bonds with her new friend. Capable of reading human emotions and to adapt to his interlocutor, the robot created by Aldebaran Robotics and SoftBank Robotics is now used as customer service in stores and 1000 units are sold out in minutes after being on sale every month. Pepper is making his way to Japanese homes but few can enjoy so much outdoor like Tomomi·s one. Asked if she isn·t worried about damaging her robot friend during her activities, the 30-year-old said that she is taking extra care as she couldn·t imagine being separated two months from Pepper, the average time needed for a repair. EPA/FRANCK ROBICHON PLEASE REFER TO THE ADVISORY NOTICE (epa05406529) FOR FULL PACKAGE TEXT +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Ein echter Kavalier ist Pepper schon: Er trägt den von seiner Besitzerin Tomomi Ota gekauften Softdrink. Seit Ende 2014 ist Pepper Familienmitglied. Tomomi Ota nimmt ihn überall mit hin. Und passt gut auf ihn auf. Für die 30-Jährige wäre eine Trennung von Pepper nach eigenen Angaben äußerst schmerzhaft. Und eine Reparatur des Roboters würde etwa zwei Monate dauern. Bei soviel Zuneigung scheint die Zeit reif, auch gefühlvolle Autos mit Pepper-Seele zu bauen. 

Foto: Franck Robichon/dpa

Für die Künstliche Intelligenz ist das Konzept der Liebe extrem schwierig nachzuvollziehen und zu lernen. Son und Honda-Forschungschef Yoshiyuki Matsumoto haben dennoch den Ehrgeiz, den Robotern auf vier Rädern künftig quasi eine Seele zu geben und es zu ermöglichen, dass der Fahrer eine soziale Beziehung zum Fahrzeug aufbauen kann.

Aufmunternde Worte des einfühlsamen Autos

Honda zeigte jetzt in Tokio ein Video, wie man sich diese Partnerschaft vorstellt. Dort ist zu sehen, wie ein junges Mädchen in ein Auto steigt und von der Maschine den Vorschlag bekommt, das Vivaldi-Musikstück „Vier Jahreszeiten“ zu hören – weil es sowohl zum Wetter wie zu der Stimmung des Mädchens passen würde. Jahre später steigt die verheiratete Frau in ein neues Auto ein. Darauf spricht das Auto mit der gleichen Stimme wie ihr altes Fahrzeug und begrüßt sie wieder mit Vivaldi-Musik.

Visionen im Bereich Künstlicher Intelligenz

Sowohl Honda als auch Softbank haben schon seit längerem Visionen auf diesem Gebiet und arbeiten an Robotern in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz. Das Asimo Roboter-Projekt von Honda aus dem Jahr 1996 weist in diese Richtung und der menschenähnliche Roboter Pepper von Softbank, der 2014 auf den Markt kam und nach Aussagen von Son menschliche Gefühle spüren kann, geht in die gleiche Richtung.

In jüngster Zeit haben beide Unternehmen zudem in AI investiert: Honda baut ein neues AI-Labor und Softbank forscht an AI-Technologien auf Cloud-Basis.

Vielleicht trinken in Zukunft dann auch Auto und Fahrer nach Feierabend gemeinsam ein Bier des Londoner Unternehmens IntelligentX. Denn das erklärte sein Produkt zum „ersten Bier der Welt, das von Künstlicher Intelligenz gebraut wurde“. Und stehen bleiben muss der Wagen ja sowieso – zumindest noch solange bis sich autonomes Fahren durchgesetzt hat. 

Anzeige
Von Peter Odrich
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden