06.05.2013, 09:59 Uhr | 0 |

Test beim Carsharing Autoschlüssel avanciert zum Multitalent

Automobilbauer tüfteln ebenso wie Zulieferer an intelligenten Schlüsselsystemen für Fahrzeuge. Entscheidender Vorteil: Mit den neuen Keylockern lässt sich das Fahrverhalten des Automobils personalisieren. Zugleich sind Infos wie Tankstand oder Reifendruck herunterladbar. Im Test ist zurzeit ein Carsharingsystem mit digitaler Schlüsseltechnik.

Continental testet den digitalen Schlüssel.
Á

Ein digitaler Schlüssel ist das Herzstück eines Feldversuchs in Frankreich, der vor wenigen Tagen gestartet ist. Continental testet hier gemeinsam mit Partnern ein Carsharingsystem mit Elektrofahrzeugen. 

Foto: Continental

Der Albtraum aller Eltern: Sohn oder Tochter, seit wenigen Tagen im Besitz des Führerscheins, kacheln unangeschnallt mit ohrenbetäubend wummernden Lautsprechern und Tempo 80 durch belebte Citystraßen. Wenn alle Appelle und Ermahnungen versagen, könnte womöglich ein Besuch beim Ford-Händler hilfreich sein. Der bietet nämlich seit Anfang des Jahres den neuen Fiesta mit speziellem "MyKey"-Schlüsselsystem an, einer Art elektronischem Erziehungshelfer, der allzu großen Übermut am Steuer gezielt abbremst.

"MyKey" ist ein programmierbarer Zweitschlüssel, in den sich eine ganze Reihe von Zusatzfunktionen integrieren lassen. So kann beispielsweise die Höchstgeschwindigkeit wahlweise auf 140 km/h oder 160 km/h begrenzt werden. Um Geschwindigkeiten deutlicher bewusst zu machen, lassen sich auf dem Multifunktionsdisplay sieben individuelle Tempowarnsignale zwischen 70 km/h und 140 km/h installieren.

Digitaler Schlüssel kann auch Radiolautstärke drosseln

Besorgte Eltern, die ihrem Nachwuchs einen Hörsturz ersparen möchten, drosseln die Lautstärke des bordeigenen Audiosystems auf bis zu 45 % des Höchstwerts. Außerdem lässt es sich erst einschalten, wenn der Sicherheitsgurt des Fahrers eingerastet ist. Das Eingeben von Zielen ins Navigationssystem während der Fahrt – eine gängige Verkehrssünde auch von Erwachsenen – lässt sich durch entsprechende Schlüsselkonfiguration ebenfalls verhindern.

Die vom Fahrzeughalter programmierten Einstellungen werden jedes Mal aktiviert, wenn der MyKey-Zweitschlüssel benutzt wird. Dessen Einstellungen können nur mit dem beim Fahrzeughalter verbleibenden Administratorschlüssel geändert oder gelöscht werden.

Mit dem Schlüssel kann aber auch die Deaktivierung wichtiger Fahrzeugfunktionen verhindert werden. So lässt sich beispielsweise ESP nicht abschalten, ebenso wenig wie der Notrufassistent, der als Bestandteil des sprachgesteuerten Ford-Konnektivitätssystems Sync bei einem Unfall automatisch Polizei und Rettungsdienst alarmiert.

Ford bietet neues Schlüsselsystem bis 2015 in allen neuen europäischen Modellreihen an

Bis 2015 will Ford sein konfigurierbares Schlüsselsystem in allen neuen europäischen Modellreihen anbieten. Seine vielfältigen Funktionen könnten durchaus auch bei Autovermietern oder Fuhrparkmanagern auf Interesse stoßen, glauben die Ford-Leute.

Der erhoffte Erziehungseffekt bei jungen Fahranfängern allerdings überzeugt den Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann, nicht unbedingt: "In manchen Fällen mag das zwar nützlich sein, aber im Stadtverkehr hilft eine limitierte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h überhaupt nichts. Das Hauptrisiko junger Fahrer, nämlich mangelndes Fahrkönnen und Selbstüberschätzung, lassen sich so nicht ausbremsen. Daran können auch die übrigen Schlüsselfunktionen nichts ändern."

Dass Schlüsselsysteme in modernen Autos viel mehr können als Wagentüren öffnen oder verriegeln, beweist auch der Zulieferer Delphi mit seinem multifunktionalen Schlüssel. Der speichert vielfältige Fahrzeugdaten und stellt sie über eine Schnittstelle auf einem portablen Anzeigegerät zur Verfügung.

Übertragung auf Smartphone, Tablet oder PC

Speichern lassen sich z. B. Tankinhalt, Reifendruck, Ölstand, Wartungshinweise, Sitz-, Klima- und Radioeinstellungen. Solche Informationen lädt sich der Schlüssel beim Abschließen des Fahrzeugs über eine Bluetooth- oder NFC-Schnittstelle (Near Field Communication) aus der Bordelektronik herunter. Mit den gleichen Schnittstellen und einer geeigneten App lassen sich diese Informationen auf Smartphone, Tablet oder PC übertragen und bearbeiten.

Der digitale Autoschlüssel von Continental kann noch mehr. Vor wenigen Tagen startete das Unternehmen in Bordeaux gemeinsam mit den Partnern Veolia, Evtronic, Mercur und Proxiway einen Feldversuch mit einer Flotte von Elektrofahrzeugen, die im Carsharingsystem genutzt werden. Herzstück des Systems ist ein digitaler Schlüssel, der seine Daten mit dem Fahrzeug kontaktlos über NFC austauscht. Vor der Fahrzeugnutzung wird ein fälschungssicherer Datensatz auf das Smartphone geschickt und dort auf der SIM-Karte gespeichert.

Via NFC überträgt dann das Smartphone die Daten an ein Lesegerät hinter der Windschutzscheibe. Der Empfänger im Lesegerät verifiziert anschließend den Zugang zum Fahrzeug und gibt den Motorstart frei. "Mit dem Smartphone haben die Nutzer der Elektrofahrzeugflotte in Bordeaux alles in einer Hand: Mietstation, Autoschlüssel und Ladesäule", sagt Andreas Wolf, Leiter des Continental-Geschäftsbereichs Body and Security. Der digitale Schlüssel mache das System für Betreiber und Nutzer einfach, flexibel und komfortabel. 

Anzeige
Von Hans W. Mayer | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden