04.05.2016, 12:54 Uhr | 1 |

Kooperation vereinbart Google und Fiat bringen gemeinsames Auto auf die Straße

Google hat endlich einen Autohersteller als Partner gewonnen: Fiat Chrysler. Gemeinsam wollen die Konzerne aus dem Modell Chrysler Pacifica ein selbstfahrendes Auto machen. 

Chrysler Pacifica
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Fiat und Google wollen den Chrysler Pacifica in ein autonomes Auto verwandeln. Der Minivan ist ein Hybridfahrzeug, das im gemischten Betrieb eine Reichweite von 850 km hat.

 

Foto: Fiat Chrysler

Google hat in den letzten Jahren viel Energie in die Entwicklung von Sensoren und Computern investiert, die autonomes Fahren ermöglichen. An der Entwicklung eines eigenen Autos im Alleingang hat die Alphabet-Tochter allerdings kein Interesse und machte sich deswegen auf die Suche nach einem Partner aus der Automobilindustrie.

Fündig wurde sie bei Fiat Chrysler. Gemeinsam wollen die beiden Konzerne 100 Exemplare des Modells 2017 des Pacifica umrüsten. Der Hybrid-Minivan bietet bis zu acht Personen Platz und schafft im gemischten Betrieb eine Reichweite von 850 km, im reinen Elektrobetrieb rund 50 km. Künftig könnte er über die Straßen rollen, während der Fahrer Zeitung liest.

Hatten anderen Hersteller Angst vor der Kooperation mit Google?

Warum gerade Fiat Chrysler? Weil der Konzern bislang vergleichsweise wenig in eigene Technologie für selbstfahrende Autos investiert hat. Andere Hersteller wie Mercedes, BMW und Audi sind hier schon viel weiter. Audi hat schon einen RS 7 ohne Fahrer mit Tempo 240 über den Hockenheimring rasen lassen, Mercedes hat mit dem Forschungsauto F 015 bereits ein autonom fahrendes Auto der Zukunft auf der CES 2015 präsentiert.

Branchenexperten zufolge zögern sie mit Google zu kooperieren, weil sie fürchten, die Führungsrolle an den Internetkonzern verlieren zu können. Fiat Chrysler scheint davor keine Angst zu haben. „Mein Ansatz ist es, für Technik völlig offen zu sein“, sagte Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne der Publikation Automag. Wenn die Branche mehrere Versionen der gleichen Technik parallel entwickle, verschwende sie Geld.

Lidar-System auf dem Dach sorgt für Orientierung

Google hat die Technik für autonomes Fahren bereits ausgiebig getestet. Als Testfahrzeug diente ein umgebauter Lexus mit einem sogenannten Lidar-System auf dem Dach, das optisch einem Radar ähnelt. Es rotiert und sendet kontinuierlich Laserstrahlen aus, eine Multispektralkamera nimmt das zurückfallende Licht auf.

Aus den Spektralfarben berechnet der Computer dann Abstand und Geschwindigkeit von Fahrzeugen, Passanten und Baustellen im Umkreis von 200 m. Die Technik, die auch im Prototyp eines Google-Autos zum Einsatz kommt, hat bereits zwei Millionen Testkilometer auf normalen Straßen hinter sich.

Selbstfahrendes Auto schrammte im März einen Linienbus

Anfang März kam es zum ersten Unfall, an dem ein selbstfahrendes Auto mit Google-Technik schuld war. Der umgebaute Lexus RY450H wollte in Mountain View bei San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien autonom ein Hindernis umfahren und dafür auf die mittlere Spur des dreispurigen Boulevards wechseln. Das Auto ließ dafür mehrere Fahrzeuge durch und wechselte dann mit 3 km/h die Spur. Dabei übersahen sowohl die Software als auch der mitfahrende Ingenieur einen Bus, der sich mit 24 km/h näherte. Der Lexus schrammte den Kotflügel des Busses.

Verletzt wurde niemand. Trotzdem sorgt der Fall für Aufruhr, denn bislang war das autonome Auto zwar an kleineren Unfällen beteiligt, jedoch nie dafür verantwortlich. Es stellt sich erneut die Frage: Wie entscheidet sich die Technik, wenn ein Unfall droht? Soll sie Kollisionen mit Fußgängern und Radfahrern stärker vermeiden als mit anderen Autos? Ist ein automobiler Computer in der Lage, ethischen Überlegungen bei einer Entscheidung Rechnung zu tragen? 

Ein Auto liegt am Freitag (27.08.2010) nach einem Unfall in der Innenstadt von Darmstadt vor einer Pizzeria. Der 21 Jahre alte Autofahrer war an einer Kreuzung mit dem Auto eines 46-Jährigen zusammengeprallt, überschlug sich und landete auf vor einer Pizzeria auf dem Dach. Der Fahrer wurde leicht verletzt. Foto:Jürgen Mahnke dpa/lhe +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Ein umgekipptes Auto im Zelt einer Pizzeria in Darmstadt: Wie soll sich die Steuerungstechnik autonom fahrender Autos im Fall eines Unfalls mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten entscheiden? Ist der Crash mit einem Auto der Kollision mit Fußgängern vorzuziehen? Damit beschäftigen sich derzeit Forscher in Großbritannien und Deutschland.

Foto: Jürgen Mahnke/dpa
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Von Patrick Schroeder
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kommentare
04.05.2016, 15:43 Uhr SigismundRuestig
"Tatü Tata Tatü Tata
Freude am Fahren, wenn kein Fahrer da.
Tatü Tata Tatü Tata
Vorsprung durch Technik, wenn kein WLAN da. ..."

Freud und Leid des fahrerlosen Fahrens auf den Punkt gebracht:

http://youtu.be/fU0QDDxDcy8

Viel Spaß beim Anhören!

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