25.03.2013, 17:55 Uhr | 0 |

Im Stau frühstücken Bosch will 2014 mit automatischem Stop-and-go-System in Serie gehen

Bosch will bereits im nächsten Jahr einen Stauassistenten in Serie gehen lassen. Das System übernimmt beim Stop-and-go-Betrieb auf Autobahnen selbstständig das Anfahren, Bremsen und Lenken. Entlastung für die Fahrer und zugleich ein Hauch von Zukunftsmusik auf der Straße.

Vollautomatisch  durch den Stau
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Die meisten Neuwagen haben heute schon die Basiskomponenten für den automatischen Stauassistenten an Bord. Dazu zählen die addaptive Geschwindigkeitsregelung ACC und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP ebenso wie Radarsensoren und Kameras.

Foto: Bosch

Das voll automatisiert fahrende Auto rückt mit Riesenschritten näher. Immer mehr intelligente Fahrerassistenzsysteme ebnen den Weg von der Utopie zur Realität. Sie nehmen dem Fahrer zunehmend Entscheidungen und Handlungen ab, was der – je nach Mentalität – als Segen oder Fluch empfinden mag.

Im Stau entspannt frühstücken oder im Netz kommunizieren

Bereits im nächsten Jahr soll ein Stauassistent von Bosch in Serie gehen, der den Fahrer in Autobahnstaus zumindest temporär entbehrlich machen könnte. Der darf dann, während sich sein Auto selbsttätig im Stop-and-go-Betrieb vorwärts kämpft, beispielsweise frühstücken oder entspannt mit seinen Facebook-Freunden kommunizieren. In der ersten Ausbaustufe soll der elektronische Helfer ohne Eingreifen des Fahrers bis maximal 50 km/h selbstständig bremsen, beschleunigen und lenken.

Die technischen Basiskomponenten für den automatischen Stauassistenten haben die meisten Neuwagen schon heute serienmäßig an Bord. ACC (Adaptive Cruise Control) erkennt vorausfahrende Autos und passt Abstand und Geschwindigkeit des eigenen Fahrzeugs entsprechend an. In Verbindung mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP, einer Videokamera und einer elektromechanischen Lenkung sind die Voraussetzungen für die automatische Fahrzeugführung komplett. Ihre Fahrbefehle wird sie von einer leistungsstarken Software erhalten.

Der nächste Schritt ist dann das automatische Wechseln der Fahrspur. Dafür sind zusätzliche Radarsensoren am Fahrzeugheck erforderlich, außerdem eine dynamische Navigationskarte, die über eine Mobilfunkanbindung aktuelle Baustellen und Tempolimits erkennt.

Vollautomatisches Fahren keine Utopie mehr

Vorausfahrender Verkehr wird entweder mit einer Kombination von Radarsensor und Monokamera oder mit einer Stereokamera erfasst. Hier verfügt Bosch mit dem LRR 3 bereits über einen leistungsfähigen Long-Range-Radarsensor, der bei einem Öffnungswinkel von bis zu 30° etwa 250 m weit "sehen" kann. Deutlich kostengünstiger wird ein neuer Mid-Range-Radarsensor sein, der noch 2013 in Serie gehen soll. Er besitzt bei 45° Öffnungswinkel eine Reichweite von 160 m.

Neben der aktuellen Multi-Purpose-Kamera mit Sensorelement wurde eine Stereo-Videokamera entwickelt, die mithilfe zweier Sensoren räumlich "sehen" kann. Damit lassen sich Entfernung und Bewegungsrichtung von Objekten exakt ermitteln. Beide Sensorkonfigurationen ermöglichen außerdem eine vorausschauende Notbremsung. Der rückwärtige Verkehr wird von zwei Mid-Range-Radarsensoren beobachtet, die bei einem Öffnungswinkel von je 150° bis zu 100 m weit "sehen" können. Die Fahrzeugführung im Nahbereich wird von den Ultraschallsensoren der Einparkhilfe unterstützt.

"Das vollautomatische Fahren ist heute keine Utopie mehr", glaubt Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control. "Der Stauassistent ist der erste Schritt auf diesem Weg. Automatisierungsgrad und Geschwindigkeiten werden kontinuierlich zunehmen, bis eines Tages ein ‚Highway Pilot‘ die Autobahnfahrt von der Auffahrt bis zur Abfahrt völlig selbstständig übernehmen wird." Nach Verlassen der Autobahn jedoch wird der Mensch voraussichtlich noch viele Jahre lang das Steuer wieder selbst in die Hand nehmen müssen, weil auf Landstraßen und im Stadtverkehr die unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmergruppen aus allen Richtungen aufeinandertreffen.  

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Von H. W. Mayer
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