05.09.2013, 10:36 Uhr | 0 |

Selbstfahrende Pkw Deutsche stehen dem „Roboterauto“ überwiegend positiv gegenüber

Schon jetzt hilft uns die Elektronik im Auto in vielen Situationen mit Assistenzsystemen beim Einparken und beim Abstand halten. Doch bald sollen Autos komplett selbstständig fahren können und wir werden nur noch Beifahrer sein. Freut oder besorgt das die Deutschen? Antworten dazu gibt die aktuelle Ernst & Young-Studie  „Autonomes Fahren – die Zukunft des Pkw-Marktes“. 

Autonomes Fahren á la Continental
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So stellt sich der Autozulieferer Continental die verschiedenen Stufen auf dem Weg zum selbstständig fahrenden Auto vor: 2016 teilautomatisiertes Fahren, 2020 hochautomatisiertes Fahren, 2025 vollautomatisiertes Fahren.

Foto: Continental

Fahren in einem voll automatisierten Auto: Das können sich inzwischen mehr als die Hälfte der Deutschen vorstellen. Herangeführt an solch einen Roboterwagen werden die Autofahrer ja schon seit einiger Zeit mit verschiedenen elektronischen Hilfen und Assistenzsystemen: Ein Tempomat hält sich an die gewünschte Geschwindigkeit, die Einparkhilfe gibt Signale zum leichteren Einparken und der Abstandsregler hält konsequent eine bestimmte Entfernung zum vorausfahrenden Fahrzeug ein.

Nissan: Autonomes Auto kommt ab 2020 in Serie 

„Ich verpflichte mich, das autonome Auto, eine technologische Revolution, ab 2020 zu präsentieren, und wir liegen gut in der Zeit", kündigte der Chef des Renault-Nissan-Konzerns, Carlos Ghosn, kürzlich an. Die Revolution auf der Straße kommt demnach relativ bald. Zumal Ghosn nicht alleine dasteht. Schon seit längerer Zeit arbeiten verschiedene Unternehmen wie Automobilzulieferer und Internetunternehmen daran, ein Fahrzeug zu entwickeln, das alleine durch Computer gesteuert wird. So baute Google bereits einige Fahrzeuge des Toyota Pius entsprechend um und will im nächsten Schritt ein eigenes Google-Auto in Zusammenarbeit mit Continental entwickeln. Doch Nissan geht noch einen Schritt weiter: Das japanische Automobilunternehmen beabsichtigt bis Ende 2014, eine künstliche Stadt als Testgelände zu bauen, um das selbstfahrende Auto serienreif entwickeln zu können. Vorliegende Technikkomponenten müssen nun vernetzt werden und das Zusammenspiel der verschiedenen technischen Besonderheiten muss koordiniert werden. Die bereits eingesetzten Sicherheitssysteme aus Kameras und Sensoren sollen noch optimiert werden, erklärte das Unternehmen.

Nur zwölf Prozent lehnten das Auto ohne Fahrer definitiv ab

Doch würden die Deutschen mit einem fahrerlosen Auto fahren? Lohnt sich die Investition von Milliardenbeträgen in die Entwicklung? Die Antwort lautet „Ja“. Zumindest ist dies das Ergebnis der Studie „Autonomes Fahren – die Zukunft des Pkw-Marktes“ der Beratungsgesellschaft Ernst & Young.  Das unabhängige Marktforschungsunternehmen Valid Research aus Bielefeld befragte dazu 1000 volljährige Männer und Frauen mit Führerschein.

Vier von zehn Deutschen würden demnach dem Autopiloten das Fahren überlassen. Noch mehr – 66 Prozent – stehen dem selbstfahrenden Auto positiv gegenüber, wenn sie in Notsituationen noch eingreifen können. Nur zwölf Prozent lehnten das Auto ohne Fahrer definitiv ab.

Alter und Einkommen entscheiden über Aufgeschlossenheit

Die Umfrage zeigte deutlich, dass vor allem junge Leute sowie Befragte mit einem hohen Einkommen dem selbstfahrenden Auto gegenüber besonders aufgeschlossen sind. Geringverdiener mit einem jährlichen Brutto-Haushaltseinkommen unter 20 000 Euro können sich die Fortbewegung in einem autonomen Fahrzeug „nur“ zu 53 Prozent vorstellen, während es bei den Verbrauchern mit einem Jahreseinkommen von über 80 000 Euro 76 Prozent sind, die sich mit einem autonomen Fahrzeug fortbewegen „lassen“ würden. Besonders Männer und Vielfahrer würden sich lieber durch den Verkehr fahren lassen.

Und dies, obwohl sie noch keine Erfahrung mit Fahrzeugen dieser Art haben. „Bislang hat noch kaum ein Autofahrer in Deutschland überhaupt Erfahrungen mit autonomem Fahren gesammelt – da ist es erstaunlich, wie aufgeschlossen die Menschen schon heute für dieses Thema sind", sagte EY-Partner Peter Fuß. Dies liege vermutlich daran, dass Autofahrer schon heute viele positive Erfahrungen mit den Assistenzsystemen haben.  Viele dieser kleinen automatischen Helfer sind in heutigen Pkw Standard – und die Fahrer haben gelernt, wie nützlich sie sein können“, so Fuß. Als Vorteile nannten die Befragten einen flüssigeren Verkehr und sogar eine höhere Sicherheit. Probleme könnte es jedoch bei einem Unfall geben, wenn es um die Haftungsklärung geht. Außerdem befürchten sechs von zehn Befragten, dass der Spaß am Autofahren verloren gehen könnte. 

Es wird noch bis zum Jahr 2030 dauern, bis das fahrerlose Auto in größeren Mengen gekauft wird und zu einem Massenprodukt werden könnte, denken zwei Drittel der Befragten. Nicht ganz unrealistisch: Denn neben der Entwicklung der Soft- und Hardware im Fahrzeug muss auch die Daten-Infrastruktur auf der Straße massiv aufgebaut werden. 

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Von Petra Funk
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