15.12.2016, 07:29 Uhr | 0 |

Uni Ulm sammelt Daten Autonome Autos sollen Bauchgefühl bekommen

Autonom fahrende Autos sollen bald vorausahnen, wohin sich Menschen auf der Straße in der nächsten Sekunde bewegen. Dazu erfassen Kameras in der Ulmer Innenstadt alle Bewegungen in einer verkehrsberuhigten Zone. Daraus entstehen Algorithmen, die dem Bordcomputer eine Art Bauchgefühl verschaffen.

Autonomes Auto der Uni Ulm
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Das hochautomatisierte Fahrzeug der Ulmer Forscher unterwegs in der Wissenschaftsstadt auf dem Eselsberg. 

Foto: Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik/Universität Ulm

Hin und wieder flippt eins der überstürzt in den Verkehr geschickten autonom fahrenden Autos aus und verursacht einen Unfall. Der Bordcomputer hat in diesen Fällen die Informationen der Sensoren, die das Umfeld beobachten, missgedeutet oder die Reaktion anderer Verkehrsteilnehmer falsch eingeschätzt. Fatal ist das vor allem dann, wenn besonders verletzliche Fußgänger ins Spiel kommen. In Ulm wird nun das Zusammenwirken von Fußgängern und zwei autonomen Fahrzeugen erfasst, die an der Universität Ulm entwickelt worden sind. Die werden aber nicht einfach auf die Menschheit losgelassen. Hinter dem Steuer sitzen Testfahrer, die im Notfall eingreifen können.

Sensoren erfassen Autos und Fußgänger

Testgebiet ist die Neue Straße in Ulm, in der Fußgänger und Fahrzeuge gleichberechtigt sind. Das Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) hat sich hier auf den Boden begeben und eine Infrastruktur aufgebaut, mit der das Verhalten von Fußgängern und Fahrzeugen erfasst wird.

2014 hat das DLR diese Technik bereits in Braunschweig getestet. „Daten über das interaktive Verhalten zwischen vollautomatisierten Fahrzeugen und Fußgängern sind in Deutschland bislang so gut wie nicht verfügbar“, sagt Projektkoordinator Michael Buchholz vom Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik der Universität Ulm.

Böse Überraschungen ausschalten

Die beteiligten Forscher wollen die Sensorik und die Auswertung der Daten, die sie liefern, in Bezug auf die Interaktion mit Fußgängern optimieren. Die können gerade in einer verkehrsberuhigten Zone schon mal ungewöhnlich reagieren, etwa quer über die Straße laufen, um die Auslagen eines angesagten Modegeschäfts anzuschauen. Letztlich soll der Bordcomputer an Hand der von den Sensoren gelieferten Daten voraussehen können, wie die nächsten Bewegungen der Fußgänger aussehen.

Die Sensoren, die das DLR installiert hat, zeichnen mit Kameras die Bewegungen aller Fahrzeuge und Fußgänger auf. Die so gesammelten Daten gleichen die Forscher mit denen ab, die von den autonomen Autos aufgezeichnet werden. Aus diesem Datenpaket wollen sie Algorithmen, also mathematische Problemlösungen für autonome Fahrzeuge entwickeln.

Sie sollen von Aktionen der Fußgänger nicht mehr überrascht werden, sondern ähnlich wie ein erfahrener Autofahrer, der eine Art Bauchgefühl für sich anbahnende Gefahrensituationen hat, kleine Hinweise erkennen und berücksichtigen. Etwa damit rechnen, dass ein Fußgänger, der einer größeren Gruppe begegnet, nach links oder rechts ausweicht, ohne auf den Verkehr zu achten.

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Von Wolfgang Kempkens
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