07.08.2013, 14:40 Uhr | 3 |

Einsitzer wiegt nur 440 kg Der schicke Elektroflitzer Colibri geht 2015 in Serie

Klein, wendig und elektrisch angetrieben: So präsentiert sich der Einsitzer Colibri, der von einem Verbundprojekt aus sieben mittelständischen Partnern entwickelt wurde. Für den Stadtverkehr ist der Colibri bestens gerüstet. Er bietet Sicherheit und Komfort und lässt sich individuell an die Größe des Fahrers anpassen. Große Hersteller wie BMW mit dem i3, Daimler mit dem E-Smart und VW mit dem E-Up werden staunen.

Der Kleinwagen Colibri auf der Hannover Messe 2013
Á

Der elektrisch angetriebene Einsitzer Colibri ist ein verblüffendes Auto: Mit 440 kg ist er so leicht, dass er nur eine kleine Batterie braucht, um eine Reichweite von 110 Kilometern zu erreichen. Und dabei wurde das Auto in Deutschland von mittelständischen Unternehmen entwickelt und soll 2015 in Serie gehen.

Foto: TU Chemnitz/Marcus Hartenstein

Kolibris sind bekannt als emsige Flieger, die den Nektar auf der Stelle flatternd aus den Blüten trinken. Sie können seitwärts und sogar rückwärts fliegen. Daher ist der Name des Einsitzers Colibri Programm: ein kleiner, wendiger elektrobetriebener Stadtwagen, der wirklich problemlos in jede Parklücke hineinpasst.

Die kleine Firma Innovative Mobility Automotive (IMA) aus Jena, die mit dem kleinen straßentauglichen Prototyp des Colibris auf Messen wie dem Genfer Autosalon Anfang März 2013 viel Interesse geweckt hat, will ihre rollende Innovation jetzt ganz schnell in die Serienfertigung bringen. „Das Ziel, Anfang 2015 die ersten Fahrzeuge fertigzustellen und Anfang 2016 auszuliefern, wird IMA erreichen“, verspricht IMA-Produktmanager Robert Wetzel. Das Auto soll für unter 10 000 Euro zu haben sei, zuzüglich der Batteriemiete.

Der kleine Flitzer wurde im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Themenfeld „Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität (STROM) entwickelt. Zielgruppe des elektrischen Einsitzers ähnlich wie dem Twizy von Renault sind Stadtverwaltungen und Carsharing-Anbieter, Liefer- und Pflegedienste. Auch für typische Berufspendler ist er ein attraktives Verkehrsmittel.

Pedale des Colibris können an Körpergröße des Fahrers angepasst werden

An der Entwicklung dieses rollenden Miniautos war auch die TU Chemnitz mit deren Professur für Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung unter der Leitung von Prof. Lothar Kroll. Deren Mitarbeiter entwarfen unter der Einbeziehung externer Designvorgaben die komplette Innenausstattung des Elektroflitzers, die Kofferraumstruktur, Verkleidungselemente, die Pedalkonstruktion und den schwenkbaren Sitz.

"Der Fahrer nimmt im Colibri zwischen den hochgezogenen Seitenschwellern eine tiefe Sitzposition ein. Im Falle eines Seitencrash wäre er auf diese Weise optimal geschützt“, erklärt Robert Stelzer, Mitarbeiter der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung. „Um dennoch einen möglichst bequemen Ein- und Ausstieg in das Fahrzeug gewährleisten zu können, ist die Sitzfläche mit der Hilfe eines elektrischen Verstellmechanismus nach oben und unten schwenkbar."

Die verschiebbare Pedalerie des Colibris ist ebenfalls ein Entwicklungsschwerpunkt des Forscherteams der TU Chemnitz. So sieht das Fahrzeugkonzept in Verbindung mit dem schwenkbaren Sitz anpassungsfähige Pedale vor, um eine mit der jeweiligen Körpergröße abgestimmte komfortable Fahrposition zu ermöglichen. „Die Ergonomie haben wir mithilfe eines Holzmodells des Fahrzeugs ermittelt, in dem wir Testpersonen Probe sitzen ließen“, erklärt Marcus Hartenstein, Wissenschaftler im Team um Professor Lothar Kroll. Bei der Innenverkleidung kam glasfaserverstärkter Kunststoff zum Einsatz. „Das Interieur mussten wir so montieren, dass man keine Schrauben sieht. Das war Neuland für uns.“

