12.03.2014, 10:15 Uhr | 0 |

US-KONGRESS UNTERSUCHT RÜCKRUF Hat GM Gefahren durch defekte Zündschlösser ignoriert?

13 tödliche Unfälle sollen im Zusammenhang mit Zündschlössern in Wagen des Autobauers General Motors stehen, die sich während der Fahrt abschalteten. Der Kongress in Washington will nun wissen, warum der offenbar seit Jahren bekannte Mangel nicht früher zu einem Rückruf der betroffenen Modelle geführt hat.

General-Motors-Chefin Mary Barra
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Erst mit Mary Barra an der Spitze reagiert General Motors auf zehn Jahre alte Probleme mit Zündschlössern. 13 tödliche Unfälle sollen mit dem technischen Mangel zusammenhängen. 

Foto: dpa/Arne Dedert

Schon vor zehn Jahren soll das Problem bei General Motors (GM) bekannt gewesen sein, das bei mehreren Modellen unterschiedlicher Baureihen aus den Jahren 2003 bis 2007 auftrat. Ob Chevrolet, Pontiac oder Saturn: Auf holpriger Strecke kann der Zündschlüssel zurück in die Aus-Position springen. Damit schaltet sich nicht nur der Motor ab, sondern auch elektronisch gesteuerte Systeme wie der Airbag und die Servolenkung blockieren. GM hat deshalb im Februar rund 1,6 Millionen Autos zurückgerufen –  im Februar 2014. Politiker im Kongress wollen die späte Reaktion nicht auf sich beruhen lassen und haben dabei neben dem Hersteller auch die staatliche Aufsichtsbehörde NHTSA im Visier, die keine Gegenmaßnahmen verlangt hatte. Auch sie wusste nach Recherchen von US-Medien schon lange von dem Verdacht, dass 31 Unfälle mit 13 Toten mit diesem Problem zusammenhängen. 260 Hinweise von Besitzern an die Behörde soll es gegeben haben, schreibt die New York Times.

Der Vorsitzende des zuständigen Hauses im US-Kongress, Fred Upton, formuliert seine Kritik vorsichtig: Ob die NHTSA etwas „übersehen“ habe, das auf die Gefahr hätte „hinweisen“ können, will er untersuchen lassen. Und, wie das passieren konnte. Der durchaus naheliegende Verdacht, dass die Probleme in der für GM existenzbedrohenden Phase des vergangenen Jahrzehnts  bewusst ignoriert worden sein könnten, schwingt da nicht mit. Jedenfalls noch nicht.

Opel nicht betroffen

Bemerkenswert ist indes schon, dass die Rückrufaktion wenige Wochen nach Amtsantritt der neuen GM-Chefin Mary Barra gestartet wurde. Sie erklärte im Februar, erst kürzlich von den Problemen erfahren zu haben. Angetreten mit dem Ziel, das Traditionsunternehmen nach kritischen Jahren endgültig wieder auf einen stabilen Kurs bringen, ist die Veröffentlichung offenbar Teil einer Aufräumaktion. Ihre Strategie ist klar: Modern, aber vor allem grundsolide soll das Image der Marke und der Modelle sein. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass sie als eine ihrer ersten Amtshandlungen der Tochter Opel den Rücken stärkte und sie als unverzichtbaren Teil des Konzerns beschrieb.

Bei Opel-Modellen gibt es den technischen Mangel am Zündschloss nicht. Betroffen sind nur Modelle, die vorzugsweise in Nordamerika verkauft werden. Für den Konzern kommt der Skandal schon deshalb zur Unzeit, weil neue Modelle in der jüngeren Vergangenheit diverse Preise einheimsten, die das Image von GM aufpolierten – gerade, weil die technische Qualität gelobt wurde.

Toyota musste Strafe zahlen

Mary Barra hat die Rückrufaktion mit gutem Grund zur Chefsache gemacht. Nach Medienberichten hat sie eine Kanzlei mit der Betreuung der Sache beauftragt, die schon die Insolvenz der Lehman Brothers Bank untersuchte. Der Kongress-Ausschuss wird spätestens im April zu einer Anhörung in der Sache laden. Wie das für GM ausgehen kann, zeigt das Beispiel Toyota: Der japanische Hersteller musste vor gut vier Jahren in den USA 32,4 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil er nach Ansicht der Aufsichtsbehörde Probleme mit Lenkung und Beschleunigung nicht rechtzeitig und vollständig gemeldet hatte.

Toyota hatte damals elf Millionen Autos zurückgerufen. Auch in diesem Fall  gab es eine Anhörung im Kongress. Vorteil für GM: Während bei den Japanern aktuelle Fahrzeuge betroffen waren, werden die Modelle mit dem Zündschlossproblem aus Detroit alle nicht mehr gebaut. Im für GM besten Fall wird es Barra also gelingen, die Rückrufaktion als Zeichen der Erneuerung zu verkaufen – und so den Imageschaden zu begrenzen.

                                                                                                        

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Von Werner Grosch
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