29.07.2013, 15:20 Uhr | 0 |

Weltpremiere des i3 BMW setzt für das Elektroauto ganz auf Kohlenstofffaser

Große Hoffnungen weckt BMW mit der heutigen zeitgleichen Weltpremiere seines Elektroautos i3 in London, New York und Peking. Mit dem i3 wagen die Bayern den Schritt in ein neues Fahrzeug- und Vertriebskonzept. Die Karosserie des i3 ist aus teurer Kohlefaser gefertigt. Und mit Argusaugen beobachten die BMW-Händler, dass es das Auto auch im Internet gibt. Ein Tabubruch.

Premiere des BMW i3 in London
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Weltpremiere des Elektroautos BMW i3: Vertriebsvorstand Ian Robertson und Entwicklungsvorstand Herbert Diess präsentierten das Auto in London.

Foto: BMW

Der BMW i3 ist ein Kompaktfahrzeug, das in der Basisversion allein elektrisch angetrieben wird. Die Reichweite liegt je nach Fahrweise und Außentemperatur zwischen 130 und 150 Kilometern. Das „Auftanken“ auf 80 Prozent der Ladekapazität dauert an speziellen Schnelll-Ladesäulen 30 Minuten, an der häuslichen Steckdose bis zu acht Stunden.

Für zögernde Kunden gibt den Range-Extender

Für jene Kunden, denen die Reichtweite des i3 zu gering ist, bietet BMW einen so genannten Extramotor an, der Reichweite auf bis auf 300 Kilometer vergrößert. Dabei handelt es sich um einen Zweitakt-Motorrad-Motor, der einen Generator antreibt, der den zusätzlichen Fahrstrom erzeugt.

Mit 34 950 Euro Basispreis kostet der i3 allerdings mehr als der Einstieg in die BMW 3er-Klasse. Mit Range-Extender kostet der i3 knapp 40 000 Euro. Und in dem hohen Preis könnte auch das größte Risiko für einen Verkaufserfolg liegen.

Bemerkenswert ist die lange Garantiefrist von acht Jahren oder 100 000 Kilometer Laufstrecke. Darin schlägt sich nieder, dass das Elektroauto vielfältige Bestandteile herkömmlicher Fahrzeuge gar nicht besitzt: Kupplung, Auspuff oder ein Katalysator können icht kaputt gehen, weil es sie gar nicht gibt. Somit ist auch die Wartung des Fahrzeugs kostengünstiger. BMW veranschlagt diesen Kostenvorteil vorsichtig auf rund 20 Prozent der Wartungsaufwendungen anderer Fahrzeuge.

Der BMW i3 ist der Einstieg in die Kohlefasertechnik

Elektroautos gibt es schon seit einiger Zeit. Beispiele sind die luxuriösen Tesla-Limousinen in den USA, der Nissan „Leaf“ und von Renault die Limousine Zoe und der kleine Stadtflitzer Twizy. Ihre Verkaufserfolge halten sich allerdings bislang in recht engen Grenzen.

BMW will den Durchbruch nun mit hohen Investitionen erreichen – die Rede ist von bis zu drei Milliarden Euro. Besonders kostspielig ist der fast sensationell anmutende Sprung zur Karosserie aus der hochfesten und zugleich superleichten Kohlenstofffaser, die bislang vor allem im Flugzeugbau und für hochwertige Sportgeräte und Fahrräder eingesetzt wird. Das gesamte Auto wiegt aufgrund der Kohlenfasertechnik nur rund 1200 Kilogramm. Das geringe Gewicht kommt vor allem der Reichweite zugute.

Modultechnik der Batterie erlaubt Austausch defekter Einheiten

Eine Neuheit für ein Elektroauto ist auch das Batteriesystem, das aus acht Modulen besteht. Der Vorteil ist, dass bei Schäden an einem Modul nicht die gesamte Batterie, sondern nur das schadhafte Modul ausgetauscht werden muss. BMW-Tests haben ergeben, dass die Batterien selbst nach zehn Jahren Einsatz im Fahrzeug noch 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen sollen.

Der Elektromotor des i3 erreicht 100 Kilometer Geschwindigkeit in acht Sekunden. Das weitgehend geräuschlos fahrende Auto verfügt über 170 PS Motorleistung und weist ein Drehmoment von 250 Newtonmetern auf.

Neu ist auch der Vertrieb des BMW i3

Mit großem Interesse beobachtet die gesamte Autobranche den Tabubruch, den BMW mit dem i3 im Vertrieb begeht. Im Gegensatz zum bisher vorherrschenden Autoverkauf kann der i3 nicht nur beim Autohändler gekauft werden. Erstmals kann man einen Neuwagen auch beim Hersteller im Internet bestellen. Das bedeutet, dass dem BMW-Handel besonders bei einem Erfolg des i3 Anteile wegbrechen. Zudem können sich Interessenten auch einen Verkaufsrepräsentanten nach Hause oder ins Unternehmen bestellen.

Wo liegen die Risiken des i3 für BMW selbst?

Die Risiken für BMW sind ganz erheblich. Werden die öffentlich bisher nicht präzisierten Verkaufsziele verfehlt, kann das BMW in die Verlustzone drücken. Noch schwerer wiegt allerdings, dass dann das Geld für die Entwicklung anderer, vermutlich gut verkäuflicher Fahrzeuge fehlte.

Hinzu kommt, dass ein Fehlschlag des i3 konzernintern zu erheblichen Auseinandersetzungen führen könnte, da die Gruppe hochrangiger Gegner des Sprungs zum Elektroauto ganz erheblich zu sein scheint. Dass letztere sich nicht durchsetzen konnten, scheint dem harten Drängen des Großaktionärs von BMW, der Familie Quandt, zuzuschreiben zu sein.

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Von Peter Odrich
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