110 Kilometer mit einer Batterieladung reichen im Stadtverkehr völlig aus

„Der Colibri ist ziemlich einzigartig mit seinem flexiblen und modularen Fahrzeugkonzept. Zum einen bietet er den von normalen Pkw gewohnten Komfort- und Sicherheitsstandard sowie sportliche Fahrleistung“, verspricht Robert Wetzel, Produktmanager bei Innovative Mobility. „Gleichzeitig ist er deutlich verbrauchsärmer als andere Elektroautos. Durch das geringere Gewicht von insgesamt 440 Kilogramm genügt eine kleinere Batterie für eine Reichweite von 110 Kilometern.“

Dass der Colibri schon so weit entwickelt ist und vor der Serienfertigung steht, ist einem Verbund aus sechs mittelständischen Industriepartnern zu verdanken. Beteiligt an dem Projekt ist die B&W Fahrzeugentwicklung GmbH mit Sitz in Oebisfelde, die für die Ingenieurdienstleistungen zuständig ist. Die Motoren stellt die CPM Compact Power Motors GmbH in Unterföhring her. Für die Crashoptimierung zuständig ist die Altair Engineering GmbH aus Böblingen, die Außenverkleidung übernimmt die Lätzsch GmbH Kunststoffverarbeitung aus Thierbach. Den Rahmen aus Magnesium entwickelt und fertigt die Stolfig GmbH in Pausa hat, die TU Chemnitz entwickelte das Interieur. Und die Gesamtverantwortung und das Projektmanagement hat die Firma Innovative Mobility Automotive GmbH aus Jena.

Trotz Leichtbauweise keine Abstriche an Sicherheit und Komfort

Den mittelständischen Partnern ist mit dem Colibri ein Spagat gelungen. Das Gewicht des kleinen Elektroflitzers ist enorm reduziert. Trotzdem bietet der Einsitzer die gewohnte Sicherheit und den gewohnten Komfort. Das Leichtbaukonzept auf Magnesium-Basis soll es ermöglichen, den Verbrauch gegenüber bisherigen Elektroautos erheblich zu reduzieren und die Kosten auf etwa 90 Cent pro 100 Kilometer zu senken. Die Entwickler schätzen, dass der Colibri im Vergleich zu durchschnittlichen Kleinwagen nur etwa 60 Prozent der üblichen Mobilitätskosten verursachen wird.

So ist der Colibri eine Konsequenz aus der Erkenntnis, dass es beim Bau von Elektrofahrzeugen nicht die eine Lösung für alle Fälle gibt. Der Colibri setzt mit seinem Fahrkonzept völlig konsequent auf den Einsatz in der Stadt, vereint Effizienz mit Alltagstauglichkeit.

Er kommt mit einer Länge von nur 2,60 Meter, einer Breite von nur 1,05 Meter und einer Höhe von 1,30 Meter angerollt und kann über 100 Kilometer mit einer Ladung seiner Batterie zurücklegen. Der Colibri ist dabei voll alltagstauglich und wird garantiert in jede noch so kleine Parklücke im verstopften urbanen Straßenraum passen. Das alles sind Argumente für Berufspendler im Stadtverkehr, aber auch für Flottenbetreiber oder Lieferservices.

Zwei Getränkekisten und eine Kühltasche finden Platz im Kofferraum

Denn eines haben die Entwickler nicht vergessen – den Platz im Kofferraum. Der muss angemessen groß sein, sonst kauft so einen Kleinstwagen kein Mensch. „Den Kofferraumboden haben wir als thermoplastisches Sandwichbauteil aus umgeformten und verpressten Organoblechhalbzeugen hergestellt“, erklärt Robert Stelzer. „Das Ziel war dabei, nicht nur eine belastungsgerechte Kofferraumstruktur aus Kunststoff zu schaffen, sondern den späteren Fahrzeugnutzern auch möglichst viel Stauraum zur Verfügung zu stellen.“

Das ist gelungen: Satte 180 Liter Platz bietet der Kofferraum im Colibri. Das reicht aus für zwei Getränkekisten und eine zusätzliche Tasche, zum Beispiel die Kühltasche. Das Picknick am Wegesrand wartet also nur noch auf die Serienfertigung und die Auslieferung des elektrifizierten Stadtflitzers im Jahre 2016.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare
13.03.2014, 12:16 Uhr E-Auto-Nutzer
Ja Leute - was nun?
180 Liter und 2 Kisten oder 240 Liter und 3 Kisten?
Serien-Start 2014, 2015, 2016?
Und hat schon jemand mal - von den Ingenieuren - einen Einpark-Versuch (Wenderadius, Radstand!) praktiziert?
Wann kippt das Möppl? Die Akkus sorgen zwar für tiefen Schwerpunkt (wo liegt er?), jedoch ist das Ding 1 Meter 05 breit. Spurbreite??
Bodenfreiheit? Wozu brauch ich eine Luftwiderstands-mindernde Frontschürze im Stadtverkehr, wenn ich am Randstein hängen bleibe?
Mit welchen Reifen, welchem Luftdruck fährt das Gerät? Wie ist das Verhältnis gefederte zu ungefederten Massen?
Dies alles müsste ein Fahrzeug-Ingenieur wissen, beantworten können.
Vom 1-Sitzer ganz zu schweigen - nicht mal ein Notsitz für Kinder vorhanden.
Und wie steht es mit Behinderten? Das wäre doch mal was, ein schickes Autolein für die Fußgängerzone, und dann Umsteigen in den Rollstuhl. - jedoch nix von alledem.
Nur Schnickschnack, den es vor 25 Jahren schon gab - auch die Fahrdaten, mit denen kein Mensch was anfangen kann (Winter - Heizung, Steigung etc.).
Prima der tolle Crashtest - wenn ich nur in der Stadt fahren kann.
Mal sehen, was nun geschieht. Andere sind längst weiter (nicht die BMW-, Audi- etc. Fakes), sondern Franzosen, die das auch noch bescheiden subventionieren.


13.03.2014, 12:17 Uhr E-Auto-Nutzer
Ja Leute - was nun?
180 Liter und 2 Kisten oder 240 Liter und 3 Kisten?
Serien-Start 2014, 2015, 2016?
Und hat schon jemand mal - von den Ingenieuren - einen Einpark-Versuch (Wenderadius, Radstand!) praktiziert?
Wann kippt das Möppl? Die Akkus sorgen zwar für tiefen Schwerpunkt (wo liegt er?), jedoch ist das Ding 1 Meter 05 breit. Spurbreite??
Bodenfreiheit? Wozu brauch ich eine Luftwiderstands-mindernde Frontschürze im Stadtverkehr, wenn ich am Randstein hängen bleibe?
Mit welchen Reifen, welchem Luftdruck fährt das Gerät? Wie ist das Verhältnis gefederte zu ungefederten Massen?
Dies alles müsste ein Fahrzeug-Ingenieur wissen, beantworten können.
Vom 1-Sitzer ganz zu schweigen - nicht mal ein Notsitz für Kinder vorhanden.
Und wie steht es mit Behinderten? Das wäre doch mal was, ein schickes Autolein für die Fußgängerzone, und dann Umsteigen in den Rollstuhl. - jedoch nix von alledem.
Nur Schnickschnack, den es vor 25 Jahren schon gab - auch die Fahrdaten, mit denen kein Mensch was anfangen kann (Winter - Heizung, Steigung etc.).
Prima der tolle Crashtest - wenn ich nur in der Stadt fahren kann.
Mal sehen, was nun geschieht. Andere sind längst weiter (nicht die BMW-, Audi- etc. Fakes), sondern Franzosen, die das auch noch bescheiden subventionieren.


14.03.2014, 12:00 Uhr E-Auto-Nutzer
Ich habs nochmal genau durchgelesen.
Also für das Picknick braucht man pro Person 1 Kolibri, dann kann man für jeden Picknicker 2 getränkekisten und 1 Kühltasche mitnehmen.
Aktionsradius um Jena: Gotha, Ilmenau, Querfurt, Bad Lobenstein, Gera.
Zwickau, Sonneberg, Eisenach, Eisleben müssten wir allerdngs schon an ne 'Tankstelle'

Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden